Erinnerung an ein Massaker

Vor 450 Jahren: Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg wird Zeuge der Bartholomäusnacht

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Kupferstich von Franz Hogenberg über die Ereignisse der Bartholomäusnacht (Geschichtsblätter, Köln, ca. 1560-1632)
Auslöser eines Massakers: Das Attentat auf Admiral Coligny in der Darstellung von Franz Hogenberg

Eine Hochzeit ist eigentlich Anlass für ein friedliches Fest. Die Vermählung von Heinrich von Navarra und Margarete von Valois am 18. August 1572 jedoch hatte ein Massaker zur Folge. Nach der Hochzeit des protestantischen Hugenotten mit der Schwester des katholischen Königs Karl IX., welche die seit etwa einer Dekade schwelenden Konflikte und blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen befrieden sollte, kam es zu einem zunächst gescheiterten Attentat auf Admiral Gaspard de Coligny, Feldherrn der Hugenotten und engsten Vertrauten Heinrichs. In den frühen Morgenstunden des 24. Augusts, des Bartholomäustages, wurden – als Reaktion auf eine angebliche Verschwörung der Hugenotten – Coligny sowie die zahlreich erschienenen Gefolgsleute des Bräutigams ermordet. Eine Welle der Gewalt erfasste die französische Hauptstadt; um die 3000 Menschen starben.

Auflistung der in der Bartholomäusnacht getöteten Edelleute (Ausschnitt), 28. August 1572 (HStAM Best. 81 Nr. A/48/1, fol. 84)
Auflistung der in der Bartholomäusnacht getöteten Edelleute, 28. August 1572 (HStAM Best. 81 Nr. A/48/1, fol. 84, Ausschnitt)

Ein Zeuge der „Bluthochzeit“ von Paris war Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg. Geboren 1553, befand er sich als Neunzehnjähriger auf einer Bildungsreise in Paris, um seine Französischkenntnisse zu verbessern. Dabei hatte er auch Bekanntschaft mit Admiral Coligny geschlossen. In Best. HStAM 81 (Hanauer Regierung) ist in der Akte über seine Reise ein Brief seines Hofmeisters Paul Welsbergs überliefert, der laut einleitenden Worten in einem Wams aus Paris herausgeschmuggelt worden war (HStAM Bestand 81 Nr. A/48/1). In ihm wird die Lebensgefahr geschildert, der Philipp Ludwig während der „greulichen, verrätherischen Verfolgung und Mörderei“ ausgesetzt war: Seine Herberge war „mitt gewalt ufgebrochen und geplündert worden“, woraufhin er über eine Mauer in eine andere Unterkunft, zum Grafen Château-Villain flüchten musste. Dort wurde er am 26. August gefangen genommen und für seine Freilassung ein Lösegeld von „zwölf hundert Sonnencronen“ gefordert. Nicht in der Lage, diese Summe zu bezahlen, wandte sich Philipp Ludwig in einem Bittscheiben an Karl IX., woraufhin er und sein Gefolge sich in das Gasthaus „zu dem Eisernen kreutz (wo die anderen teutschen auch gewesen)“ begaben. Nach einer überstürzten Abreise aus Paris erreichte Philipp Ludwig am 15. September den Hof seines Vormundes Philipp d. Ä. von Hanau-Lichtenberg in Buchsweiler (heute Bouxwiller im Elsass).

Brief von Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg über die Bartholomäusnacht (HStAM Best. 81 A/48/1)
Zeitgenössische Abschrift des Briefs von Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg über die Ereignisse in der Bartholomäusnacht (HStAM Best. 81 A/48/1)

Die Sorge um das Wohlergehen des jungen Grafen, aber auch das Entsetzen über die Geschehnisse in Paris lassen sich in der Akte gut fassen. Ein Vormund Philipp Ludwigs, Johann VI. von Nassau-Dillenburg, bringt seine Bestürzung, dass viele hunderte Adlige, „auch ihren weib und kindern von den Guisischen zu Pariß jemmerlich ermordt und umbracht sein worden“ in einem Schreiben vom 3. September zum Ausdruck. Dies war natürlich nicht nur in Hanau so, auch in der Landgrafschaft Hessen war die Korrespondenz mit den deutschen Fürstenhöfen nach der Bartholomäusnacht äußerst rege, wie exemplarisch die Korrespondenz zwischen Landgraf Wilhelm IV und Wilhelm von Kornberg (HStAM, Best. 4f Staaten S in Nr. Frankreich Nr. 249) zeigt. Diese Vorgänge lassen sich nach einer Schlagwortrecherche in den Beständen der Bestandsserie HStAM 4 f Staatenabteilung gut nachvollziehen.

Katrin Marx-Jaskulski, Marburg

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