Archivauszubildende on tour – Zu Gast bei Merck Corporate History in Darmstadt

Im Rahmen der Archivausbildung stand auch ein Besuch im Darmstädter Merck-Archiv an. Der kurze Bericht schildert diesen ausgesprochen anregenden Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand.

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Historische Heilmittel und ihre Grundstoffe in der Ausstellung von Merck Corporate History
Ein Archiv anderer Art: Historische Heilmittel und ihre Grundstoffe in der Ausstellung von Merck Corporate History

Wer würde ein modernes, internationales Pharma- und Chemieunternehmen mit einer Bibel aus dem Jahr 1576 in Verbindung bringen? Umso überraschter waren die acht Auszubildenden des Hessischen Landesarchivs und ihr Ausbildungsleiter Dr. Karl Murk, als sie im Rahmen einer Exkursion im Juli von Katja Glock, Historikerin in der Abteilung Corporate History der Merck KGaA, erfuhren, dass eine solche Bibel im Familien- und Unternehmensarchiv zu finden ist. Wenn man aber bedenkt, dass Merck auf eine über 350-jährige Geschichte zurückblicken kann – ausgehend von der Ausstellung des Apothekenprivilegs für Friedrich Jacob Merck im Jahr 1668 – dann ist der zeitliche Sprung zur Bibel schon nicht mehr ganz so weit.

Am Geschäftsleitungstisch der 1960er Jahre erhielten die Auszubildenden einen Überblick über die vier Bereiche von Corporate History (Bibliothek, Archiv, Ausstellung, Auditorium): Die Bücher der Präsenzbibliothek reichen von Rezept- und Kräuterbüchern des 15. Jahrhunderts bis zu aktueller Fachliteratur, wobei der Sammlung nationaler und internationaler historischer Pharmakopöen und Arzneibücher eine besondere Bedeutung zukommt. Das Merck-Archiv umfasst Produktinformationen, Geschäftsberichte oder Akten, z.B. aus dem Bereich Forschung, ebenso wie eine umfangreiche Foto- und Filmsammlung.

Blick in die Ausstellung von Merck Corporate History
Blick in die Ausstellung von Merck Corporate History

Die im Unternehmensarchiv anfallenden Arbeiten kennen die Auszubildenden gut: Anfragen beantworten, Bewerten und Verzeichnen – das steht auch bei ihnen auf dem Programm. Vielfältige Anfragen zur Entwicklung von Merck kommen dabei sowohl aus dem Unternehmen selbst als auch beispielsweise von Wissenschaftlern oder Journalisten. Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt auf Präsentation und Sichtbarkeit – Schlagworte, die wohl für Archive aller Sparten einen hohen Stellenwert haben. Bei Corporate History wird das insbesondere in der Ausstellung deutlich, welche die gesamte Firmengeschichte abbildet. Zudem spielen temporäre Sonderausstellungen sowie Symposien, Vorträge, Gespräche und Lehrveranstaltungen, bei denen auch eigene Forschungsergebnisse vorgestellt werden, für die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Unternehmens eine wichtige Rolle.

Mit einem Streifzug durch die Ausstellung rundeten die Auszubildenden den informativen Aufenthalt bei Merck ab, ehe sie sich mit vielen neuen Eindrücken auf den Rückweg nach Marburg machten. Ein Unterschied zu öffentlichen Einrichtungen war schon bei der Vorbereitung der Exkursion deutlich geworden: Einen Sicherheitstest, um das Gelände betreten zu dürfen, hatte bisher noch niemand vor einem Archivbesuch absolvieren müssen.
Elisabeth Schläwe, Marburg

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