112 = 11. Februar

Zum Europäischen Tag des Notrufs am 11.2.

hstam_330_felsberg_nr_S_336_0001.png

Plan für den Neubau eines Schlauchturms in Wolfershausen
Plan für den Neubau eines Schlauchturms in Wolfershausen

In der gesamten Europäischen Union gilt schon seit längerem die Telefonnummer 112 als allgemeingültiger Notruf. Während in einigen Ländern noch nationale Rufnummern zusätzlich präsent sind, ist es der EU ein Anliegen, die recht kurze und einfach Nummer 112 als allgemein bekannte Notrufnummer noch bekannter zu machen. Die Nummer, die in Deutschland vor allem mit der Feuerwehr in Verbindung gebracht wird, ist leicht zu merken, schnell zu wählen und die Anrufer erreichen eine Leitstelle, die nach der Art des Notrufes entscheidet, wer vornehmlich kommen soll: bei Feuer die Feuerwehr, in einem medizinischen Notfall der Rettungswagen und bei einem Verbrechen die Polizei.
Das Datum des Notruftages ist analog zu der eigentlichen Rufnummer gewählt: die Elf für den Tag und die Zwei für den Monat, so dass es jedes Jahr am 11. Februar den europaweiten Notruftag gibt. Da die Nummer im deutschen Bereich oft noch mit der Feuerwehr gleichgesetzt wird, soll hier auf die reichhaltige Überlieferung in den Archiven zu diesem Thema hingewiesen werden.

Entwurf des neuen Feuerwehrhauses in Zwesten, 1855
Entwurf des neuen Feuerwehrhauses in Zwesten, 1855 (Auschnitt): Das Erdgeschoss bot Raum für die Feuerspritze, Wasserfässer und andere Geräte. Im Obergeschoss befand sich eine Wacht- und eine Ratsstube. Eine Toilette gab es nicht.

Brandschutz ist schon lange ein akutes Thema, das auch obrigkeitlich verordnet und kontrolliert wurde. Daher ist es nicht verwunderlich, dass im Staatsarchiv Marburg in der Überlieferung der Gemeinden – oft im Bestand 330 Städte- und Gemeindearchive –, aber auch in den Beständen der Landratsämter (Bestand 180) eine große Zahl an Akten vorhanden ist. Oft geht es um die Beschäftigung der Feuerwehrleute, aber auch die Ausbildung der freiwilligen Feuerwehr in den kleineren Orten und Gemeinden, die Besorgung von Ausrüstung und die Dokumentation der Einsätze. Häufig enthalten die Akten aber nur Informationen zu geplanten Vorgängen, aber nicht darüber, ob das in der Akte Aufbewahrte auch umgesetzt wurde. Aus dem Jahr 1947 ist eine Akte aus dem Stadtarchiv Felsberg überliefert, das einen Entwurf für einen Neubau des Schlauchturms in Wolfershausen enthält. Allerdings ist nur die Zeichnung (HStAM 330 Felsberg, Nr. S 336) erhalten, was aus der Planung wurde, geht nicht daraus hervor.

Bisweilen stößt man aber auch auf eher ungewöhnliche Sachverhalte, wie etwa im Stadtarchiv Neukirchen. Dort hat sich eine recht dünne Akte erhalten mit dem Titel: „Feuerwehr-Frauengruppe September 1944“ (HStAM 330 Neukirchen, Nr. B 1800). Dabei handelte es sich um eine Maßnahme im ausgehenden Zweiten Weltkrieg, die der Bürgermeister in einem Musterschreiben an 34 Frauen aus Neukirchen selbst begründete: „Wegen Heranziehung eines Teils der hiesigen Feuerwehr für andere Aufgaben, muss die Ausbildung von Frauen im Feuerwehrdienst erfolgen. Für diese Ausbildung sind auch Sie vorgesehen. Sie werden deshalb zu der ersten Übung auf Sonnabend, den 30. September 1944, abends 8 Uhr (20 Uhr) in das hiesige Gerätehaus in der Untergasse beordert und haben 10 Minuten vor Beginn des Dienstes zu erscheinen. Ihre Heranziehung erfolgt auf Grund der Notdienstverordnung. Die Nichtbefolgung zieht Bestrafung nach sich.“

Gründung einer Feuerwehr-Frauengruppe in Neukirchen, 1944
Gründung einer Feuerwehr-Frauengruppe in Neukirchen, 1944

Gerichtet war das Schreiben an 34 „Fräulein“ im Ort. Die Bitte für dieses Schreiben hatte zuvor der Meister der Feuerwehr an den Bürgermeister handschriftlich verfasst. Die beigefügte Liste enthält eine Aufstellung der jungen, unverheirateten Frauen in Neukirchen. Zudem findet sich in der Akte noch die Bitte des Kreisobmannes der Deutschen Arbeitsfront, eine seiner Mitarbeiterinnen von dem Feuerwehrdienst zu befreien, da sie beruflich stark eingebunden war und oft zu Sonntags- und Nachtdienst herangezogen wurde.

Bitte um Befreiung der Aenne Diehl vom Frauen-Feuerwehrdienst in Neukirchen
Bitte um Befreiung der Aenne Diehl vom Frauen-Feuerwehrdienst in Neukirchen

Aus der Akte geht nicht hervor, ob die Mitarbeiterin vom Feuerwehrdienst befreit wurde, ebenso wenig, was aus der Frauen-Feuerwehr im weiteren Verlauf geworden ist. Falls jemand, der diesen Newsletter liest, davon berichten kann, oder auch Informationen zu dem geplanten Schlauchturms in Wolfershausen hat, freuen wir uns über Zuschrift: eva.bender@hla.hessen.de
Eva Bender, Marburg

Hessen-Suche