Archivdatenbank Nassau-Oranien

Digitalisierung von Beständen des Königlichen Hausarchivs Den Haag zur Einbindung in die Archivdatenbank Nassau-Oranien

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Vorreiter
Vorreiter aus dem Gemälde von Tethart P.C. Haag über den Gegenbesuch des Prinzen Wilhelm V. von Oranien-Nassau beim französischen gesandten in Den Haag, 1752

Direktlink zur Datenbank Nassau-Oranien.

 

Fortsetzung der Arbeiten an der Archivdatenbank „Nassau-Oranien“

Das Hessische Hauptstaatsarchiv hat in Kooperation mit dem König­lichen Hausarchiv in Den Haag und dem Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen das sog. „Alte Dillenburger Archiv“ rekonstruiert. Seit dem 4. November ist die „Datenbank Nassau-Oranien“ für die Einsichtnahme freigeschaltet.

Nachdem bereits Digitalisate der Abt. 170 III Korrespondenzen und Abt. 171 Akten (Altes Dillenburger Archiv) des Hessischen Hauptstaatsarchivs an die Verzeichnungseinheiten angehängt wurden, sollen nun auch die für die nassauische Geschichte zentralen Bestände des Königlichen Hausarchivs Den Haag digitalisiert und in die Datenbank eingebunden werden. Hierfür werden die betroffenen Bestände in den kommenden Wochen aus Den Haag nach Wiesbaden verbracht und zeitweilig im Hessischen Hauptstaatsarchiv zwischengelagert. Noch im Dezember 2015 wird mit der Digitalisierung begonnen werden; eine Einbindung der ersten Digitalisate in die „Datenbank Nassau-Oranien“ soll im Frühjahr 2016 erfolgen.

Aufgrund der laufenden Bearbeitung können zu digitalisierenden Bestände des Königlichen Hausarchivs Den Haag in diesem Zeitraum leider nicht benutzt werden, doch die künftig mögliche Einsichtnahme in die Archivalien direkt vom PC oder einem mobilen Endgerät wird hoffentlich für diese vorübergehende Unannehmlichkeit entschädigen. An dieser Stelle werden wir Sie über laufend über den Fortgang des Projektes informieren!

 

 

Informationen zum Alten Dillenburger Archiv und der Archivdatenbank Nassau-Oranien

Signaturschema

Klassifikation

Signaturkürzel und Herkunftsarchive

Bestände (in Auswahl)

Literatur

 

Im „Alten Dillenburger Archiv“ befanden sich zwischen 1743 und ca. 1815 alle Archivalien der ottonischen Linie des Hauses Nassau (Nassau-Oranien) von ca. 950 bis 1815. Der heute auf zahlreiche Archive verteilte Bestand ist von überregionaler und transnationaler Bedeutung, da er über die nassauische Dynastie nicht nur die niederländische Geschichte, sondern auch Gebiete in Übersee berührt. Die Datenbank enthält Archivalien von sechs verschiedenen Archiven im In- und Ausland.

Die Datenbank wurde im Hessischen Archivinformationssystem Arcinsys realisiert und bildet als „Abt. 3036 Gesamtinventar Altes Dillenburger Archiv“ einen Bestand des Hessischen Hauptstaatsarchivs. Da es sich um ein reines Nachweisinventar handelt, können auch Archivalien des Hessischen Hauptstaatsarchivs nicht direkt aus dem Gesamtinventar bestellt werden; eine Verknüpfung der einzelnen Stücke mit den parallelen Beständen des Hauptstaatsarchivs ist in Planung. Archivalien der Partnerarchive können physisch nur dort vor Ort eingesehen werden, doch wird durch die fortschreitende Einbindung von Digitalisaten eine Nutzung „am Bildschirm“ zunehmend möglich.

 

Innerhalb von etwa zwei Jahren Bearbeitungszeit wurden rund 85 374 Verzeichnungseinheiten, darunter fast 10 000 Urkunden, sowie fast 6000 Nachweise zu oranischen Beamten und Bediensteten in die Datenbank eingearbeitet.

Sie enthält Informationen zu rund 900 Jahren nassauischer Geschichte. Die Verzeichnungseinheiten betreffen sämtliche nassau-oranische Teillinien und geben Einblicke in die Dynastiegeschichte der Grafen und Fürsten, in die Verwaltung der Territorien, von der Zentralverwaltung bis hin zur Ortsebene, sowie in zeitgenössische politische und militärische Auseinandersetzungen und religiöse Entwicklungen. In die Datenbank aufgenommen wurden sämtliche Archivbestände, deren Herkunft aus dem Alten Dillenburger Archiv eindeutig belegt ist, ferner Bestände, die aufgrund späterer archivischer Umgliederungen zahlreiche Akten aus dem Dillenburger Archiv enthalten, sowie einige Bestände, die aufgrund ihres Inhalts für die nassauische Geschichte unverzichtbar sind, darunter die Teile der Deduktionen und Druckschriften mit oranischem Bezug. In einigen Fällen, etwa bei den Karten, wurden auch ausgewählte Einzelstücke hinzugenommen.

