Onlinerecherche in einer Zimelie

Retrokonversion des "Codex Knüttel" abgeschlossen

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Codex Knüttel
Eine Seite aus dem sog. "Codex Knüttel" (HHStAW Abt. 3001 Nr. 10 bis 12)

Die drei dickleibigen Bände aus dem 16. Jahrhundert tragen einen sehr komplizierten Titel: „Registratura documentorum de causis Nassoviensibus per me Guilielmum Cnutelium hinc inde congesta ac per iudicem in ordinem quo potuit modo utiunque redacta Anno 1563“. Kein Wunder, dass sie in der landeshistorischen Forschung kurz als „Codex Knüttel“ bekannt sind. Urheber war der nassau-dillenburgische Staatsmann, Kanzleileiter und Diplomat Dr. Wilhelm Knüttel (1505–1566), der seit den 1540er Jahren neben seiner Verwaltungs- und politischen Tätigkeit damit beschäftigt war, alle nassauischen Hausverträge seit 1255 sowie alle wichtigen rechtlichen Regelungen des Hauses der zurückliegenden Jahrhunderte in Abschrift zusammenzutragen. Um dies zu erreichen, hatte er nicht nur in den nassauischen Hausarchiven, sondern auch in den Archiven der verwandten und befreundeten Wetterauischen Grafen recherchiert, um damit Beweismittel für den Anspruch der Nassauergrafen auf das Katzenelnbogensche Erbe zu erbringen.
Heute gehören die Bände zu den Zimelien des Hessischen Hauptstaatsarchivs, weil in ihnen Urkundenabschriften überliefert sind, die im Original oder auch in Abschrift an keiner anderen Stelle mehr aufzufinden sind: eine der zentralen Fundgruben also für die nassauische und hessischen Landesgeschichte für die Zeit des Spätmittelalters.

Im späten 19. Jahrhundert waren zu den einzelne Einträgen in den drei Bänden (HHStAW Abt. 3001 Nr. 10–12) Regesten in Karteikartenform angefertigt worden. Diese wurden chronologisch geordnet, was auch insofern ein Vorteil war, da die Knüttelschen Bände eben keiner Ordnung nach Datum folgen. Diese – oft schwer lesbaren und in der Ortsschreibung nicht immer aktuellen – Karteikarten waren bis Ende Juli 2018 der einzige Zugang zum Codex Knüttel. Jetzt aber konnten diese Karten komplett retrokonvertiert werden. In Abt. 3001 wurde ein eigener Klassifikationspunkt mit chronologischen Unterpunkten angelegt. Die Signatur besteht aus dem Band und der Seitenangabe (z.B. Nr. 10 fol. 24), so dass die Stücke in den Bänden jeweils sehr leicht zu finden sein dürften: Knüttelsches Kopiar (Einzelverzeichnungen) [Direktlink ins Archivinformationssystem Arcinsys]

Alle auf Karteikarte übernommenen Einträge im „Codex Knüttel“ sind nun als knapp 800 neue einzelne Verzeichnungseinheiten komfortabel recherchierbar. Der eine oder andere Eintrag ist hinsichtlich der Namens- und Ortsschreibung noch zu überprüfen. Aber schon so ist der Recherchekomfort deutlich gesteigert.
Rouven Pons, Hessisches Landesarchiv