Prägender Architekt des Städtebaus

Der Architekt Friedrich Pützer starb vor 100 Jahren

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Entwurf für eine Ehrenhalle hinter dem Denkmal von Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt in Darmstadt von Friedrich Pützer
Entwurf für eine Ehrenhalle hinter dem Denkmal von Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt in Darmstadt von Friedrich Pützer (HStAD Best. P 11 Nr. 203/1)

Pauluskirche, Hauptbahnhof, Glockenturm der TU, Wahrzeichen von Merck…. Es sind viele das Stadtbild Darmstadts prägende Bauwerke, die auf Friedrich Pützer zurückgehen. Am 31. Januar jährte sich sein Todestag zum hundertsten Mal. Er wurde nur 50 Jahre alt.
Am 25. Juli 1871 in Aachen geboren, studierte er auch dort und ging dann 1897 an die damalige TH Darmstadt, an der er 1902 seine erste ordentliche Professur für Städtebau, Kirchenbau, Perspektive und Stegreifentwurf bekam. Gleichzeitig wurde er Denkmalpfleger für die Provinzen Starkenburg und kurzzeitig auch für Rheinhessen.

Berufung Friedrich Pützers zum Denkmalpfleger für die Baudenkmäler der Provinz Starkenburg
Berufung Friedrich Pützers zum Denkmalpfleger für die Baudenkmäler der Provinz Starkenburg (aus HStAD Best. G 21 A Nr. 8/1)

Bereits im Jahr 1900 wurde er von der Stadt Darmstadt beauftragt, einen Bebauungsplan für das Stadtviertel um den Herdweg in der Nähe des Alten Friedhofs aufzustellen. Dieser wurde bis in die 1930er Jahre hinein realisiert. Das Zentrum bildete der Paulusplatz mit der Pauluskirche, die Pützer 1907 entwarf. Seine theoretische Grundlage war dabei der künstlerische Städtebau, der den Bau einer Stadt auch als Kunstwerk und nicht nur als technisches Problem verstanden sehen wollte. Freiflächen, Plätzen und gekrümmten Straßen kam eine hohe Bedeutung in der Gestaltung zu. Das Paulusviertel ist bis heute eine der bedeutendsten bestehenden Anlagen des künstlerischen Städtebaus in Deutschland.

Einen Eindruck von Pützers Vorstellungen vermittelt sein Entwurf für die Neugestaltung des heutigen Friedensplatzes zwischen dem Hessischen Landesmuseum und dem Schloss mit einer Ehrenhalle hinter dem Denkmal Ludwigs IV. (HStAD Best. P 11 Nr. 201 von 1913). Der Entwurf wurde allerdings nie verwirklicht.

Entwurf für die Neugestaltung des Paradeplatzes (jetzt Friedensplatz) in Darmstadt von Friedrich Pützer
Entwurf für die Neugestaltung des Paradeplatzes (jetzt Friedensplatz) in Darmstadt, 1903. (HStAD Best. P 11 Nr. 201)

1908 wurde er zum Kirchenbaumeister der Evangelischen Landeskirche in Hessen ernannt. In diesem Amt war er für die evangelischen Kirchenbauten zuständig und entwarf einige Kirchengebäude neu, z.B. die Kirche von Affolterbach im Odenwald (1907). Aber auch über die Grenzen des Großherzogtums hinaus wurde er aktiv. So schuf er die Pläne für die ab 1908 in Wiesbaden errichtete, markante Lutherkirche.

Holzschnitt der Kirche zu Affolterbach
Holzschnitt der Kirche zu Affolterbach (HStAD Best. R 4 Nr. 27195)

In zahlreichen Wettbewerben konkurrierte Friedrich Pützer erfolgreich mit anderen Architekten, darunter auch mit dem gleichfalls in Darmstadt tätigen Joseph Maria Olbrich. Nicht Olbrich, sondern Pützer erhielt den Auftrag für den 1912 fertiggestellten Bau des Darmstädter Hauptbahnhofs.

Nachdem Friedrich Pützer 1914 Baureferent der Technischen Hochschule Darmstadt geworden war, wurde er 1918/19 auch deren Rektor. Er nahm keine Rufe anderer Universitäten oder Angebote von Stadtbauratsstellen an, sondern blieb der TH bis zu seinem Tod treu.
Der Nachlass von Friedrich Pützer befindet sich im Stadtarchiv Darmstadt: StadtA DA Best. 45/82.
Barbara Tuczek, Darmstadt

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