Für Darmstadt zu langweilig

Eine Absage an den Violinisten Niccolò Paganini

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Brief mit eigenhändiger Unterschrift von Paganini
Wolle in Darmstadt auftreten - und wurde abgelehnt: Gesuch mit eigenhändiger Unterschrift von Niccolò Paganini (HStAD Best. D 8 Nr. 52/1)

Der berühmte und bis heute legendäre Geigenvirtuose Niccolò Paganini gastierte 1830 in Frankfurt. Dieser Auftritt muss dermaßen elektrisierend gewesen sein, dass der anwesende Jurastudent Robert Schumann, der extra aus Heidelberg angereist war, sein Studium aufgab und beschloss, Musiker zu werden. Nicht alle aber wussten die Leistungen des Teufelsgeigers so sehr zu schätzen, wie ein kurzer Briefwechsel in den Beständen des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt belegt (HStAD Best. D 8 Nr. 52/1).

Am 8. November 1830 wandte sich Paganini mit der Frage nach Darmstadt, ob er denn auf seiner Reise nach Paris nicht auch dort Station machen könne, um (erneut) sein Virtuosentum zu präsentieren. Er bat darum, ihm einen Termin und die Konditionen mitzuteilen, an dem bzw. zu denen ein Auftritt in Darmstadt möglich sein könne.
Der Generalintendant des Hoftheaters, Ferdinand von Türckheim, aber war von diesem Angebot wenig angetan. Er schrieb an Großherzogin Wilhelmine: „Durch seinen langen Aufenthalt zu Frankfurt hat er den Reiz der Neuheit verloren, und so wie sein letztes Concert daselbst vor leeren Bänken gespielt wurde, so möchte es auch hier geschehen, und wenn seine Forderungen auch noch so sehr herabzustimmen sein sollten, doch immer von der Art bleiben, daß für die Kasse nur ein Schade zu befürchten steht.“

Programm des Auftritts von Paganini im Jahr 1829 in Darmstadt
Programm des Auftritts von Paganini im Jahr 1829 in Darmstadt (HStAD Best. D 12 Nr. 37/3)

Denn in Darmstadt war Paganini bereits ein Jahr zuvor bei aufgehobenen Abonnement aufgetreten (HStAD Best. D 12 Nr. 37/3). Damals hatte Paganini sogar an den Großherzog geschrieben, seine Reise nach London extra verschoben zu haben, um vor dem nachsichtigen Urteil des Regenten („indulgente giudizio die Vostra Altezza Reale“) ein paar Kostproben seiner Kompositionen zu präsentieren. An einer Wiederholung war die Theaterintendanz aber, insbesondere aus Kostengründen, nicht interessiert. Türckheim setzte daher voraus, dass Großherzogin Wilhelmine kein Interesse habe, den Virtuosen noch einmal zu erleben und bat darum, das Angebot ablehnen zu dürfen. Und die Großherzogin stimmte diesem Vorschlag lapidar zu: „Der Antrag wäre abzulehnen. Wilhelmine“.

Siegel von Niccolò Paganini
Siegel von Niccolò Paganini (HStAD Best. D 12 Nr. 37/3)

Allerdings geschah dies am 24. November 1830 dann doch vornehm-zurückhaltend, indem eine Unpässlichkeit der Großherzogin vorgeschoben wurden. Diese bedaure sehr, hieß es, den Künstler, dessen Talent sie im Jahr zuvor so sehr bewundert habe, nicht noch einmal hören zu können. Und auch Türckheim versicherte dem Violinisten seine größte Hochachtung.
Es mögen damit leere Bänke des übersättigten Darmstädter Publikums vermieden worden sein, so dass auch die Tageseinnahmen nicht litten. Aber Darmstadt wurde damit um einen weiteren Auftritt eines bis heute legendären Künstlers gebracht.
Rouven Pons, Darmstadt

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