Hölderlin-Autographen in Wiesbaden

HHStAW Abt. 311 Nr. 783 Rechnung Nr. 678.png

Quittung von Friedrich Hölderlin
Eigenhändige Quittung von Friedrich Hölderlin für seine Tätigkeit als hessen-homburgischer Hofbibliothekar (HHStAW Abt. 311 Nr. 678)

1804 wurde der Dichter Friedrich Hölderlin (1770–1843) zum hessen-homburgischen Hofbibliothekar ernannt. Nachdem der Dichter sich bereits 1801 in Homburg bei seinem Studienfreund Isaac von Sinclair aufgehalten hatte, kehrte er drei Jahre später dorthin zurück. Es entstand unter anderem das Gedicht „Patmos“ mit der berühmten Sequenz „Wo aber Gefahr ist, wächst / das Rettende auch“.

Die Historikerin Prof. Dr. Barbara Dölemeyer ist bei der Durchsicht der hessen-homburgischen Rechnungen auf mehrere Belege zu Hölderlins Tätigkeit gestoßen, darunter auch auf zwei eigenhändige Schreiben (HHStAW Abt. 311 Nr. 783). Sinclair hatte auf seine ihm 1802 gewährte Besoldungszulage von 200 Gulden verzichtet und diese dem „fürstl. Bibliothekar Haelderlin“ überlassen (Quittung Nr. 677). Denn der Dichter litt unter massiver Geldnot. Die Finanzmittel sollten ihm in Raten ausgezahlt werden. Der Landgraf von Hessen-Homburg hatte diesem Gesuch entsprochen, so dass im Folgenden zwei eigenhändige Quittungen überliefert sind.
50 sage fünfzig vom 1 July bis ultimo Sept. als die von Serenissimo mir ausgesezte Besoldung aus fürstlicher Kammerkasse erhalten zu haben quittirt Homburg d. 10ten Oct. 1804 B. Hölderlin (Nr. 677)
und
50 fl sage 50 fl. von ersten October bis ultimo Dezember 1804 aus fürstlicher Kammerkasse erhalten zu haben bescheinigt Bibliothekar Hölderlin (Nr. 678)
Weitere Geldauszahlungen sind auch in Abt. 311 Nr. 622 und 623 überliefert, diese aber nicht mehr von eigener Hand geschrieben. Immerhin verfügt das Hessische Hauptstaatsarchiv damit über zwei Autographen des Dichters Friedrich Hölderlin.

Hessen-Homburgischer Rechnungsband
Birgt gewiss noch weitere Überraschungen: Der dicke hessen-homburgischer Rechnungsband, in dem die Quittungen Hölderlins enthalten sind.


Der Fund belegt aufs Neue, welche zumeist ungehobenen Schätze sich in den diversen Rechnungsüberlieferungen der Staatsarchive bergen lassen. Mit ein wenig detektivischem Gespür und dem nötigen Durchhaltevermögen lohnt die Durchsicht dieser Quellenüberlieferung.
Weiterführende Informationen zu Hölderlin in Bad Homburg finden Sie im neuesten Heft der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburgs vor der Höhe Heft 68 (2019).
Rouven Pons, Präsidialbüro Hessisches Landesarchiv

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