Klingende Archivalien

HHStAW Abt. 172 Nr. 3557 b.png

Kantate von Schulz, 1766

Huldigungskantate

Unter den Kilometern an Schriftgut, das über die Jahrhunderte hinweg in der Verwaltung entstanden ist, nehmen sie in der Überlieferung der Staatsarchive nur einen kleinen Raum ein: Noten bzw. Musikwerke.
Sie sind meistens im Rahmen von Nachlässen in die Häuser gelangt, aber auch Teil von Sammlungen oder sind ebenfalls in der staatlichen Überlieferung zu finden, wie etwa die hier gezeigte Kantate zum Regierungsantritt Wilhelms V.. Sie wurde im Jahr 1766 von Leberecht Johann Schulz komponiert; den Text verfasste der Justiz- und Oberkonsistorialrat J. F. Eberhard. (HHStAW Abt. 172 Nr. 3557)

Kantate von L.J. Schulz, 1766
Erste Seite der Huldigungskantate von Leberecht Johann Schulz, 1766 (HHStAW Abt. 172 Nr. 3557)

Zur Kantate und ihrer Entstehung liegt ein ausführlicher Aufsatz vor.
Ursula Kramer: „Ein Candabille“ in Dillenburg. Der Regierungsantritt Wilhelms V. von Oranien als musikgeschichtliches Ereignis in der „Provinz“. In: Oranien und Nassau in Europa. Lebenswelten einer frühneuzeitlichen Dynastie, hg. von Rouven Pons. Wiesbaden 2018 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 91), S. 664-687.
Weitere Informationen zum Buch

Musikalienkatalog

Rund zwanzig Jahre jünger ist der Notenkatalog, den der Konzertmeister Giuseppe Demachi (1732-1791) für Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg (1743–1787), geborene Fürstin von Nassau-Oranien, erstellt hat. Der Katalog enthält eine alphabetisch nach Komponisten gegliederte Auflistung der Quartette, Trios, Quintette, Sextette, Concerti, Serenaden sowie Opern- und Ballettmusiken im Besitz der Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg. Für die schnellere Auffindbarkeit hat Demachi den Katalog in mehrere Teile geteilt: Der erste Hauptteil enthält die Quartette, der zweite Trios, Quintette, Sextette und Concerti. Dem Titel zufolge muss es auch einen dritten Teil gegeben haben, in dem Duos aufgelistet waren, jedoch fehlen nach Teil II sechs Seiten bzw. drei Bögen, die erkennbar aus dem Katalog herausgeschnitten wurden. Die im Katalog enthaltenen Komponisten sind in der Datenbank Arcinsys aufgeführt: HHStAW Abt. 130 II Nr. 3199.

Seite aus dem Musikalienkatalog der Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg
Viel Stamitz - aber welcher? Seite aus dem Musikalienkatalog für Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg (HHStAW Abt. 130 II Nr. 3199)

Weitere Informationen bietet ein kurzer Aufsatz in der Archivnachrichten aus Hessen:
Dorothee A.E. Sattler: Die klingende Bibliothek: Musikalienkatalog der Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg entdeckt. In: Archivnachrichten aus Hessen 18/2 (2018), S. 31-33.
Das Heft kann hier als pdf-Datei eingesehen bzw. heruntergeladen werden: Direktlink

Orchesterbearbeitung

Erheblich jünger ist die Bearbeitung einer Komposition des beinahe vergessenen britischen Komponisten Roland Bocquet (1878-1956). In Dresden ansässig, wurde Roland Bocquet wie viele andere seiner Landsleute nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Internierungslager Ruhleben (bei Berlin) inhaftiert. Der dort ebenfalls internierte Dirigent Frederic Charles Adler setzte Bocquets bekannte c-Moll-Ballade, eine klanggewaltige Komposition für Klavier, für großes Orchester. Die Partitur dieser Bearbeitung ist in der sog. „Weltkriegssammlung“ im Hessischen Hauptstaatsarchiv überliefert. (HHStAW Abt. 3037 Nr. 240)

Seite der Partitur von Frederic Charles Adler
Eine Seite der Partitur der c-Moll-Ballade von Roland Bocquet, gesetzt für Großes Orchester von Frederic Charles Adler (HHStAW Abt. 3037 Nr. 240)

Literatur:
Rouven Pons: Esoteriker des Klangs. Das Leben des Dresdner Komponisten Roland Bocquet (1878-1945?). In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 86/2015, S. 145-176. [Zum Zeitpunkt der Drucklegung war das Todesdatum noch nicht bekannt].
Sächsische Biografie

Weitere Musikalien gibt es beispielsweise im Nachlass des Komponisten Josef Miroslav Weber (HHStAW Abt. 1232). Aber auch zahlreiche Kleinkompositionen, die in Unterlagen verschiedenster Herkunft versteckt sind, harren noch ihrer Entdeckung. Vielleicht möchten Sie sich selbst auf die Suche begeben?
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