Leben am Fluss

Geschichte des Hofguts Guntershausen auf der Insel Kühkopf

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Plan der strittigen Rheinauen bei Stockstatt und Leeheim
Plan der strittigen Rheinauen bei Stockstatt und Leeheim. Der Kühkopf befindet sich in der Flussschleife in der MItte der Karte (HstAD Best. P 1 Nr. 1160/2)

Was gibt es bei dem aktuellen Sommerwetter Schöneres, als in der Natur zu verweilen und die Sonne zu genießen? Die Hochwasser der letzten Wochen scheinen fast vergessen, wenn die 30-Grad-Marke erreicht wird und der Boden staubig trocken ist. Wer sich in diesen Tagen in das größte Naturschutzgebiet Hessens „Kühkopf-Knoblochsaue“ im Landkreis Groß-Gerau begibt und dort den idyllischen Blick auf den Altrhein genießt, ahnt meist nicht, dass auch diese Landschaft von starken Hochwassern geprägt war, wie einige Fotos aus dem Staatsarchiv Darmstadt beweisen.

Hofgut Guntershausen bei Hochwasser
Hofgut Guntershausen bei Hochwasser

Was dabei auf den ersten Blick wie eine Seenlandschaft wirkt, sind – näher betrachtet – Gebäude und Felder, die von Hochwasser umringt sind. Die Not von Mensch und Tier wird vor allem auf einem Foto von 1955 deutlich, als ein Pferd mithilfe eine Krans gerettet werden musste.

Rettung eines Pferdes im Hofgut Guntershausen
Rettung eines Pferdes im Hofgut Guntershausen

Dabei war der „Kühkopf“ zunächst reines Auenland und wurde hauptsächlich für die Jagd genutzt. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden einzelne Gebäude, die später erweitert und zu einem Hofgut ausgebaut wurden. 1829 wurde der Kühkopf mit dem Durchstich des Rheins zur Flussinsel. Da der Rhein schneller abfließen konnte, brachte diese Veränderung bereits eine erhebliche Verbesserung der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen mit sich. 1888 wurde das Hofgut auf dem Kühkopf an Baron von Heyl zu Herrnsheim aus Worms verkauft, der dem Gebäudekomplex seinen heutigen Namen „Hofgut Guntershausen“ verlieh.

Cornelius Wilhelm Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim (1843-1923)
Cornelius Wilhelm Freiherr v. Heyl zu Herrnsheim (1843-1923)

Seit letztem Jahr werden im Staatsarchiv Darmstadt nun auch Unterlagen zur Bewirtschaftung des Hofguts aus der Zeit der Familie von Heyl, die als Blütezeit des Hofguts gilt, archiviert. Dazu gehören u.a. Wirtschaftspläne, Nachweise über Löhne, Unterlagen zu Jagdangelegenheiten, zur Rheinfähre oder zur Ölbohrung. Diese Unterlagen geben einen lebendigen Eindruck vom (Arbeits-)Alltag auf einem Hofgut in einer so einzigartigen Landschaft und können nach der archivischen Bearbeitung künftig im Bestand N 4 Hofgut Guntershausen in Arcinsys recherchiert werden.
Karina Jaeger, Darmstadt

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