Prominente Neuzugänge: Fidus-Bestand durch Ankauf verstärkt

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"Es muß doch Frühling werden!" - Grußkarte von "Fidus"
"Es muß doch Frühling werden!" - Grußkarte von "Fidus"

„Es muss doch Frühling werden“ – mit diesem Stoßseufzer, der auch einer Corona-geplagten Gesellschaft im Februar 2021 auf den Lippen liegt, wandte sich Hugo „Fidus“ Höppener 1947 an den Sammler Klaus Wieben, seinen langjährigen Mäzen. Der Gruß gehört zu einem Postkarten-Konvolut des Künstlers, das jüngst zusammen mit zwei Fotografien und einem Grafik-Entwurf („Kämpfers Aufbruch“, 1920/28) vom Hessischen Landesarchiv zur Ergänzung der Sammlungen auf dem Ludwigstein bei einer Versteigerung des Berliner Auktionshauses Bassenge erworben wurde.

Der Nachlass von Fidus (1868–1948) ist für das Archiv der deutschen Jugendbewegung von erheblicher Bedeutung (AdJb Best. N. 38). Er setzt sich zusammen aus einigen großformatigen Einzelwerken, vor allem aber Entwürfen, Drucken, Korrespondenzen und Verlagserzeugnissen; hinzu kommen ergänzende Sammlungen anderer Provenienz, in einem Umfang von insgesamt rd. 20 lfd m. In einzigartiger Weise verschränkt sich in Fidus‘ künstlerischem Werk eine von Jugendlichkeit getragene Aufbruchstimmung mit symbolistischen und naturreligiösen Elementen. Seine öffentliche Ausstrahlung beruhte zudem auf intensiver Betätigung in zahlreichen lebensreformerischen, spiritistischen und künstlerischen Kreisen zugunsten entsprechender Reformanliegen. Politisch zählte Fidus dabei, seiner erklärten apolitischen Haltung zum Trotz, zum völkischen Lager. In der Bündischen Jugend der Weimarer Republik wurde er, weit über seine künstlerische Glanzzeit hinaus, als weiser Ratgeber verehrt und in seinem Atelierhaus in Woltersdorf bei Berlin gern aufgesucht.

Entwurf der Druckgrafik "Kämpfers Aufbruch" von Fidus (Hugo Höppener)
Entwurf der Druckgrafik "Kämpfers Aufbruch" von Fidus (Hugo Höppener)

Im Archiv der deutschen Jugendbewegung werden seit Langem erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Fidus-Bestand für vielseitige Fragestellungen zu erschließen. Inzwischen stehen alle Unterlagen online in der Datenbank Arcinsys zur Nutzung bereit, darunter auch die auf Burg Ludwigstein verwahrten Kunstwerke. Wie ergiebig Fidus‘ weit gespanntes Personen-Netzwerk für die Forschung ist, haben bereits viele Ausstellungen und Spezialpublikationen bewiesen, besonders umfassend zuletzt die Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle „Künstler und Propheten“ (2016). Dort stand als Pionier eines lebensreformerisch geprägten Künstlertums zudem Fidus‘ akademischer Lehrer Karl Wilhelm Diefenbach im Fokus, dessen Nachlass sich ebenfalls auf dem Ludwigstein befindet.

Druckgrafik "Kämpfers Aufbruch" von Fidus (Hugo Höppener)
Druckgrafik "Kämpfers Aufbruch" von Fidus (Hugo Höppener)

Einst ein Randthema der Kunst-, aber auch der allgemeinen Geschichte rückt die Lebensreformbewegung insgesamt zunehmend stärker in den Fokus. Schließlich klingen die dort vor mehr als 125 Jahren aufgeworfenen Fragen an die Moderne („Wie kann der Mensch mit der Natur koexistieren?“, „Was sollen wir essen?“, „Woran können wir glauben?“) verblüffend aktuell, auch wenn die Antworten – meist hochgradig ideologisch aufgeladen – durchaus problematisch ausfielen. Es verwundert daher nicht, dass auch der Künstler Fidus wieder mehr geschätzt wird und sich der Wert seiner Werke, wie bei der Auktion zu erleben, entsprechend erhöht hat. Somit blieb die Übernahme aller dort angebotenen Stücke in öffentliches Eigentum zum Besten künftiger Wissenschaft – ein zuvor öffentlich geäußerter Vorschlag – leider ein unerfüllbarer Wunsch.
Susanne Rappe-Weber, Archiv der deutschen Jugendbewegung

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