 

Signaturschema

Im Sinne einer virtuellen Rekonstruktion wurden die einzelnen Verzeichnungseinheiten unabhängig von ihrem Herkunftsarchiv in einer gemeinsamen Klassifikation zusammengeführt. Hierbei wurden den einzelnen Stücken keine neuen, „virtuellen“ Signaturen vergeben. Statt dessen wurden die ursprünglichen Signaturen beibehalten und um ein Kürzel ihres Ursprungsarchivs ergänzt. Auf diese Weise kann der Nutzer sofort erkennen, in welchem Archiv die betreffende Archivalie eingesehen werden kann.

Signaturbeispiel (aus Arcinsys): HHStAW, 3036, KHA Inv. A 4 Nr. 1407

Die Signatur setzt sich folgendermaßen zusammen:

HHStAW, 3036  = Arcinsys-Archivkürzel, Bestandsnummer des HHStAW (Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 3036)

KHA Inv. A 4 = Herkunftsarchiv der Archivalie, Bestand (Königliches Hausarchiv, Inventar A 4)

Nr. 1407 = Nummer der Verzeichnungseinheit im Inventar A 4 des Königlichen Hausarchivs (1407)

Auflistung der Herkunftsarchive bzw. der Signaturkürzel

 

Klassifikation

Hauptprinzip der Klassifikation ist die Einteilung in fünf Ober-Klassifikationspunkte, i.e. „Haussachen“, „Beziehungen zum Reich und Auswärtigen“, „Verwaltung der nassauischen Grafschaften und Orte“. Unter dem Punkt „Haussachen“ sind neben Archivalien zur Haushistoriographie, Erbteilungen und Erbvereinen, Hauskonferenzen und Angelegenheiten des Gesamthauses Nassau vor allem Verzeichnungseinheiten zu den einzelnen Teillinien des Hauses Nassau und ihrer Vertreter zu finden. Unter dem Namen des jeweiligen Regenten befinden sich Akten betreffend seine Person, seiner Ehefrau(en), dann über persönliche Ämter, Finanz- und Güterverwaltung sowie seine Kinder.

Der Klassifikationspunkt „Beziehungen zum Reich und Auswärtigen“ beinhaltet die Akten zur „Außenpolitik“ der nassauischen Grafschaften. Er ist in „Reich“, „Reichskreise“, „Reichsritterschaft“, „Wetterauer Grafenverein“, „Protestantische Union“, „Reichstände und landsässiger Adel“ sowie „Territorien außerhalb des Reiches“ unterteilt. Innerhalb dieser Gliederungspunkte lassen sich einzelne Adelshäuser bzw. Territorien über eine alphabetische Anordnung leicht finden.

Der Klassifikationspunkt „Verwaltung der nassauischen Grafschaften“ bzw. dessen Unter-Gliederungspunkt „Zentralverwaltung“ enthält neben Landesbeschreibungen und (Verwaltungs-)Akten auch die Lehnsakten, Angelegenheiten des (landsässigen) nassauischen Adels sowie der Klöster und Stifte. Die überaus komplexe Überlieferung zur Hohen Schule Herborn, der nassauischen Landesakademie, wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit in einem eigenen Gliederungspunkt zusammengelassen. Die nassauischen Kriege und Feldzüge wurden in einem sachthematischen Gliederungspunkt zusammengefasst und dort wiederum nach einzelnen Kriegen unterteilt. Auch die sog. „Beamtenkartei“ (s.u.) befindet sich, alphabetisch sortiert, im Klassifikationspunkt „Zentralverwaltung“. Der zweite Unter-Gliederungspunkt von „Verwaltung der nassauischen Grafschaften und Fürstentümern“ betrifft die Verwaltung der einzelnen Teilgrafschaften. Er ist zunächst einmal in die Grafschaften Beilstein, Diez, Dillenburg, Hadamar und Siegen eingeteilt, die ihrerseits in verschiedene Belange der Landesverwaltung unterteilt sind. Der dritte Unter-Gliederungspunkt „Ämter, Herrschaften, Gerichte“ enthält eine alphabetische Aufstellung der einzelnen nassauischen Verwaltungseinheiten, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer Grafschaft. Diese zunächst etwas verwirrend anmutende Gliederung ist den umständlichen nassauischen Besitzverhältnissen geschuldet, da einzelne Ämter und Gerichte mehrfach zwischen den Grafschaften hin- und hergewechselt haben bzw. teilweise mehrherrisch – auch mit außernassauischen Landesherren – regiert wurden. Eine eindeutige Zuordnung eines Amtes zu einer einzigen Grafschaft ist somit nur in den seltensten Fällen möglich.

