Vor 100 Jahren: Frauen wählen zum ersten Mal

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Die ersten vier weiblichen Abgeordneten des Volksstaates Hessen.
Die ersten vier weiblichen Abgeordneten des Volksstaates Hessen: Else Bierau geb. Schrimpf, Anna Maria Rauck geb. Eckerlein verw. Schweighöfer, Elisabeth (Else) Hattemer geb. Hemmes und Karoline Balser geb. Schmierer

Am 19. Januar 1919 fand die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung statt: die erste Wahl, an der Frauen ihr aktives und passives Wahlrecht nutzen konnten. Parteien wie bspw. die Deutsche Demokratische Partei (DDP) riefen die „Frauen Hessens“ als „Mehrzahl der Wähler“ anlässlich der bevorstehenden Wahlen dazu auf, als Neuwählerinnen ihre „Frauenwünsche“ zu verwirklichen (HStAD Bestand R 2 Nr. 507).

Durch die Herabsetzung des Wahlalters von 25 auf 20 Jahren sowie der erstmaligen Zulassung von Frauen und Soldaten stieg die Zahl der Wahlberechtigten stark an, auf reichsweit 36 Mio., von denen 83 % in die Wahllokale strömten. Die SPD als stärkste Kraft bildete zusammen mit der Zentrumspartei und der DDP infolge der Wahl die sog. Weimarer Koalition.

Wählerinnen und Wähler vor einem Wahllokal in Berlin, 1919
Wähler und erstmals auch Wählerinnen warten vor einem Wahllokal in der Berliner Koppenstraße, 1919. Foto aus der Sammlung Julius Groß. (AdJb Best. F 1 Nr. 57/03)


Am 21. Januar folgten die Wahlen zur Volkskammer im Volksstaat Hessen. Unter den insgesamt 70 Abgeordneten waren fünf Frauen, davon vier aus Darmstadt: Anna Maria Rauck (1871–1953) zog für die SPD in die verfassunggebende Volkskammer ein. Mandate für das Ständehaus am Darmstädter Luisenplatz, den Sitz des Landtags in Darmstadt, gewannen auch Karoline Balser (1873–1928) für die liberale DDP, Elisabeth Hattemer (1870–1948) für die Zentrumspartei und Else Bierau (1877–1956) für die nationalliberale Deutsche Volkspartei.
Im Kommunallandtag für den Regierungsbezirk Wiesbaden kamen die ersten weiblichen Abgeordneten nach der Wahl von 1921 ins Parlament. Im Regierungsbezirk Kassel dauerte es noch bis 1925, ehe mit Minna Bernst eine Frau als Abgeordnete mitwirken konnte.

Noch im Mai des Jahres 1918 malte der preußische Abgeordnete Johann Viktor Bredt, Professor in Marburg, die politische Beteiligung von Frauen in düsteren Farben. Sollten diese „Einfluß gewinnen auf die Gesetzgebung, auf die Schulen und auf die militärische Erziehung der Jugend, dann sind wir wirklich fertig (Lebhafte Zustimmung)“ (Zitat aus Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, 7. Mai 1918). Bei den Wahlen im Januar 1919 musste er es gleichwohl erleben, dass er zusammen mit – wenn auch nur einer – Frau auf der Wahlliste stand.

Das Frauenwahlrecht ist auch Thema der derzeit im Staatsarchiv Marburg laufenden Ausstellung „Es lebe die deutsche Republik“ sowie der Wanderausstellung „Zeitenwende in Hessen. Revolutionärer Aufbruch 1918/1919 in die Demokratie“, die am 18. Januar 2019 um 18:00 Uhr im Staatsarchiv Marburg eröffnet wird
Andrea Heck (Darmstadt), Katrin Marx-Jaskulski (Marburg)

Veranstaltungshinweise zum Thema

Vortrag
Donnerstag, 14. Februar 2019, 19 Uhr
Dr. Lutz Vogel (Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde): „Die Frau tritt aus dem häuslichen Kreis…“: Die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren am Beispiel Hessen-Nassau. dem Thema widmen.
Der Vortrag ist Teil des Winterprogramms des Marburger Geschichtsvereins.

Ort: Hessisches Landesarchiv, Abteilung Hessisches Staatsarchiv Marburg
Landgrafensaal
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg


Ausstellung
„Damenwahl!“
Ausstellung des Historischen Museums in Frankfurt am Main, noch bis 20. Januar 2019
externer Link: www.historisches-museum-frankfurt.de/de/damenwahl