Süße Versuchung im Forstamt

Wer kann bei diesen Fundstücken weiterhelfen?

Best. 64 800.jpg

Pralinenschachtel "Lohmann Orchideen"
Historische Pralinenschachtel "Orchideen" der Firma Lohmann

Bei der Erschließung von Archivgut stößt man nicht nur auf ungewöhnliche Gegenstände, die im Zusammenhang mit den Akten stehen – wie beispielsweise die in der April-Ausgabe des Newsletters präsentierte Kornprobe –, sondern manchmal auch auf gänzlich unerwartete Dinge. Bei der Erschließung eines Sammelbestandes von Forstbehörden (Best. 64) im Staatsarchiv Marburg, hauptsächlich Akten der Forstinspektion Treysa, die nur von 1851 bis 1877 bestand, stießen Archivanwärterinnen und -anwärter auf gänzlich Unerwartetes.

Zwischen Holzverzeichnissen, Nutzungs- und Kulturvorschlägen sowie Akten zu Disziplinarverfahren des Forstpersonals lag der Deckel einer alten Pralinenschachtel der Sorte „Lohmann Orchideen“, hergestellt von der Firma Neugebaur & Lohmann aus Emmerich am Rhein. Das Unternehmen wurde 1852 gegründet und bestand bis 1970, als es aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage Insolvenz anmelden musste. Es fand sich kein Investor, der das Unternehmen hätte übernehmen können oder wollen. Die Rezepte wurde in diesem Zusammenhang verkauft, weshalb es noch heute eine Schokoladensorte gibt, die ihren Ursprung im Unternehmen Neugebaur & Lohmann hat: Die Firma Halloren vertreibt die „Lohmann Mandel-Milch-Nuss Schokolade“. Aus der Machart des Deckels selbst geht nicht hervor, wann dieser hergestellt wurde. Da die Akten des Forstamtes Jesberg aber 1965 ins Staatsarchiv Marburg übernommen wurden, lässt sich zumindest der spätestmögliche Zeitpunkt bestimmen.

Titelblatt des "Familienmagazins"
Titelblatt des "Familienmagazins", erstes Juli-Heft. Illustration: Inge Drexler

Ebenfalls kam zwischen den Forstamtsakten der stark beschädigte Umschlag einer Ausgabe des „Familien-Magazins“ zum Vorschein. Diese Illustrierte erschien seit 1928 und befasste sich mit den Themen Mode, Ernährung und Familie. Aufgrund der Beschädigung geht der Jahrgang aus dem Deckblatt leider nicht hervor. Die Schriftart des Titels und der Stil der Zeichnung der Illustratorin Inge Drexler ähneln den Ausgaben der 1930er und 1940er Jahre; denkbar wäre aber auch eine Ausgabe der 1950er. Auf der Innenseite befindet sich darüber hinaus Werbung für die Damenmode-Hausmarken des Warenhauses Karstadt und für Herrenmode der Warenhäuser Karstadt, Althoff und Oberpollinger. Die beiden Letztgenannten gehörten ab 1919 bzw. 1927 ebenfalls zu Karstadt und befanden sich in Leipzig bzw. München. Die Rückseite zeigt Stoffe der Karstadt-Kurzwarenabteilung, die als Windrädchen dargestellt werden, wobei ein genauer Ort nicht genannt wird.

Werbung für die Stoff- und Kurzwarenabteilung des Warenhauses Karstadt
Werbung für die Stoff- und Kurzwarenabteilung des Warenhauses Karstadt

Die beiden Fundstücke, die normalerweise wohl kassiert worden wären, wurden unter den Nummern 35 und 36 im Bestand Slg 20 (Sammlung musealer Gegenstände und Schriftstücke) verzeichnet. Wie sie zwischen die Akten der Forstinspektion Treysa gelangen konnten, ist unklar. Falls Sie nähere Informationen zum Entstehungszeitraum der Pralinenschachtel oder der Zeitschrift haben sollten, melden Sie sich gerne bei uns!
Kontakt: marburg@hla.hessen.de
André Algarve, Marburg

Hessen-Suche