Ferien oder Urlaub?

hstam_4f_AnhaltDessau_nr_3 Ausschnitt.png

Urlaubsgesuch von Johann Georg I. von Anhalt-Dessau für seinen Bruder Bernhard.
...da „mein Bruder Fürst Christian nicht lange urlob von seinem Herrn hatt“. Auch im 16. Jahrhundert waren die Urlaubstage knapp bemessen. Ausschnitt aus dem Urlaubsgesuch von Johann Georg I. von Anhalt-Dessau. (Text hervorgehoben)

Pünktlich zum Beginn der Sommerferien in Hessen Anfang Juli stellt sich die Frage nach dem Unterschied zwischen Ferien und Urlaub. Tatsächlich sind beide Wörter historisch alte Begriffe, die schon in die Antike und das Mittelalter zurückreichen. Ferien von lateinisch „feriae“ – Festtage - benennt zunächst die arbeitsfreie Zeit von Behörden und Institutionen, um den Mitarbeitern Zeit zur Erholung zu geben. In den Ferien sind die Einrichtungen geschlossen; heute kennt man dies noch im Zusammenhang von Betriebsferien. Im Gegensatz dazu steht der Urlaub, der nur einzelnen Personen einer Einrichtung für eine bestimmte Zeit gewährt wird, unabhängig davon, ob es dort eventuell auch Ferien gibt. Etymologisch leitet sich das Wort vom Alt- und Mittelhochdeutschem „Urloup“ ab, womit bis in das 18. Jahrhundert eine Erlaubnis zur Dienstbefreiung durch den Dienstherrn auf bestimmte Zeit verbunden war.

Diese institutionelle Unterscheidung findet sich auch in den Akten. Beispielsweise bat Johann Georg I. von Anhalt-Dessau am 8. Juni 1589 bei Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel um Urlaub für seinen in Kasseler Diensten stehenden Bruder Bernhard (HStAM 4 f Staaten A, Nr. Anhalt-Dessau 3). Er wollte sich mit ihm und mit dem weiteren Bruder Christian im Harz treffen, um ihre Angelegenheiten zu besprechen und gemeinsame Zeit zu verbringen. Johann Georg ersuchte dabei, dass dies bald geschehe, da „mein Bruder Fürst Christian nicht lange urlob von seinem Herrn hatt“. Bernhard erhielt den gewünschten Urlaub, reiste aber offensichtlich mit seinem Bruder Christian, der in Brandenburger Diensten stand, nach Cölln an der Spree, dem heutigen Berlin. Denn von dort schrieb er am 1. August an Landgraf Wilhelm, dass er noch keine Erlaubnis zur Abreise erhalten habe, also keinen Urlaub vom Hof des Kurfürsten, er hoffe aber, dass er bald nach Kassel zurückkehren könne und Wilhelm ihm dies nicht übelnähme (HStAM 4 f Staaten A Nr. Anhalt-Zerbst 49).

Betriebsferien des Reichskammergerichts
Gericht geschlossen: Festlegung der Gerichtsferien des Reichskammergerichts.

Indes findet sich in einer Akte Hanauer Provenienz neben der Festlegung der Beratungsperiode der Hinweis auf die „Cameral Ferien“ des Reichskammergerichts in Wetzlar aus dem Jahr 1744, das in der Abschrift eines kaiserlichen Befehls die entsprechenden Zeiträume definierte, nämlich vom 26. März bis 8. April sowie vom 4. bis 30. Mai (HStAM 81 Nr. A/231/29). Die im Vorfeld definierten Ferien waren wichtig für die Personen, die auf die Einrichtungen angewiesen waren, sowohl als Mitarbeiter als auch als Nutzer.

Vorlesungsfreie Zeit an der Universitäts Marburg im 16. Jahrhundert
"Vorlesungsfreie Zeit" an der Universitäts Marburg im 16. Jahrhundert (Ausschnitt).

Dies zeigt auch ein Eintrag für die Universität in Marburg aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, der vor der Auflistung der Anzahl der Vorlesungen auch die Ferienzeiten nennt (HStAM 17 h, Nr. 2616): „Ferien: einen jeden Sonnabends“ oder „die Woche nach Ostern“. Dabei ist davon auszugehen, dass in diesem Beispiel noch von „richtigen“ Ferien die Rede war, in denen kein Unterricht stattfand. Heutzutage gibt es zwar an den Universitäten die Semesterferien, die aber begrifflich etwas irreführend sind, da dennoch universitäre Termine wie etwa Prüfungen oder Praktika in dieser Zeit stattfinden. Präziser ist die Bezeichnung „vorlesungsfreie Zeit“. Es zeigt sich also, dass die heutzutage zum Teil synonym verwendeten Begriffe Ferien und Urlaub doch nicht so synonym sind, wie es erscheint.

Was auch immer für die Zeit in den Sommerferien der Schulen geplant sein mag: Wir wünschen einen erholsamen Urlaub und schöne Ferien!
Eva Bender, Marburg

Hessen-Suche