Bericht über die Tagung "Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk"

Erste Online-Tagung des Hessischen Landesarchivs

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Stich von Marburg von Abraham Saur, 1587 (Ausschnitt)
Stich von Marburg von Abraham Saur, 1587 (Ausschnitt)

Aufgrund der Corona-Pandemie war die Tagung „Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk – Hexenglaube und Hexenverfolgung im regionalen und interdisziplinären Vergleich“, die eigentlich im Rahmen des Themenjahres der Stadt Marburg „andersartig – Hexen, Glaube, Verfolgung“ im März 2020 hätte stattfinden sollen, auf den 21./22. Januar 2021 verschoben worden. Weil absehbar wurde, dass die Tagung auch an diesem neuen Termin aufgrund der angespannten Pandemie-Lage im geplanten Format nicht würde stattfinden können, entschieden sich die Veranstalter, diese online durchzuführen, wozu alle Referentinnen und Referenten bereit waren. Zum ersten Mal wurde damit eine wissenschaftliche Tagung des Hessischen Landesarchivs ausschließlich online durchgeführt.

An zwei Tagen wurde in einem virtuellen Tagungsraum vorgetragen, diskutiert und das Thema vertieft. Nach einer Einführung durch Ronald Füssel, der jüngst die Marburger Hexenprozesse in einer Publikation aufgearbeitet hat, folgten drei Vorträge mit regionalgeschichtlichem Schwerpunkt: Christian Roos untersuchte die Hexenprozesse in der Landgrafschaft Hessen(-Kassel), während Berthold Jäger das Thema der Hexenverfolgung im Stift Fulda zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufgriff. Robert Meier konnte anhand von bisher unbeachteten Quellen aufzeigen, dass die hergebrachte Einschätzung der Hexenverfolgung im Hochstift Würzburg revidiert werden muss. So wurde deutlich, dass eine Vielzahl der Prozesse aus dem Untertanenverband angestoßen wurde und weniger – wie bisher angenommen – durch den Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn. Die Obrigkeit griff die Initiative der Untertanen auf und setzte sie unter Rückgriff auf geltende Rechtsnormen um.

Am Nachmittag präsentierten vier studentische Arbeitsgruppen die Ergebnisse einer interdisziplinären Lehrveranstaltung zu Marburger Hexenprozessen. Das von Studierenden des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften sowie Jura der Philipps-Universität anhand von Archivalien aus dem Staatsarchiv bearbeitete Projekt „Der Fall Heinrich Sanger aus Biedenkopf 1631“ zeigte sehr anschaulich, dass die interdisziplinäre Herangehensweise den Horizont erweitert und das Problembewusstsein schärft, was letztlich auch den Forschungsergebnissen zugutekommt.

Auch am zweiten Konferenztag lag der Schwerpunkt auf der interdisziplinären Auseinandersetzung mit dem Thema. Jan Zopfs untersuchte die Marburger Hexenprozesse im Licht der „cautio criminalis“ von Friedrich Spee aus juristischer Perspektive, während Sarah Masiak einen kriminalsoziologischen Blick auf die Wirkmacht des Stigmas anhand der sog. „Deüffelskinder“ im Hochstift Paderborn warf. David Olszynski steuerte einen Beitrag zum Hexendiskurs und zur Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit aus theologischer Sicht bei. Heide Wunder beleuchtete genderbezogene Aspekte der Hexenprozesse vor allem anhand von Beispielen aus der Grafschaft Ysenburg. Abschließend analysierte der Pharmaziehistoriker Christoph Friedrich die Zusammensetzung und Wirkung von Hexentränken und Hexensalben. Der ursprüngliche vorgesehene Abendvortrag von Heinz Rölleke zu Hexen im Märchen musste krankheitsbedingt leider ausfallen.

Insgesamt war die Resonanz durchweg positiv. Zeitweise bis zu 40 Teilnehmer diskutierten online lebhaft und ausgiebig über die Forschungsergebnisse von Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten. Da die Veranstaltung nicht aufgezeichnet wurde, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse zeitnah in einem Tagungsband publiziert werden sollen, der auch den Katalog der im Staatsarchiv Marburg zu diesem Thema gezeigten Ausstellung „Zauberei ist des Teufels selbs eigen Werk – Hexenglaube und Hexenverfolgung in Hessen“ enthalten wird.
Eva Bender, Marburg

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