„Frißt dieser Vogel allerhand / Was er noch nie im Wasser fand“

Historische Umweltbroschüre toppaktuell

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Zeichnung aus der Umweltbroschüre "Um alles in der Welt"
Zeichnung aus der Umweltbroschüre "Um alles in der Welt", Grafik: Günther Körner

„Das hochgeschätzte Wort "Konsum"
Gereicht nicht länger uns zum Ruhm.
Noch heute heißt es: Mehr verbrauchen,
Mehr essen, trinken, bauen, rauchen!
Wer "in" sein will, kauft sich stets schnell
Das allerneueste Modell.
Konsum und Wachstum, Hand in Hand,
Beherrschen das moderne Land.
Verzicht auf Wachstum? Der Gedanke
Stößt gleich an die und jene Schranke,
Doch kann das Wachstum nie allein
Garant für unsere Zukunft sein.“

Diese Zeilen passen sehr gut als Nachklang zur Weihnachtszeit und fügen sich problemlos ein in moderne Debatten um Umwelt- und Klimaschutz ... aber sie sind mittlerweile genau dreißig Jahre alt. Im Jahr 1989 gab das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt die Broschüre „Um alles in der Welt. Nicht ganz ernste Bemerkungen über ein gar nicht so heiteres Thema“ heraus. Auf den ersten 30 Seiten sind dort Gedichte des Tierzuchtassessors Dr. med. vet. Winfried Schmidt zum Thema Umweltschutz veröffentlicht. Daran anschließend werden unter der Rubrik „Umweltchinesisch – auf ‚gut Deutsch‘“ Fachbegriffe zum Thema erläutert und Tipps gegeben, wie man sich umweltschonend verhält. So heißt es zum Beispiel unter „Müllkäufer“ – „Gehören Sie zu denen, die Einwegflaschen und Produkte mit unnötiger Verpackung, die die Ware erheblich verteuert, kaufen? Kaufen Sie umweltbewußt. Dann kann Ihnen niemand nachsagen, Sie hätten Müll eingekauft. Die Beseitigung der Abfälle ist kostspielig. Der Bürger muß sie bezahlen, und damit auch Sie!“

Zeichung aus der Umweltbroschüre "Um alles in der Welt"
Zeichung aus der Umweltbroschüre "Um alles in der Welt", Grafik: Günther Körner

Der Hessische Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Willi Görlach, wollte mit der Broschüre zum Schmunzeln und Nachdenken anregen. Vor allem aber forderte er seine Leserinnen und Leser auf, die in humorvoller Reimform präsentierten Ratschläge auch beherzigen.

Die Gedichte, die in der Dienstbibliothek des Hessischen Hauptstaatsarchivs unter der Signatur 19 A 225 überliefert sind, schließen dann auch ebenso düster wie hoffnungsfroh:
„Es heißt, es hat aus der Geschichte
Trotz aller warnenden Berichte
Der Mensch noch nie etwas gelernt!
So ist er wohl auch weit entfernt
Das Menetekel ernst zu nehmen;
Die Zukunft sieht er nur als Schemen!
Der Einzelmensch und seinesgleichen,
Jetzt könnte er es noch erreichen,
Daß zum Erfolg führt die Aktion!
Bald dröhnt der Zwölf-Uhr-Glockenton.
Uns bleibt die Hoffnung, daß er fällt
In eine neue, saub’re Welt.“

Rouven Pons, Präsidialbüro

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