Spezialistinnen und Spezialist für Bestandserhaltung aus Japan zu Besuch im Staatsarchiv Marburg

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Japanische Delegation im Staatsarchiv Marburg
Die japanischen Spezialistinnen und der Spezialist zusammen mit Mitarbeiterinnen des Staatsarchivs Marburg

Am 8. Februar 2019 erhielt das Staatsarchiv Marburg Besuch aus Japan: Im Zuge eines staatlich geförderten Forschungsprojektes zu Bestandserhaltung und Zugänglichkeit analogen und digitalen Archivguts bereisten Professorin Mutsumi Aoki vom National Institute of Japanese Literature, ihr Projektmitarbeiter Tatsuhiko Shida, Frau Masako Kanayama, am Gangoji Institute for Research on Cultural Property in Nara Spezialistin für Konservierung und Restaurierung von Archivgut, sowie Frau Maki Takashina, Doktorandin im Bereich Archivwissenschaften und Bestandserhaltung an der Gakushuin University Tokio eine Woche lang Deutschland, wo sie u.a. das Historische Archiv der Stadt Köln und das Bundesarchiv in Koblenz besuchten. Am Freitag führte sie – nach einem Vormittag an der Archivschule – ihr Weg ins Staatsarchiv, begleitet von Frau Emi Shirakawa, Archivarin und unabhängige archivische Fachberaterin und Forscherin, die bereits bei einer Summer School Marburg kennengelernt hatte und die englischsprachigen Präsentationen und Führungen übersetzte.

Zunächst erläuterte Dr. Wenz-Haubfleisch die Struktur des Hessischen Landesarchivs, aktuelle Statistiken zum Erschließungsgrad, den Besucherzahlen, der Bereitstellung von Digitalisaten sowie zur Übernahme von „born digitals“. Dr. Marx-Jaskulski ging anschließend auf das aktuelle Schwerpunktprojekt der Marburger Restaurierungswerkstatt, die Reinigung, konservatorische Behandlung und Neuverpackung der großformatigen Rollkarten, ein. Es folgte eine Vorstellung der unterschiedlichen Förderprogramme des Bundes und des Landes Hessen, die es auch kleineren Häusern ermöglichen, mit Mitteln der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK), aus dem Sonderprogramm der Beauftragten für Kultur und Medien oder dem Landesprogramm, sowie mit Unterstützung durch die Koordinierungsstelle Bestandserhaltung Hessen (KBH) Bestandserhaltungsmaßnahmen zu finanzieren. Frau Rains ging dann auf verschiedene Aspekte der Nutzung wie Schutzfristen und ihre Verkürzung ein und demonstrierte anhand einer Recherche in Arcinsys, wie hier auch Archivalien zu Japan in den Beständen des Staatsarchivs zu finden sind. Eine Akte zum Abschluss von Freundschafts- und Handels- und Schifffahrtsverträgen zwischen Preußen namens des Deutschen Zollvereins und China, Japan und Siam (HStAM Best. 9 A Nr. 2083) sowie eine Homannsche Karte Asiens aus dem 18. Jahrhundert (HStAM Best. Karten Nr. P II 16116) wurden auch im Original präsentiert.

Mitarbeiterin des HLA und japanischer Gast
Frau Dr. Wenz-Haubfleisch zeigt den interessierten Gästen Archivalien in einem Magazin des Staatsarchivs Marburg.

Bei einer anschließenden Führung durch den öffentlichen Bereich und die Magazine konnten Fragen noch einmal vertieft werden. Besonderes Interesse erweckten das Gebäude und seine Regalkonstruktion, da die preußische Art der Archivalienlagerung wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Japan großen Einfluss auf die Magazinierung von Unterlagen hatte. Auch die 2016 eingebaute Lüftungsanlage und die Nebellöschanlage sowie die Verpackung der Archivalien – sowohl in „normalen“ Archivkartons als auch in den eigens angefertigten Überformaten für die Rollkarten boten den Fachleuten für Restaurierung interessante Einblicke in die Archivtechnik und Bestandserhaltung des Staatsarchivs Marburg.
Katrin Marx-Jaskulski / Julia Reinartz-Rains, Staatsarchiv Marburg

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