Genealogie, Wissenschaft und archivische Netzwerke

Internationale Aktivitäten des Hessischen Staatsarchiv Marburg

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Weltkarte in Mercator-Projektion aus dem Jahr 1849
Geschichte verbindet: Weltkarte in Mercator-Projektion aus dem Jahr 1849 (HStAD P 2 Nr. 66/11)

Während die hessischen Archive wie die übrigen deutschen Archive momentan für Nutzerinnen und Nutzer nur eingeschränkt zu nutzen sind, nimmt das Alltagsgeschäft mit eingehenden Anfragen nicht ab. Viele Anfragen werden von Nachfahren aus Hessen ausgewanderter Personen aus aller Welt an die Archive gerichtet, um mehr über die Umstände der zurückliegenden Auswanderung zu erfahren sowie die Lebenssituationen der Herkunftsfamilie sowie Alltägliches aus dem Leben der Vorfahren zu verstehen. Die Menschen sollen als Person greifbar werden. Je jünger die Ereignisse sind, desto besser können die Anfragenden informiert werden.

Neben Anfragen von deutschen Genealogen und aus Europa kommen solche Anfragen regelmäßig aus Nordamerika und Australien, aber auch aus Brasilien, Südafrika, Asien und beispielsweise Dubai. Neben den Familienforschern wenden sich aber auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Archive. Sie bereiten eigene Forschungsvorhaben vor und verfolgen diese dann – im Idealfall – auch vor Ort, um die Ergebnisse schließlich zu publizieren.
Jüngst meldete sich die Lehrstuhlinhaberin für europäische Rechtsgeschichte an der Sophia-Universität in Tokio, Prof. Dr. Naoko Matsumoto, um die Forschungsergebnisse zu Friedensrichtern im Fürstentum Waldeck-Pyrmont 1848–1879 unter dem Aspekt der lokalen Schlichtung durch ehrenamtliche Richter, die sie vor Ort zwischen 2017 und 2019 vor Ort durchgeführt hatte, mit einem Belegexemplar zu dokumentieren.

Ihre Forschung konzentrierte sich auf den Bestand 121 der Waldeckischen Regierung sowie Protokolle III, in dem sich die Protokollbücher der lokalen Friedensrichter befinden, die 1879 durch das Schiedsmannwesen abgelöst wurden. Im Begleitschreiben hob sie hervor: „Ich erinnere mich oft an die sehr angenehme Stimmung im Lesesaal des Archivs und freue mich auf die Gelegenheit, es wieder zu besuchen.“ Ähnliche Kommentare erreichen nicht nur das Marburger Archiv von Forschenden aus Großbritannien, Frankreich und den USA, sowie weiteren Ländern. Die Nutzung durch auswärtige und ausländische Wissenschaftler belegt erneut den Stellenwert der in den hessischen Archiven lagernden Quellen.
Aber auch die Besuche auswärtiger Archiv-Delegationen aus verschiedenen Ländern zeigt die Bedeutung, die die hessischen Archive, durchaus auch in Kombination mit der in Marburg angesiedelten Archivschule, in aller Welt haben. So waren in den letzten drei Jahren alleine im Staatsarchiv Marburg drei Delegationen aus China und Japan zu Besuch. Zudem gab es in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften der Philipps-Universität einen Workshop „Archival research“ mit indischen und deutschen Doktoranden.

Bei all diesen Besuchen wurden vor allem Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Bestandserhaltung gesammelt, von denen sich die auswärtigen Gäste Impulse für die eigene Arbeit erhofften. Dabei stieß das unter anderem mit Mitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des Schriftlichen Kulturgutes (KEK) finanzierte und vor kurzem abgeschlossene Rollkartenprojekt mit seinen umfassenden Maßnahmen zur Reinigung und Verpackung der großen Archivalien auf großes Interesse. Aber auch die Marburger Archivare staunten, als sie hörten, dass in der chinesischen Provinz Henan aufgrund der Erdbebengefahr die Verpackung vornehmlich in speziellen Metallkisten erfolgt. So bleibt der Austausch mit weltweiten Nutzerinnen und Nutzern und Archivmitarbeitenden weiterhin ein spannendes Feld und zeigt: Im Zeitalter der Globalisierung gehen Informationen aus Hessen nicht nur in die weite Welt geht, sondern die weite Welt kommt auch nach Hessen.
Eva Bender, Marburg

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