Der letzte Klassifikationspunkt, „Orte“, beinhaltet alle Archivalien, die aus der Verwaltung von Städten und Gemeinden entstanden sind bzw. sich ausschließlich auf einzelne Orte beziehen, wobei auch außernassauische Orte hier zu finden sind. Die alphabetische Sortierung dieser Orte, die je nach Aktenmenge nochmals weiter untergliedert sind, ermöglicht eine einfache Auffindung der einzelnen Ortsnamen; allerdings ist generell eine zusätzliche Suche nach dem Ortsnamen oder einem Schlagwort über die Arcinsys-Suchfunktion empfehlenswert.

Zusätzlich zu den Archivalienverzeichnungen wurde auch die sog. „Beamtenkartei“ in die Datenbank Nassau-Oranien aufgenommen. Diese umfangreiche Kartei, die von Archivaren des Hessischen Hauptstaatsarchivs angelegt wurde und bislang nur auf Karteikarten vorlag, enthält Informationen und Quellenbelege knapp 6000 Beamten der nassauischen Verwaltung vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Enthalten sind neben hohen Regierungsbeamten und Beamten auf Regional- und Ortsebene (Amtmänner, Schultheißen, Förster etc.) auch Hofbediente, etwa Köche, Barbiere oder selbst Pferdejungen, und Militärangehörige. Bei der Übernahme der Daten wurden, entsprechend der zugrundeliegenden Kartei, für jede Person ein eigener Datensatz (Verzeichnungseinheit) angelegt und die einzelnen Datensätze durchnummeriert.
Die Personennachweise befinden sich im Gliederungspunkt „Diener- und Beamtensachen – Personennachweise“ unter „Verwaltung der nassauischen Grafschaften“ - „Zentralverwaltung“.

 

 

 

Signaturkürzel bzw. Herkunftsarchive

HHStAW - Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

HStAD - Staatsarchiv Darmstadt

KHA - Königliches Hausarchiv Den Haag

LAV NRW W - Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen (Münster)

LHA - Landeshauptarchiv Koblenz

NLA HA - Niedersächsisches Landesarchiv Hannover

 

 

Datenbank Nassau-Oranien - Bestände in Auswahl

Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Abt. 95         Hohe Schule Herborn

Abt. 170 I     Fürstentum Nassau-Oranien – Urkunden

Abt. 170 II    Fürstentum Nassau-Oranien – Urkundenabschriften

Abt. 170 III   Korrespondenzen

Abt. 171       Akten (Altes Dillenburger Archiv)

Abt. 172 – Abt. 180 verschiedene nassauische Regierungsbehörden

Abt. 190       Nassau-Oranische Rechnungen

Abt. 1006     Anton Ulrich von Erath

Abt. 1008     Carl Otto Heinrich von Rauschard

Abt. 1015     Heinrich Jacob Carl Westerburg

Abt. 3005     Deduktionen und andere Druckschriften

 

Königliches Hausarchiv / Koninklijk Huisarchief Den Haag

A 1       Oude Ottonische Linie, Nassau-Beilsteinsche Linie

A 2       Oude Dillenburgse Linie

A 3       Nassau-Beilstein

A 4       Johann Maurits van Nassau-Siegen

A 22     Willem Lodewijk van Nassau-Dillenburg

A 23     Ernst Casimir van Nassau-Diez

A 23a   Sophie Hedwig van Nassau-Diez

A 24     Hendrik Casimir I van Nassau-Diez

A 25     Willem Frederik van Nassau-Diez

A 25a   Albertine Agnes van Nassau-Diez

A 26     Hendrik Casimir II van Nassau-Diez

A 26a   Henriette Amalie van Nassau-Diez

A 26b   Dochters van Hendrik Casimir II en Henriette Amalia van Anhalt-Dessau

A 27     Johan Willem Friso van Nassau-Diez

A 28     Anna van Hannover

 

Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen

Best. A 410      Fürstentum Siegen, Landesarchiv – Urkunden

Best. A 412 I    Fürstentum Siegen, Oranien-Nassauische Behörden – Urkunden

Best. A 412 II   Fürstentum Siegen, Oranien-Nassauische Behörden, Zentralbehörden in Dillenburg

Best. A 413      Fürstentum Siegen, Oranien-Nassauische Behörden, Siegener Behörden

Best. A 418 I    Stift Keppel – Urkunden

Best. A 418 II   Stift Keppel – Akten, Rechnungen, Stiftsrentei

 

Landeshauptarchiv Koblenz

Best. 21 A           Fürstentum Nassau-Dillenburg

 

 

 

Literatur
Rouven Pons: Das zerrissene Archiv. Die wechselhafte Geschichte des Alten Dillenburger Archivs (1741– ca. 1850). In: Siegerland 91, Heft 1 2014, S. 95 ff.
Rouven Pons: Virtuelle Wundenheilung. Niederländisch-deutsche Kooperation zur Rekonstruktion des nassau-oranischen Archivs. In: Archive ohne Grenzen. Erschließung und Zugang im europäischen und internationalen Kontext. Fulda 2014, S. 109-131.