Justizielle Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Hessen

Ausstellungseröffnung in Israel

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Ausstellung in Kfar Saba
Dr. Johann Zilien, Hessisches Landesarchiv, führt durch die Ausstellung.

Am Abend des 24. Septembers 2017 wurde in Kfar Saba, der israelischen Partnerstadt Wiesbadens, die zweite Station der Wanderausstellung des Hessischen Landesarchivsüber die juristische Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Hessen nach 1945 eröffnet. Richtete sich die erste Station der Ausstellung beim Supreme Court in Jerusalem noch vorrangig an ein juristisches Fachpublikum, so wird in Kfar Sabaeine breite Öffentlichkeit angesprochen. Zudem wird die Ausstellung in Kfar Saba erstmals vollständig mit ihren 33 doppelseitigen Rollups und den drei Monitoren zum Abspielen der deutschen Dokumentarfilme mit hebräischen Untertiteln gezeigt.

In Kfar Saba, einer aufstrebenden Stadt im Großraum Tel Aviv mit derzeit rund 107.000 Einwohnern, leben- wie überall in Israel - noch Überlebende der Shoah, vor allem aber zahlreiche Nachkommen der „Surviver“ der ersten und zweiten Generation. An der Ausstellungseröffnung nahmen rund 70 Personen teil, darunter auch der amtierende Bürgermeister Zarfati, die stellvertretende Bürgermeisterin der Nachbarstadt Ra’anana Frau Weintraub und zahlreiche Personen aus Politik und Kultur Kfar Sabas. Im Anschluss an eine kurze Ansprache des Bürgermeisters eröffnete der Kurator der Ausstellung, Dr. Johann Zilien, im Namen des Hessischen Landesarchivs und zugleich als Vorsitzender des Wiesbadener Partnerschaftsvereins Freundeskreis Kfar Saba, der das Landesarchiv bei der Realisierung des Israel-Projekts unterstützt hatte, diese Ausstellungsstation.

Wie bereits beim Supreme Court wurde die Ausstellung sehr positiv aufgenommen. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von ihrem Inhalt und ihrer Präsentation. Obgleich zahlreiche NS-Täter in der Nachkriegszeit ungestraft geblieben waren, wurde auch in Kfar Saba das Bemühen in Deutschland anerkannt, die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Sehr positiven Anklang fand die sehr gute Ivrit-Übersetzung der Texte und Filme mit Untertiteln, die von einem Übersetzer aus Jerusalem erstellt worden war. Gerade diejenigen Ausstellungsbesucher, die als Kinder von Überlebenden der Shoah einen unmittelbaren Bezug zu der Thematik haben, waren vielfach den Tränen nahe. Ähnliche bewegende Szenen der Trauer und des Entsetzens über die furchtbaren Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung Europas während der NS-Zeit spielten sich am darauf folgenden Tag auch bei einer Führung durch die Ausstellung für zumeist ältere Bürgerinnen und Bürger aus Kfar Saba ab.

In Kfar Saba wird die Ausstellung noch bis zum 3. Oktober zu sehen sein. Aufgrund der sehr positiven öffentlichen Resonanz auf die Ausstellung haben sich die beiden Städte Ra'annana und Hod haSharon entschlossen, die Ausstellung im Anschluss an das Laubhüttenfest - Sukkot -, das vom 4. bis zum 11. Oktober 2017 dauert, zu präsentieren.