Digitale Einführung ins Digitale Archiv

Einwöchiges Praktikum der Archivanwärter und Referendare des Hessischen Landesarchivs und des Landeswohlfahrtsverbands (Kassel)

Screenshot Digitales Archiv.png

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ausbildungspraktikums und Mitarbeiterinnen des DAH und des HLA
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ausbildungspraktikums und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Digitalen Archivs Hessen und des Hessischen Landesarchivs

Die Digitale Langzeitarchivierung gewinnt stetig an Bedeutung, da in der Verwaltung vermehrt digitale Fachverfahren zum Einsatz kommen und die herkömmliche Aktenführung durch digitale Vorgangsbearbeitungssysteme ersetzt wird. Auch im nichtstaatlichen Sammlungsbereich nimmt die Zahl der angebotenen digitalen Nachlässe zu. Daher haben wir, die Anwärter und Referendare des Staatsarchivs in Marburg und des Landeswohlfahrtsverbands in Kassel, es sehr begrüßt, Ende Juni eine einwöchige Einführung in die Arbeit im Digitalen Archiv Hessen zu bekommen und uns mit diesem Trend auseinander zu setzen. Leider konnten wir aufgrund der Corona-Lage nicht selbst nach Wiesbaden reisen, doch tägliche Videokonferenzen und spontane Besprechungen ermöglichten trotzdem einen regen Austausch.

Im Rahmen dieses Praktikums erhielten wir nicht nur umfangreiche Einführungen in die Arbeitsabläufe sondern bearbeiteten auch ein eigenes Projekt. Wir bewerteten eine umfangreiche Materialsammlung, die anonym bei der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg abgegeben wurde und von dort an die Oberstaatsanwaltschaft Frankfurt gelangte. Inhaltlich steht die Materialsammlung im Zusammenhang mit den Recherchen Mark Goulds zu Dr. Bernhard Frank, die Ende 2010 für mediales Interesse sorgten. Gould hatte sich vier Jahre lang als Neonazi ausgegeben, um sich mit dem ehemaligen SS-Obersturmbannführer Frank anzufreunden und belastendes Material über dessen Vergangenheit zu sammeln. Dieses wollte er zunächst in einem Buch, später auch in einem Gerichtsprozess gegen ihn verwenden.

Bei der Bewertung der Dateisammlung stießen wir auf zahlreichen abfotografierte Archivalien und Privatfotos sowie auf Tonaufnahmen und Videos von Interviews und Telefonaten. Außerdem fanden wir einige Word-Dokumente mit abgeschriebenen Briefen und Gedichten von Dr. Frank und Manuskripten zu Goulds geplantem Buch. Ursprünglich enthielt die Sammlung 19.581 Dateien. Im Laufe der Woche gelang es uns die Datenmenge auf ca. 2.000 archivwürdige und archivfähige Dateien zu reduzieren.

Die Arbeit mit dieser Materialsammlung hat uns viel Spaß bereitet, da sie inhaltlich spannend war und wir zum ersten Mal unsere theoretischen Kenntnisse im Bereich Bewertung intensiv anwenden konnten. Gerne hätten wir uns noch mehr mit der Arbeit im Digitalen Archiv auseinandergesetzt. Doch dies war innerhalb einer Woche leider nicht zu schaffen.

Insgesamt war das Praktikum im Digitalen Archiv sehr vielseitig und hat uns neue Einblicke verschafft. Zudem hatte sie den schönen Nebeneffekt, dass die beiden Ausbildungsgruppen gemeinsam an einem Projekt arbeiten und sich dabei näher kennenlernen konnten.
Das Praktikumsteam: Johannes Christof, Dr. Jan-Hendrik Evers, Fabian Frenken, Dr. Nadine Hofmann, Dr. Anna Krabbe, Yannic Leijdekker, Dr. Verena Limper und Sonja Roggenbuck

Hessen-Suche