Des Kaisers Haar

Besondere Erinnerungsstücke an Kaiser Friedrich III. in Darmstädter Tagebüchern

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Haar des verstorbenen Kaisers Friedrich III., 1888 (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2)
Ein besonderes Andenken: Haar des verstorbenen Kaisers Friedrich III., 1888 (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2)

Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein führte eifrig Tagebuch. Natürlich berichtete er darin auch über den Tod seines Schwagers, Kaiser Friedrich III., mit dem er zusammen 1869 sogar eine Reise zur Eröffnung des Suezkanals unternommen hatte.

Tagebuch von Großherzog Ludwig IV. von Hessen, 1888 (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2)
Tagebuch von Großherzog Ludwig IV. von Hessen, 1888 (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2)

Friedrich III. hatte nach dem Tod seines Vaters, Wilhelm I., am 9. März 1888 die Regentschaft als König von Preußen und Deutscher Kaiser übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings schon so schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt, dass er nur 99 Tage im Amt blieb. Am 15. Juni 1888 verstarb er in Potsdam, und Ludwig IV. machte sich auf den Weg, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Am 17. Juni kam er dort an und schrieb in das Tagebuch (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2): „Die arme Vicky [Victoria, Ehefrau Friedrichs III. und Schwester der bereits verstorbenen Großherzogin Alice] schwer gebrochen u. gebeugt. Die 4 Töchter ergriffen. Ging in den Jaspissaal wo die theure Leiche ausgestellt. Noch angenehm der Ausdruck. Wir 3 nach dem Marmor Palais zu Kaiser Wilhelm II.“
Der Verstorbene war also im Hauptsaal der Neuen Kammern bei Schloss Sanssouci aufgebahrt.

Dem Eintrag liegen einige Nachrufe aus Zeitungen bei. Bedeutsamer ist jedoch ein kleiner Briefumschlag. Darin befinden sich unter anderem drei vom Kaiser mit Bleistift beschriebene Zettel aus seiner letzten Lebenszeit. Auf einem ist zu lesen: „Du wirst mir dann eine Stütze als Fürst des Reiches sein.“ Da Friedrich bereits gegen Ende Oktober 1887 nicht mehr sprechen konnte, schrieb er seine Mitteilungen auf Zettel. Der genannte stammte vom 7. März 1888, als Ludwig IV. den Kronprinzen in San Remo besuchte, wo er sich zum Zwecke der Genesung aufhielt.

Kommunikationszettel von Kronprinz Friedrich, 1888 (HStAD Best. D 24 Nr. 9/2)
"Du wirst mir dann eine Stütze als Fürst des Reiches sein", sagte Kronprinz Friedrich schreibend zu Großherzog Ludwig IV. (HStAD Best. 24 Nr. 9/2; Kontrast stark erhöht)


„Mit Fritz waren wir lange im Garten“, schrieb Ludwig IV., „die Nachrichten von Berlin besagen, daß der Kaiser [also Wilhelm I.] sehr schwach geworden.“
Vom 6. bis 9. März befand sich Ludwig in Begleitung von Heinrich von Preußen, einem Sohn Friedrichs, in San Remo. Heinrich sollte am 24. Mai 1888 Irene von Hessen, eine Tochter Ludwigs IV., heiraten. Auch hierzu gibt es eine Notiz: „Eure Hochzeit soll hierdurch [Friedrichs Krankheit] nichts in den Weg treten; höchstens aus Rücksicht auf meine Mutter [Kaiserin Augusta] weniger Feste.“
Am 24. Mai bot Friedrich seinem Schwager die Inspektorstelle des 7., 8. und 11. Armeekorps an. Ludwig notierte: „Das letzte was ich vom theuren Fritz in Conversationsschrift erhielt.“

Etwas ganz Besonderes aber sind die Haare des Kaisers, die sich in einem eigenen Umschlag mit Trauerumrandung erhalten haben: „Letztes Andenken an den theuren Fritz von Kammerdiener Wetterling vor uns abgeschnitten 17.6.88“. Damit befinden sich ganz besonders authentische, emotional aufgeladene Dokumente eines Sterbenden bzw. gerade Verstorbenen im großherzoglichen Familienarchiv, das im Staatsarchiv Darmstadt deponiert ist.
Rainer Maaß, Rouven Pons, Darmstadt

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