Die älteste Feuerspritze Nassaus?

Eine Notiz in den nassau-oranischen Korrespondenzen

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Historische Feuerspritze
Leider sind keine Konstruktionspläne zur Feuerspritze des Jahres 1619 überliefert. Als Illustration dienen daher die rund 170 Jahre jüngeren Pläne der Gebrüder Dyrnst, Feuerspritzenmeister und Inspektor aus Heilbronn (HStAD Best. P 12 Nr. 1/1-9)

Der Diplomat und Archivar Johannes von Arnoldi (1751–1827) hatte ein besonderes Interesse an kulturhistorischen Fragestellungen. Als er um das Jahr 1800 die nassau-oranischen Korrespondenzen sichtete – Reste, die seine Vorgänger unbearbeitet hatten liegen lassen –, vermerkte er am Rand der historischen Schreiben immer wieder Dinge, die ihm bemerkenswert erscheinen. So notierte er auf einem Schreiben vom 28. Oktober 1619 des Bürgermeisters und der Schöffen von Siegen an den Kammersekretär Heinrich Petri (1578–1646), es handele sich bei der dort erwähnten Siegener Wasserspritze zu Löschzwecken um den ersten Nachweis eines solchen Gerätes in Nassau überhaupt (HHStAW Abt. 170 III Nr. 388, fol. 225). Der genaue Wortlaut seiner Notiz lautet: „Die Feuerspritze ist zwar nach Volbedings Archiv [= Johann Christoph Vollbeding: Archiv nützlicher Erfindungen, Leipzig 1792] eine alte Erfindung. Ist aber die erste, die mir in der Nassauischen Geschichte kommt.“

Textpassage zur Feuerspritze

Dass Graf Johann VII. von Nassau-Siegen (1561–1623) für seine Residenzstadt ein Jahr nach dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges ein solches Gerät anschaffen ließ, zeugt von Umsicht und Offenheit gegenüber der technischen Entwicklung. Letzteres hatte er ja auch in seinem sogenannten Kriegsbuch unter Beweis gestellt, das mit zahlreichen Zeichnungen ingenieurtechnischer Kriegswerkzeuge versehen ist. Bezahlen musste die Feuerspritze allerdings die Stadt Siegen, die in Begleitung des Schreibens die Gelder übersandte und eine Bitte anschloss. Sie solle fast halb so groß werden wie diejenige, die sich im Frankfurter Brückhof befand und die aus diesem Zweck besehen werden konnte. Für die Stadt Siegen sei eine solche Größe schlichtweg notwendig.
 

Bestellung einer Feuerspritze
...Das unser gnediger Herr vor gemeine Statt, und deroselben zum bestenn, eine Wassersprüze, so man in feuersgefahr zugebraucht, gnedig haben bestellen lassen...

Ob es sich also wirklich um die erste Erwähnung einer Feuerspritze in Nassau handelt, müsste eine eingehendere Forschung klären. Ein Blick in unsere Archivdatenbank Arcinsys kann Arnoldi zumindest nicht widerlegen. Ein Hinweis aber sei gestattet: Wenn Arnoldi die Ersterwähnung vermerkt, so ist das nur die halbe Wahrheit. Denn im gleichen Schreiben wird kurz vor Schluss angemerkt, dass die derzeitige Feuerspritze im Siegener Zeughaus zu gering und zu klein sei. 1619 wurde also nicht die erste Feuerspritze der Stadt angeschafft, sondern die alte sollte durch eine größere ersetzt werden.
Rouven Pons, Hessisches Landesarchiv

Link zur Verzeichnung der abgebildeten Feuerspritze aus dem Jahr 1788, mit Plänen weiterer mobiler Feuerlöschgeräte
HStAD Best. P 12 Nr 1/1-9