„Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk“

Ausstellung zur Hexenverfolgung im Hessischen Staatsarchiv Marburg

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Flyer zur Ausstellung über die Hexenverfolgung

Die Vorstellung, dass sich Hexen vom Teufel hatten verzaubern lassen und deswegen selbst durch Zauberei Schaden anrichten konnten, bildete eine Basis des Hexenglaubens, dem auch Martin Luther anhing, wie das in der Überschrift zitierte Wort belegt. Die somit religiös fundierte Ansicht, Menschen könnten mit Hilfe des Teufels zaubern, verbreitete sich auf der Grundlage des sogenannten „Hexenhammers“ – dem „maleus maleficarum“ – des Dominikaners Heinrich Kramer, eines Kriminalcodex von 1486. Die Hexenverfolgung war kein Phänomen des „finsteren Mittelalters“, sondern der Frühen Neuzeit, der Zeit ab 1500. Es dauerte einige Zeit, bis es auch in Hessen zu vermehrter Verfolgung von vermeintlichen Hexen kam.

Ebenfalls religiös fundiert war die Todesstrafe für Zauberei, die sich auf eine Passage des Alten Testaments bezog (Exodus 22,17: Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen.). Die Strafe des Feuertods fand seine Legitimation im Neuen Testament (Johannes 15, 6: Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.) und wurde in der frühen deutschen Rechtsprechung, etwa im Sachsenspiegel, übernommen. Somit war die Hexerei einerseits mit dem konfessionellen Glauben verbunden, andererseits aber auch mit dem allgemeinen Glauben an übernatürliche Kräfte, die Zauberei ermöglichten. Auf Grundlage dieser beiden Aspekte prägte ein theoretisch konstruiertes Verbrechen die Verfolgung von Menschen, bis es durch die Gedanken der Aufklärung ad absurdum geführt wurde. Dennoch gibt es noch heute den Glauben an Hexen und Menschen, denen zauberische Fähigkeiten zugeschrieben werden, vornehmlich in Afrika und Südamerika. In westlich geprägten Ländern des 21. Jahrhunderts hat das Bild der Hexe seit dem frühen 19. Jahrhundert eine romantisch verklärte Prägung erfahren, in der die „böse Hexe“ der Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen der guten Hexe Hermine, Bibi Blocksberg oder Hexe Lilli gegenübersteht.

Die Grundlage in der frühneuzeitlichen Rechtsprechung sowie den gelehrten und populären Drucken eröffnet die Ausstellung. Sie thematisiert die vorgebrachten Vergehen der Hexen, präsentiert den kompletten Verlauf eines Hexenprozesses mit all seinen Auswirkungen und gibt einen Einblick in die Rechtspraxis zur Zeit der Hexenverfolgung. Ein Ausblick auf das Nachleben des Hexenglaubens bis heute beschließt die Ausstellung. Mit der Präsentation von zwölf Fotos aus Nordghana rückt Dr. Felix Riedel ergänzend das Thema mit dem Projekt „Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge“ in die Gegenwart und führt damit die Realität und Aktualität von Hexenjagden eindringlich ins Bewusstsein.
Mit der Ausstellung leistet das Staatsarchiv Marburg einen Beitrag zur Veranstaltungsreihe „Andersartig. Hexen. Glaube. Verfolgung“ zum Themenjahr der Universitätsstadt Marburg „Hexenglaube und Hexenverfolgung in Hessen“, die durch eine wissenschaftliche Tagung am 19./20. März 2020 zum selben Thema durch das Staatsarchiv ergänzt wird.
Eva Bender, Marburg

Termin: 18. Februar 2020 (Eröffnung: 17 Uhr) bis 14. August 2020
Ort: Hessisches Staatsarchiv Marburg
Friedrichsplatz 15
35037 Marburg

Öffnungszeiten: Montag und Freitag, 8:30 Uhr bis 16:30 Uhr, Dienstag bis Donnerstag, 8:30 Uhr bis 19:00 Uhr
Eintritt frei

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