Hasen und Kaninchen im Archiv

Spannende Überlieferung zum „Internationalen Tag des Hasen“

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Weinbergsschäden durch Hasen und Kaninchen
Niedlich, aber schädlich: "Wann die Caninger nicht vertilgt werden in dem Weinberg, so kann kein Reißling und junger Stock mehr aufkommen, und haben nebst den Haaßen alles gute Holtz dießen winther abgebißen und die augen abgeschehlet."

Am letzten Samstag im September ist der Internationale Tag des Hasen. Anlass genug, Meister Lampe und seinen Spuren im Archiv nachzugehen. Leicht nachvollziehbar, dass Hasen und Kaninchen vor allem im Zusammenhang mit der Jagd in den Quellen zu finden sind. Dabei geht es oft um zu übermäßiges Jagen, unzulässiges Jagen oder Wildfrevel an Hasen, die zur niederen Jagd gehören. 1607 gestattete Landgraf Moritz von Hessen-Kassel auf Nachfrage seinem Oberforst- und Jägermeister Wolff Franz Schetzel, dem Schmalkaldener Amtmann Hermann von Werstabe, die Hasenjagd in verschiedenen Orten zu erlauben. Diese wurde jedoch eingeschränkt mit der Auflage, dass die Hasenjagd nicht zu übermäßig geschehe, damit die Versorgung des landgräflichen Hofes mit Wildbret nicht gefährdet sei. (HStAM 54 f, Nr. 4, Schreiben Moritz‘, dat. Kassel 23. Dezember 1607).

Der Tod von Hasen und Kaninchen schlägt sich immer wieder in den Akten nieder. Sind die Hasen erst mal erlegt, werden sie zumeist verspeist, und das Fell wird verwertet. So findet sich in der lediglich aus einem Blatt bestehenden Akte aus dem Rotenburger Bestand HStAM 70, Nr. 5202 „Der Hofküche gelieferte Hasen, 1828–1829“ eine monatliche Aufstellung über die Hasen, die zwischen Januar 1828 und Januar des Folgejahres an die Hofküche geliefert worden sind. Insgesamt 313 Hasen wurden in diesem Zeitraum in der Rotenburger Hofküche verarbeitet. In welcher Form oder zu welchem Anlass dies geschehen ist, lässt sich nicht erschließen, dennoch fällt in der Aufstellung auf, dass im März und April sowie Juli keine Langohren geliefert wurden, im Mai und Juni lediglich einer und im August zwei. Die Hauptsaison für Hasen in der Küche bestand demnach zwischen September über den Winter bis in den Februar. Dies ist die Zeit, die sich auch heute noch regional mit der Schießzeit für Hasen deckt, wenn nicht das ganze Jahr Hasen gejagt werden.

Lieferung von Hasen an die fürstliche Küche in Rotenburg, 1818-1829
Lieferung von Hasen an die fürstliche Küche in Rotenburg, 1818-1829

Während der Schonzeit und dem Heranwachsen der Häschen im Sommer vermehrte sich die Population. Dies konnte dann im Winter zu Schäden an herrschaftlichem Besitz führen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts sorgten Hasen und Kaninchen über den Winter für erhebliche Schäden an den gräflichen und den „gemeinen“ Weinbergen in Hochstadt, Kilianstätten und Nieder-Rodenbach in der Grafschaft Hanau (HStAM 80/1231). Da nicht nur herrschaftlicher Besitz, sondern auch der von den Untertanen genutzte Weinberg in Mitleidenschaft gezogen war, untersuchte der Rentmeister gemeinsam mit dem Schultheiß und den Weinbergarbeitern den Schaden, der sich auf drei Viertel des gesamten Weinbergs belief, in dem die „Haasen und Kaningens an den Weinbergen einen so großen Schaden gethan haben, daß sie das Holtz diesen Winther gäntzlich abgebißen…“. Der eigentlich vor dem Wild schützende Zaun um den Weinberg war durch das Wild selbst zerstört worden. Als Strategie gegen die Plage der Hasen und Kaninchen wurde der gezielte Abschuss, insbesondere während der herbstlichen Weinlesezeit erwogen.

Es zeigte sich aber, dass das Problem nicht dauerhaft gelöst wurde. Denn die Folgeakte, die fünf Jahre später datiert (HStAM 80, 1232), spricht erneut von dem „höchstschädlichen haaßenfras“ in Kiliansstätten, insbesondere an der sogenannten Bettenburg, so dass von Seiten der Herrschaft der Bau eines Plankenzauns um die Weinberge angeordnet wurde. Dieser scheint dann den erwünschten Erfolg gebracht zu haben, da in der Folgezeit zwar über die Weinberge Akten angelegt wurden, die Hasen und die von ihnen verursachten Schäden werden nicht mehr erwähnt, so dass die Mümmelmänner wohl eine andere Nahrungsquelle gefunden haben.
Eva Bender, Marburg

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