Aktivitäten in Zeiten des Shutdown

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Zugangsraum des HHStAW
Genügend Arbeit während des Shutdown: Blick in den Zugangsraum des Hessischen Hauptstaatsarchivs Wiesbaden.

In den zurückliegenden fünf Wochen, in denen die Lesesäle des Hessischen Landesarchivs geschlossen waren, ging der interne Geschäftsbetrieb produktiv weiter. Auskünfte wurden weiterhin erteilt sowie Aufträge auf Reprographien bearbeitet.

Geplante Erschließungsmaßnahmen konnten trotz der Telearbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Standorten des Hessischen Landesarchivs vorangetrieben werden. Im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden wurden analoge Findmittel der Stockbuchanlagen der Amtsgerichts Frankfurt-Höchst, Herborn und Hochheim in das Archivinformationssystem Arcinsys überführt. Rund 1400 Verzeichnungseinheiten des Darmstädter Bestandes O 71 Materialsammlung Azzola sind mittlerweile in Arcinsys eingepflegt. Im Hessischen Staatsarchiv Marburg lag der Fokus auf der Waldecker Überlieferung, den Amtsdruckschriften mit Verlautbarungen in Verordnungs- und Gesetzesform sowie der Zeitungen. Vor dem Hintergrund der zunehmend in das öffentliche Bewusstsein rückenden Bedeutung von Natur und Umwelt sei auch die fortschreitende Erschließung der Unteren Forstbehörden aus preußischer Zeit zu nennen.

Ein großer Gewinn für Nutzerinnen und Nutzer ist aus dem Umstand zu ziehen, dass in den vergangenen Wochen eine größere Zahl an Archivbeständen komplett oder teilweise als Digitalisate in Arcinsys online gestellt werden konnte. Dabei handelt es sich im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden um Abt. 101 Kurmainzer Landesregierung, Abt. 151 Nassau-Weilburgisches Kabinett, Abt. 153 Konsistorium Weilburg und Abt. 369 Hexenprozesse (jeweils komplett) sowie um Abt. 152 Regierung Weilburg, Abt. 340 Grafschaft Sayn-Hachenburg und Abt. 1126 Nachlass Prof. Dr. Geiler (in Teilen). Damit sind in Wiesbaden ca. 10.000 neue Verzeichnungseinheiten mit Komplettdigitalisaten versehen. Im Rahmen des DFG-Projekts Architekturzeichnungen konnten ca. 18.000 Architekturzeichnungen aus den Marburger Kartenbeständen online gestellt werden.
Zusätzlich wurden die zurückliegenden Wochen genutzt, um ca. 50 Digitalisate von historischen Karten und Plänen aus dem Staatsarchiv Darmstadt hochauflösend in Wikimedia Commons einzustellen. Desgleichen wurde mit der Übertragung von ca. 100 Digitalisaten derselben Quellengattung aus dem Staatsarchiv Marburg begonnen.

Behördenbesuche waren während des Shutdown leider nicht möglich. Doch musste die Überlieferungsbildung im Hessischen Landesarchiv deshalb nicht zum Erliegen kommen. Große Fortschritte machte zum Beispiel die Erarbeitung von Bewertungsmodellen. Wie die Überlieferungsbildung trotz Kontaktsperren aussehen kann, verdeutlicht der Beitrag „Keine Pause in der Überlieferungsbildung“ in diesem Newsletter.

Auch im Digitalen Archiv Hessen waren Behördenkontakte zur Vorbereitung weiterer Übernahmen nur eingeschränkt möglich, wurde aber per Mail oder Telefon weiterverfolgt. Im Zentrum der letzten Wochen standen Entwicklung von Software für die Übernahme elektronischer Unterlagen und die Abstimmungsprozesse im länderübergeifenden DIMAG-Entwicklungsverbund. Darüber hinaus wurden verstärkt Daten, die bereits übernommen worden waren, aufbereitet und in das digitale Magazin eingelagert. So dass mit guten Gewissen behauptet werden kann, dass der Dienstbetrieb annähernd ungestört weiterlaufen konnte.

Aber auch in den Ausbau der internen Infrastruktur wurde investiert: Der rasch wachsende Bedarf an Telearbeitsplätzen (Home Office) und Videokonferenzen ging einher mit einem entsprechenden Ausbau der IT-Infrastruktur des Hessischen Landesarchivs. Günstig war, dass das HLA 2019 in seiner Digitalstrategie ohnehin Maßnahmen zur Ausweitung des mobilen flexiblen Arbeitens vorgesehen hatte. Schon im vergangenen Jahr konnte ein einheitliches Videokonferenzsystem etabliert werden. Im März 2020 wurde dann im Rahmen des routinemäßigen Hardwareaustauschs der Anteil der Notebook-Arbeitsplätze (gegenüber den PC-Arbeitsplätzen) von bislang 13 % auf nun 29 % erhöht. Seit April sind alle Notebooks standardmäßig auch von außerhalb über eine gesicherte Verbindung an das interne Datennetz angeschlossen, so dass auf alle dienstlichen IT-Anwendungen zugegriffen werden kann. Das ermöglicht es dem HLA, improvisierte (und damit potenziell unsichere) Home-Office-Arbeitsplätze zu vermeiden.

Und last but not least wurde das nächste Heft der Archivnachrichten aus Hessen vorangebracht. Es wird – diesmal mit den Schwerpunktthemen „Karikaturen“ und „Sound History“ – wie gewohnt Anfang Juni erscheinen und weitere Informationen aus der Archivwelt zu Ihnen nach Hause bringen.

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