Gastausstellung: Aufarbeitung der Schicksale der Opfer des ehemaligen §175 StGB in Hessen

Ausstellung des Schwulen Museums* Berlin im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration | 28. November 2017 bis 11. Januar 2018

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Rosa von Praunheim
"Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt". Filmplakat von Rosa von Praunheim

Zentrale Inhalte der Ausstellung wurden auf Grundlage von Recherchen im Hessischen Hauptstaatsarchiv erarbeitet. Nach der Eröffnung im Hessischen Landtag, am 22.11.2017, ist sie nun bis zum 11. Januar 2018 im Hessischen Hauptstaatsarchiv zu sehen.

Der Hessische Landtag hatte am 12. September 2012 mit den Stimmen aller Fraktionen beschlossen, sich bei den Opfern des §175 StGB zu entschuldigen. „Um Licht in das Dunkel der Verfolgung und Diskriminierung schwuler Männer und lesbischer Frauen in Hessen nach 1945 zu bringen und ihre Schicksale sichtbar zu machen, wurde die Landesregierung gebeten, eine Dokumentation und eine begleitende Ausstellung zu initiieren und zu unterstützen“, erklärte der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Kai Klose, zur Eröffnung im Landtag.

Das Schwule Museum* Berlin (SMU*) wurde vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung beauftragt. Als Forschende konnte das SMU* zwei im Themenfeld erfahrene Projektmitarbeitende gewinnen, die Historikerin Dr. Kirsten Plötz und den Historiker Marcus Velke.

Bei der Ausstellungseröffnung betonte Dr. Birgit Bosold (SMU*): „In der Geschichtsschreibung geht es nie nur um die Vergangenheit, es geht immer auch um die Gegenwart. Es geht darum, lesbischen Frauen und schwulen Männern, denen von Seiten eines sich demokratisch nennenden Gemeinwesens basale Menschenrechte vorenthalten wurden, ihre ‚historical citizenship‘ – ihre Bürgerrechte in unserem kollektiven Gedächtnis zurückzugeben. Und diese sind nach wie vor umstritten. Denn auch wenn es in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte in Bezug auf die rechtliche Gleichstellung wie gesellschaftliche Akzeptanz von gleichgeschlechtlich lebenden Menschen und Menschen mit non-konformen Geschlechtsidentitäten gegeben hat, zeigen z.B. die aktuell virulenten Angriffe auf Genderstudies und Queer Theory von rechtspopulistischer und konservativer Seite, wie schnell Wohlwollen und Toleranz in Ablehnung und Hass umschlagen können. Der Frankfurter Sexualwissenschaftler und Aktivist Martin Dannecker spricht zu Recht von einem ‚jederzeit kündbaren Duldungsverhältnis‘. Umso wichtiger sind Projekte wie dieses, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass aus diesem Duldungsverhältnis vielleicht eines Tages tatsächlich eine nicht mehr zur Disposition stehende Anerkennung wird.“
Quelle: aus der Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

Zur Ausstellung ist eine ausführliche Dokumentation erschienen. Sie kann auf der Webseite des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration als pdf-Datei heruntergeladen werden (s. unten angegebener Link).

Termin: 28. November 2017 bis 11. Januar 2018
Ort: Hessisches Hauptstaatsarchiv,
Mosbacher Straße 55, 65187 Wiesbaden
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9.00–17.30 Uhr;
Donnerstag, 14. Dezember 2017, bis 15.30 Uhr geöffnet
Eintritt frei