Alles hat ein Ende, nur die Karten haben zwei….

Abschluss des Rollkartenprojekts in Marburg

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Gereinigte und neu verpackte Rollkarte
Frisch gereinigt und neu verpackt: Rollkarte im Staatsarchiv Marburg

Anfang Dezember 2020 endete das im Dezember 2017 begonnene Rollkartenprojekt mit dem Titel ,,Das besondere Format“. Es bestand aus der Reinigung und Verpackung von Flurkarten, Stammkarten, Katasterkarten, Stammbäumen, Stellungskarten aus dem Ersten Weltkrieg sowie von alten Stadtansichten. Verpackt wurden die Karten in Stülpdeckelboxen, die bis zu einer Länge von 1,60 Metern in der Restaurierungswerkstatt des Staatsarchivs hergestellt wurden. Darüber hinaus gehende Längen wurden bei einem Dienstleister in Auftrag gegeben.

Alte und neue Lagerung von Rollkarten im Staatsarchiv Marburg
Alte und neue Lagerung (links) von Rollkarten im Staatsarchiv Marburg

Das zum Teil durch die Koordinierungsstelle zur Erhaltung schriftlichen Kulturgutes (KEK) finanzierte Vorhaben, welches von Frau Dr. Marx-Jaskulski und Herrn Dr. Kistenich-Zerfaß beantragt worden war, umfasste die Bearbeitung einer hohen Anzahl von Einzelkarten, aber auch mehrblättrige, einzulagernden Karteneinheiten. Insgesamt wurden 1069 Signaturen mit 3175 Kartenblättern gereinigt und neu verpackt. Durch die sehr gute Zusammenarbeit zwischen der Werkstattleitung, Frau Eilenberg und Frau Rippel, der Ausbilderin Frau Bamberger und dem Mitarbeiter Herrn Mündel konnte ein anforderungsgerechter Arbeitsablauf gefunden werden. Der Fokus lag auf der Reinigung, der konservatorischen Verpackung und der ordnungsgemäßen Lagerung.

Reinigung einer Katasterkarte
Reinigung einer Katasterkarte

Im Frühjahr 2019 begaben sich Frau Bamberger und Herr Mündel nach Marburg in das Haupthaus, um dort mit der Reinigung von übergroßen Karten (Breiten von min. 2,80 m bis zu 5,00 m) zu beginnen. Dies war notwendig, da ein Transport nach Neustadt nicht möglich war. Diese Arbeiten konnten nach einer ersten mühevollen Woche zum Abschluss gebracht werden. Durch die Erstellung eines Protokollschlüssels zur Erfassung der Schäden durch Frau Eilenberg und Frau Rippel wurde eine beschleunigte Begutachtung des Zustandes jeder einzelnen Karte und eine schnellere Arbeitsweise erreicht.
Wieder in Neustadt wurden, wie auch schon in Marburg, die mit dem kautschukartigen Schwämmchen ,,Wallmaster“ gereinigten und abgesaugten Karten auf einen Kern mit 15 cm Durchmesser aufgerollt, wobei nicht selten mit vereinten Kräften vorgegangen werden musste. Wenn nötig wurden sehr fragile Kartenblätter zusätzlich in Seidenpapier verpackt. Mit einem Stück Köperband sanft fixiert und in den dafür vorgesehenen Stülpdeckelboxen eingelagert, wurden sie schließlich signiert und für den Abtransport zur Endlagerung nach Marburg gesammelt. Den Transport der Karten zwischen Marburg und Neustadt sowie die Festlegung der neuen Lagerung im Magazin übernahmen Frau Eilenberg und Frau Rippel.

Verzierung auf einer Karte aus dem Jahr 1751
Verzierung auf einer Karte aus dem Jahr 1751

Am arbeitsaufwändigsten waren übergroße, stark verschmutzte und fragile Exemplare, die in starkem Gegensatz zu beinahe perfekt erhaltenen, optisch ansprechenden Karten standen. Durch die Schadenserfassung über den gesamten Bestand hinweg kann eine spätere Bearbeitung und eventuelle Digitalisierung durchgeführt werden.
Besondere Freude bei der Bearbeitung machten z.B. sehr filigran gezeichnete Familien-, Adels- und Kaiserwappen sowie unterschiedliche Baumarten in Wäldern zu sehen oder Figuren, die es sich unter einem schattigen Baum zum Schutz vor der sengenden Nachmittagssonne gemütlich gemacht hatten.
Detlef Mündel, Marburg

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