Feuerwerk auf Schloss Wilhelmshöhe

Farbenprächtiger und lauter Bestandteil höfischer Feste

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Plan des Feuerwerks auf Schloss Wilhelmshöhe, 1803
Aufbau und Zündplan des Feuerwerks auf Schloss Wilhelmshöhe, 1803

Im Unterschied zu diesem Jahr werden Jahreswechsel in der Regel durch das Abbrennen eines Feuerwerks begangen. Feuerwerke waren – und sind – aber auch ein fester Bestandteil höfischer Feste, und so finden sich bisweilen Abbildungen solcher aufwändigen Inszenierungen in frühneuzeitlichen Festberichten, meist in schwarzweißen Kupferstichen, die vom Schwarz der Nacht dominiert werden. Auch in den Wilhelmshöher Kriegskarten ist nur eine kolorierte Darstellung eines Feuerwerks erhalten, das am 20. September 1803 in Wilhelmshöhe abgebrannt wurde (HStAM WHK, Nr. WHK 43/47). Auch wenn es sich hierbei um kein Silvester-Feuerwerk handelt, soll es als kleine Entschädigung für die in diesem Jahr ausbleibende Böllerei als Farbtupfer in der dunklen Winterzeit präsentiert werden.

Plan des Feuerwerks auf Schloss Wilhelmshöhe, 1803
Aufbau und Zündplan des Feuerwerks (Ausschnitt)

Dargestellt ist die Aufstellung des kombinierten Boden- und Luftfeuerwerks, das im September 1803 möglicherweise im Zusammenhang mit dem Besuch Prinz Friedrichs von Dänemark in Begleitung zweier Söhne in Wilhelmshöhe stattfand. Aber auch weitere illustre Gäste wie die Kurfürstin von Bayern oder Prinz Wilhelm von Braunschweig und die mit dem Erbprinzen von Sachsen-Gotha verheiratete Tochter des seit Mai den Titel des Kurfürsten tragenden Wilhelms I. weilten im Spätsommer in Kassel. Während der Anlass des Feuerwerks nicht eindeutig zu ermitteln ist, geben die ausführlichen Erläuterungen an der rechten Seite des Plans Auskunft über die Reihenfolge der abgebrannten Pyrotechnik sowie die Formen und Effekte, die dabei entstanden. In insgesamt drei Szenen wurde die Inszenierung gestaltet. Auch wenn auf dem Plan der eigentliche Standort nicht genannt wird, lässt sich doch erahnen, dass er sich auf der Wiese vor dem Schloss Richtung Herkules und Bergpark befand, kurz vor dem Fontänen-Bassin, das am oberen Rand noch angeschnitten wird.
In der ersten Szene wurden zehn Feuerwerks-Kombinationen abgefeuert, bei der schon der Beginn eindrucksvoll war: „20 Slük (Stück ?) nach und nach steigende Raketten von verschiedenen Versetzungen mit Sternen, kleinen Sonnen, Schwärmern, Tourbillons („Wirbelwind“) und Schlägen, auch einigen Schlangen und Perl-Raketten“. Es folgen weitere Elemente wie „2 Feuerräder so 3 mal ihre Farbe verändern und sich mit Kanonschlägen endigen“ und „eine Garnitur von 20 römischen Lichtern“.

Plan des Feuerwerks auf Schloss Wilhelmshöhe, 1803
Aufbau und Zündplan des Feuerwerks (Ausschnitt)

Die zweite Szene, ebenfalls mit zehn Einzel-Elementen ist ebenso eindrucksvoll, wird aber von der dritten und letzten Szene mit insgesamt 15 Elementen übertroffen: Nun finden sich verschiedene Raketen-Kombinationen und Feuerräder beginnend mit „ein großer Pfauenschweif mit 20 versetzten Raketten“ über „8. Eine Feuerpyramide so sich in 5 umlaufende Sonne verwandelt“ bis hin zu „1 Tempel mit einer Kuppel in welchem eine Sonne mit verschiedenen Farben brennt, um den Tempel viele Lustgranaden und Kanonenschläge“. Die letzten beiden Nummern sind auf der Darstellung gar nicht mehr erfasst: „14. Eine Anzahl Lustkugeln mit vielen Versetzungen auf der Löwenburg“ sowie „15. Ein Girandel Kasten mit 20 großen Raketen mit Schlägen und Sternen auf dem Octogon“.
Es wird sicherlich ein beeindruckendes Feuerwerk gewesen sein, das mit der topographischen Vorgabe des Bergparks in seiner Inszenierung gut zur Geltung kam. Die Erklärung, warum sich die Dokumentation eines Festelementes in den Wilhelmshöher Kriegskarten finden lässt, wird bei der Bezeichnung schon mitgeliefert: Es handelt sich hier um Pläne der Artillerie. Die Artillerie war für alles zuständig, wo Schwarzpulver zum Einsatz kam, so also für das Abfeuern von Kanonen, aber auch von Feuerwerk. Bei beiden war die Berechnung der Menge an Schwarzpulver von Bedeutung, ebenso eine präzise Kalkulation der Reihenfolge, um den gewünschten Effekt zu erreichen: im Krieg die Abfolge der Kanonenschüsse, beim Feuerwerk die Choreografie der Farben und Muster.

Wir wünschen Ihnen allen einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021!
Eva Bender, Marburg

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