Digitaler Mehrwert: Jüdische Quellen im Hessischen Landesarchiv

Neues Modul im Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen

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Probeseite der kritischen Bibelausgabe von Wolf Heidenheim zu Offenbach, 1798 (HStAD Best. F 24 C Nr. 592/3)
Nur eine der Quellen zur jüdischen Geschichte im Hessischen Landesarchiv: Probeseite der kritischen Bibelausgabe von Wolf Heidenheim zu Offenbach als Beilage der Frankfurter Kayserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung, 1798 (HStAD Best. F 24 C Nr. 592/3)

Seit Mai 2022 ist das Hessische Landesarchiv mit rund 15.000 Datensätzen zur jüdischen Geschichte im Internet präsent. Möglich gemacht hat dies ein Projekt der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen (ansässig im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden) in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg und dessen Datenbank LAGIS.
Die Vorgeschichte des Projekts reicht länger zurück. Die Vielzahl der in den drei Hessischen Staatsarchiven Wiesbaden, Marburg und Darmstadt überlieferten schriftlichen Quellen zur jüdischen Geschichte waren bereits seit Jahrzehnten tiefenerschlossen worden. Der größte Teil ist zwischen 1989 und 2008 in gedruckten Publikationen mit ausführlichen Indizes bei der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen erschienen. Im Einzelnen betraf dies das Staatsarchiv Marburg mit den Quellen bis 1600, das Staatsarchiv Darmstadt mit Quellen bis 1803 und das Hauptstaatsarchiv Wiesbaden mit den Beständen des Herzogtums Nassau 1806–1866.

Verzeichnung der Akte HHStAW Abt. 137 Nr. XIV c 2 in Arcinsys
Verzeichnung der Akte HHStAW Abt. 137 Nr. XIV c 2 in Arcinsys

Diese Bände stellten für die Forschung einen viel genutzten Fundus dar, doch fehlten bislang die heute unentbehrlichen Recherchemöglichkeiten über das Internet. Mit Hilfe von Sondermitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst konnten in den vergangenen zwei Jahren sämtliche Verzeichnungseinheiten digitalisiert werden und sind nun über LAGIS im Modul „Quellen zur jüdischen Geschichte in Hessen“ weltweit recherchierbar. Ein Quantensprung – wie der Vergleich zwischen der Basisverzeichnung in der Archivdatenbank Arcinsys mit der nun im Netz bereitgestellten Detailverzeichnung verdeutlicht.

Verzeichnung der Akte HHStAW Abt. 137 Nr. XIV c 2 in LAGIS
Ausführliche Tiefenerschließung: Verzeichnung der Akte HHStAW Abt. 137 Nr. XIV c 2 in LAGIS

Über die aus den gedruckten Bänden übernommenen Titelaufnahmen hinausgehend sind auch Fortschreibungen und Ergänzungen integriert, die seit der Publikation erfasst worden waren. Darunter befinden sich Archivalien, die benachbarte Bundesländer betreffen, so vor allem Rheinhessen und den nassauischen Westerwald in Rheinland-Pfalz.
Alle Datensätze sind in LAGIS nach Personen, Orten und Sachbetreffen tief indiziert, die Indexbegriffe selbst innerhalb des Moduls verlinkt. Durch die Vernetzung mit weiteren LAGIS-Modulen wie Jüdische Friedhöfe, Jüdische Grabstätten und Synagogen in Hessen ergeben sich für die Forschung weltweit eine Fülle von Quelleninformationen „frei Haus“.
Direktlink zum Modul „Quellen zur Jüdischen Geschichte"
Direktlink zur LAGIS-Startseite
Hartmut Heinemann, Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen

Bild ganz oben: Seite der kritischen Bibelausgabe, herausgegeben von Wolf Heidenheim zu Offenbach. Werbe-Beilage zur ‘Frankfurter Kayserl. Reichs-Ober-Post-Amts-Zeitung' vom 20.7.1798 (HStAD Best. F 24 C Nr. 592/3)
Oben steht in hebräischer Quadratschrift der Bibeltext (Genesis 27:12 ff.) in aramäischer Übersetzung (Targum Onkelos), darunter in sog. Raschi-Schrift rechts der zugehörige Kommentar von Raschi (Schlomo Jizchaki, um 1040-1105) und links daneben der von Raschbam (Samuel ben Meir, um 1085-1174). Darunter befinden sich zwei weitere Kommentare.
Link zur Verzeichnung in Arcinsys
Link zum Datensatz in LAGIS

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