Erinnerung an Luther

Zum 500. Jahrestag des Auftritts Luthers auf dem Wormser Reichstag

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Historische Postkarte des Lutherdenkmals in Worms
Historische Postkarte des Lutherdenkmals in Worms (HStAD R 4 Nr. 30318 UF)

Vor 500 Jahren, am 17. und 18. April 1521, verteidigte Luther auf dem Reichstag in Worms die in seinen Schriften vertretene Einschätzung und erkannte nur „Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe“ als Gegenbeweise an. Die weiteren Verhandlungen zogen sich bis zum 25. April hin. Mit dem Geleitbrief des Landgrafen Philipp des Großmütigen verließ Luther schließlich Worms und zog über Oppenheim, Frankfurt, Friedberg und Hersfeld auf die Wartburg, wo er mit der Übersetzung der Bibel ins Deutsche begann. Am 26. Mai 1521 wurde dann im Wormser Edikt die Reichsacht über Luther verhängt.

Im Dezember 1856 konstituierte sich im damals hessischen Worms ein Luther-Denkmal-Verein, der an dieses Ereignis durch die Errichtung eines Denkmals erinnern wollte. Er begann sogleich mit der Einwerbung von Spendengeldern in ganz Europa, was auf größten Zuspruch stieß. Bereits im April 1857 hatten neunzehn deutsche Staaten eingewilligt, dass die Spenden über die protestantische Geistlichkeit vor Ort erhoben und dann über die vorgesetzten Behörden an den Verein übermittelt werden konnten, darunter waren u.a. das Großherzogtum Hessen, die Landgrafschaft Hessen-Homburg und das Herzogtum Nassau. Besonders reichlich waren natürlich Geldmittel aus Worms selbst geflossen. Aber auch die katholischen Staaten Bayern und Österreich hatten eingewilligt. England, Frankreich, Schweden, Norwegen, Dänemark, Ungarn und Siebenbürgen beteiligten sich ebenfalls an dieser Spendenerhebung. Der Verein konnte schon ein gutes Vierteljahr nach seiner Gründung als schon eingegangene oder in Aussicht gestellte Gelder 7810 Gulden und 19 Kreuzer verbuchen, davon 1183 Gulden 22 Kreuzer allein aus dem Ausland.

Übersicht der bis zum 1857 für das Luther-Denkmal eingegangenen Spenden
Übersicht der bis zum 1857 für das Luther-Denkmal eingegangenen Spenden

Die Landesherren wurden vom Ausschuss des Luther-Denkmal-Vereins persönlich angeschrieben, um das Sammeln in den Territorien zu ermöglichen und um auch an höchster Stelle Geldmittel einzuwerden. „So glauben die unterthänigst Unterzeichneten nunmehr die geeigneten Schritte wagen zu dürfen, um das schöne Ziel einer allgemeinen Betheiligung von dem Throne bis zur Hütte in möglichst kurzer Frist zu erreichen; denn ein so erhabenes und für die gesammte evangelische Kirche Deutschlands bedeutungsvolles Unternehmen würde sehr an seinem Werthe verlieren, wenn sich dasselbe wegen allzulangsamer Betheiligung Jahre lang hinzögern müßte.“ (HHStAW Best. 210 Nr. 2308) Herzog Adolph von Nassau gestattet auf diese Bitte hin nicht nur das Sammeln im Herzogtum und gewährte einen Beitrag von 100 Gulden aus der Domänenkasse, worauf sich auch der Wormser Dombauverein mit der Bitte um eine Finanzhilfe an ihn wandte.

Eine Verzögerung war aber damit auch nicht zu verhindern. Schließlich wurde das Lutherdenkmal nach dem Gesamtentwurf von Ernst Rietschel erst am 25. Juni 1868 eingeweiht. 1858 war die Auftragsvergabe erteilt worden, 1861 lag das Konzept des Bildhauers vor, aber erst nach seinem Tod konnte das umfangreiche Werk fertiggestellt werden.
Rouven Pons, Hessisches Landesarchiv

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