Christophelgebet der Schatzsucher

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Magischer Kreis für das Christophel-Gebet
Magischer Kreis für das Christophel-Gebet (HStAM, 86, 3242)

Armut ist die größte Plage, Reichtum ist das höchste Gut!
Und zu enden meine Schmerzen, ging ich einen Schatz zu graben.

Einen Schatz finden – das erhofft nicht nur „Der Schatzgräber“ im Gedicht von J.W. Goethe, darauf spekulieren viele, die sich mit Spaten oder Metalldetektor auf die Suche nach wertvollen Gegenständen im Boden machen. Dieses Hobby bleibt jedoch nicht folgenlos: Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen weist darauf hin, dass solche „illegalen Nachforschungen“ archäologische und paläontologische Bodendenkmäler gefährden können. Nach Hessischem Denkmalschutzgesetz sind solche Grabungen genehmigungspflichtig; die gefundenen „Schätze“ sind den Denkmalschutzbehörden anzuzeigen.

In der Frühen Neuzeit war die Schatzgräberei auch verboten, hier jedoch aufgrund der damit verbundenen volksmagischen Praktiken, wie die Beschwörung der den Schatz bewachenden Dämonen. Dies war auch der Zweck des „Christophelgebetes“, mit dessen Hilfe der Müller Johann Eberhard Spuck von der Nadelmühle aus Holzhausen (heute Burgholzhausen v.d. Höhe) 1749 an Gold und Silber kommen wollte.
Der Heilige Christophorus galt als Schutzpatron der Schatzgräber; er wurde zur Beschwörung der bewachenden Geister und zur Hilfe bei der Schatzsuche angerufen. In dem Werk „Die grosse Macht und Ohnmacht des Fürsten der Finsterniß“ von Johann Matthias Groß, erschienen 1734, wird das umfangreiche Gebet als das „gottlose Christophels-Gebet“ bezeichnet, das „bißhero neuerlich aufgekommen“ und „aus der Schule des Satans durch einen Erz-Zauberer und Teufels-Banner“ diktiert sei und mit dem unter „entsetzlichem Mißbrauch des göttlichen Worts und Nahmens“ der Teufel gezwungen werden solle, „Geld zu bringen, so viel man verlange“.

Abwehr des Bösen Geists Ariel
Während des Rituals drohte auch das Erscheinen finsterer Mächte. Hier wird beschrieben, wie man sich gegen den "bösen Geist Ariel" zur Wehr setzen konnte.

Da mehrere Personen für die Durchführung des Rituals rund um das Christophelgebet notwendig sind, werden in dem Fall, der in einer Akte der Regierung Hanau (HStAM Best. 86 Nr. 3242) dokumentiert ist, mehrere Männer im Vernehmungsprotokoll als Beteiligte genannt: Johann Eberhard Spuck, der Müller, kauft eine Abschrift des Gebetes Schmitt Manicke aus Heddernheim für 180 Gulden ab. Manicke hatte mehrmals bei Spuck Getreide mahlen lassen und als Spuck sich bei ihm über schlecht laufende Geschäfte beklagt hatte, „und anbey von dem Meehlhändler Henrich Knauff zu Heddernheim erwehnung gethan, daß derselbe durch den Meehlhandel so reich geworden seye, habe derselbe geantwortet, solches Glück wolte er nicht haben, derselbe habe ein HeintzelMänng, wo von er so reich geworden seye, und endlich ihm zu vernehmen gegeben, daß er ein besseres Glück wißte, wann sie das H. Christophels Buch hätten, welches er an einem ortt wißte, so wolten sie so reich werden, daß sie sich in eine Stadt setzen und gar nichts mehr arbeiten wolten […]“.

Vom Leinweber Hans Jacob und einem Schneider aus Harheim wird das Buch an Spuck in Manickes Auftrag überbracht. Er soll es verwahren, bis ein „Capuciner, […] der die Sache tractiren werde“, komme. Nachdem Spuck das Heft dem Cantz aus Niedererlenbach zeigt und dieser ihm sagt, dass es sich hier um „Hexerey“ handele, wird Spuck die Sache zu heiß: Er bringt es Manicke wieder und verlangt sein Geld zurück. Dieser „echappiert“ jedoch, Spuck zeigt ihn beim Amtmann an und so gelangt eine Abschrift des Heftes in die archivalische Überlieferung…

Doch wie ist das Christophelgebet eigentlich auszuführen? Die Gruppe der Schatzbeter findet sich in einem magischen Kreis ein, „abends accurat um 10 Uhr“ und muss dort bis 2 Uhr bleiben. Der Kreis wird komplettiert durch die vier Evangelien und ein Bild des Hl. Christophorus. Jede Stunde muss das Gebet gesprochen werden. Das Christophelgebet kombiniert verschiedene Gebete (darunter auch das Vater unser und das Ave Maria) und Bibelzitate, Anrufungen verschiedener Heiligen und sehr konkrete Bitten um einen Schatz „von Gold und Silber“ mit magischen Praktiken, um gewappnet zu sein beim Erscheinen des bösen Geistes Ariel. Nachdem dieser beschworen wird, so sieht es der Ablauf vor, „bekommen“ die Schatzbeter ihr Geld (auf welchem Weg, wird nicht genau erläutert) und sollten es abschließend noch mit Weihwasser besprengen, ebenso wie den Geist.
Auch wenn die Durchführung des Rituals mit einigen Anstrengungen verbunden gewesen wäre – die Aussicht, so einfach an Geld zu kommen, war für Johann Eberhard Spuck zu verlockend. Statt Gold und Silber zu erlangen, verlor er jedoch 180 Gulden und konnte sich nur noch beklagen, dass er von einem „Ertz-Betrüger in Armuth gestürtzet“ worden sei…
Katrin Marx-Jaskulski, Marburg

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