Honi soit qui mal y pense

…ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Hosenbandorden.png

Insignien des Hosenbandordens
Die Insignien des Hosenbandordens (Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Nicht nur Heraldikern wird der eingangs zitierte Ausspruch bekannt sein, sondern auch eingefleischten Fans der britischen Königsfamilie, handelt es sich doch um die Devise des ältesten und höchsten Ritterordens Großbritanniens, des Most Noble Order of the Garter oder zu Deutsch des Hosenbandordens. Gegründet wurde er 1348 von König Edward III. (1312–1377), der sich angeblich die legendäre Tafelrunde König Arthurs zum Vorbild genommen hat.
War eine Aufnahme lange Zeit nur Adligen vorbehalten, so werden heute v.a. Personen in Anerkennung ihres gesellschaftlichen Engagements mit der Ritterwürde bedacht. Neben der Queen und dem Prince of Wales sind verschiedene Vertreter der Königsfamilie Mitglieder des Hosenbandordens. Darüber hinaus werden 24 Personen aufgenommen – wobei ausländische Monarchen als Ehrenmitglieder nicht mitgezählt werden. An Exklusivität hat der Hosenbandorden im Lauf der Jahrhunderte somit nichts eingebüßt.

Kein Wunder also, dass sich schon Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (1572–1632) Ende des 16. bzw. Anfang des 17. Jahrhunderts um eine Aufnahme bemühte. Zunächst wandte er sich im Jahr 1596 an ElizabethI. (1533–1603) (HStAM Best. 4 f Staaten E Nr. England 37) und knapp zehn Jahre später an ihren Nachfolger JamesI. (1566–1625), wobei der in Arcinsys vermerkte Titel den großen Wunsch des Landgrafen unterstreicht: „Aussicht auf den ersehnten Hosenbandorden“ (HStAM Bestand 4f Staaten E Nr. England 54). Allein Moritz hoffte und sehnte offenbar vergebens.

Brief König Georges II. an Erbprinz Friedrich, 1741 Juni 24 (HStAM Best. 4 a Nr. 91/15)
Ordensaufnahme als "Zeichen der Zuneigung": "...marque de mon affection“Brief König Georges II. an Erbprinz Friedrich vom 1741 Juni 24 (HStAM Best. 4 a Nr. 91/15)

Knapp anderthalb Jahrhunderte später sah dies bei Erbprinz Friedrich (1720–1785) anders aus: Er hatte im Jahr 1740 Prinzessin Maria von Hannover (1723–1772) geheiratet und wurde ein Jahr später – wohl im Juni 1741 – von seinem Schwiegervater George II. (1683–1760) „als Zeichen seiner Zuneigung“ in den Hosenbandorden aufgenommen (HStAM Bestand 4 a Nr. 91/15). Auch Friedrichs Sohn, Wilhelm IX. (1743–1821), dem späteren Kurfürsten Wilhelm I., wurde 1786 diese Ehre zuteil. Seine Lebenserinnerungen geben Auskunft: „Tags darauf [5.8.1786, Anm. d. Autorin] überbrachte mir ein Ordensherold, Master Heard, die Insignien des Hosenbandordens, den der König von England [mir verliehen hatte]. Am 7. wurde ich öffentlich und unter großen Zeremoniell mit dem Mantel bekleidet, […].“

Ordensmantel und -hut des Hosenbandordens
Ordensmantel und -hut des Hosenbandordens (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Zu den Insignien gehören u.a. die Ordenskette mit dem Hl. Georg als Schutzpatron des Ordens, der Bruststern sowie das Schnallenband – also das namensgebende Strumpfband (garter), das von den Rittern unterhalb des linken Knies zu tragen ist, Damen tragen es am linken Arm. Die zahlreichen Fotos, die online zum Hosenbandorden zu finden sind, belegen, dass die Jahrhunderte dem Orden auch in Bezug auf seine Tracht nichts anhaben konnten. Ob Landgraf Moritz sich möglicherweise auch wegen der prachtvollen Ausstattung um eine Aufnahme bemühte? … honi soit qui mal y pense.
Elisabeth Schläwe, Marburg

Zitat aus: Wir Wilhelm von Gottes Gnaden. Die Lebenserinnerungen Kurfürst Wilhelms I. von Hessen 1743–1821. Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Rainer von Hessen, Frankfurt/New York 1996, S. 251.

Hessen-Suche