Ausstellung: Renato Mordo. jüdisch, griechisch, deutsch zugleich. Ein Künstlerleben im Zeitalter der Extreme

04. April 2022 bis 15. Juli 2022, Darmstadt

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Bühnenbild von Lothar Schenck von Trapp zu "Intermezzo", Oper von Richard Strauss; Regie: Renato Mordo
Bühnenbild von Lothar Schenck von Trapp zu "Intermezzo", Oper von Richard Strauss; Regie: Renato Mordo (1928/1929)

Der 1894 in Wien geborene Regisseur und Theaterleiter Renato Mordo, der in der Zwischenkriegszeit u. a. in Darmstadt und Worms wirkte, war einer der produktivsten und vielseitigsten Theaterkünstler der Weimarer Republik.

Schon länger antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt, wurde er durch den nationalsozialistischen Terror ins Exil getrieben. In Prag und vor allem in Athen konnte er an seine künstlerischen Erfolge anknüpfen. Während der deutschen Besatzung Griechenlands ins KZ Chaidari verschleppt, überlebte er nur aufgrund glücklicher Umstände. Nach weiteren Engagements in Ankara und Tel Aviv kehrte Renato Mordo 1952 als Oberspielleiter der Mainzer Oper nach Deutschland zurück. Sein vorzeitiger Tod riss ihn dort 1955 mitten aus der Probenarbeit.

Die Erschließung des persönlichen Nachlasses von Renato Mordo mit freundlicher Genehmigung von Elsbeth und Michael Mordo (Stuttgart) erlaubt es erstmals, die paradigmatische Bedeutung dieses jüdisch-griechisch-deutschen Künstlerschicksals im Zeitalter der Extreme (Eric Hobsbawm) in einer umfassenden Ausstellung zu dokumentieren. Dabei richtet sich der Fokus ebenso auf Renato Mordos jüdisch-griechisch- österreichische Wurzeln, wie auf die wichtigsten Stationen seines künstlerischen Wirkens und die zeitgeschichtlichen Umstände, unter denen sich dieses entfaltete. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Darstellung der deutschen Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg, ihrer katastrophalen Auswirkungen auf das Land und ihrer individuellen Folgen für Renato Mordo.

Die Station am Hessischen Landestheater in Darmstadt war künstlerisch von herausgehobener Bedeutung im Lebenslauf Mordos. Denn an dem avantgardistisch ausgerichteten Theater, das seine Spielstätte im heutigen Haus der Geschichte hatte, konnte er die ganze Bandbreite seiner Kreativität entfalten. Neben der biographischen Ausstellung im Karolinensaal werden im Vestibül des ehemaligen Theaters Fotografien seiner künstlerischen Tätigkeit in Darmstadt zu sehen sein. Die Ausstellung wurde von dem Gräzisten und Dramaturgen Torsten Israel (Mannheim) konzipiert, von Marita Hoffmann (Llux Agentur & Verlag, Ludwigshafen) gestaltet und hergestellt und unter der Gesamtleitung sowie fachlichen Mitwirkung von Uwe Bader seitens der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz realisiert.
 

Termin: 04. April bis 15. Juli 2022
Ort: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3, 64289 Darmstadt
Öffnungszeiten: Montag-Freitag 9-17.30 Uhr
Die Veranstaltung wird unter den aktuell geltenden Abstands- und Hygiene- sowie Zugangsregeln durchgeführt (für aktuelle Informationen siehe landesarchiv.hessen.de/hla_information).
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Begleitprogramm

Mittwoch, 20. April 2022, 18 Uhr: Vortrag
Kulturpolitik in der Weltwirtscha‰ftskrise
Julian Freche, Darmstadt

Donnerstag, 5. Mai 2022, 18 Uhr: Workshop für Schülerinnen und Schüler
Renato Mordo und Wehrmachtsverbrechen in Griechenland
Hilde Schramm, Berlin; Christoph Schminck-Gustavus, Bremen

Mittwoch, 18. Mai 2022, 18 Uhr: Szenische Lesung
Chaidari. Theaterstück von Renato Mordo
Henning Kohne, Kaiserslautern

Mittwoch, 1. Juni 2022, 18 Uhr: Vortrag
Mordos Bühnenbildner: Lothar Schenck von Trapp
Rouven Pons, Darmstadt

Mittwoch, 22. Juni 2022, Vortrag
›Von ‚himmlisch‘ bis ‚miserabel‘. Karl Böhms Zeit als Generalmusikdirektor in Darmstadt‹
Ursula Kramer, Mainz

Die beiden letzten Termine mussten leider nach dem Druck des Flyers geändert werden! Die hier angegebenen Termine sind die korrekten.
 

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