König Adolf von Nassau in Italien

Porträt aus dem 16. Jahrhundert entdeckt

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Königsgemälde im Castello de Buonconsiglio in Trient
Königsgemälde im Castello de Buonconsiglio in Trient

Von Adolf von Nassau (vor 1250–1298), der von 1292 bis 1298 als deutscher König regierte, sind keine authentischen Bildzeugnisse überliefert. Die Darstellung auf seinen Siegeln ist als Königstypus zu verstehen, nicht als Porträt. Auch die heute nur durch frühneuzeitliche Abzeichnungen überlieferten Wandmalereien von Kloster Klarenthal bei Wiesbaden dürfen nicht als wirkliche Bildnisse verstanden werden. Denn Porträts im heutigen Sinne gab es zu jenem Zeitpunkt noch nicht.

Darin erkannten spätere Zeiten, die den längst verstorbenen König visualisieren wollten, ein Dilemma. Alle Bildnisse aus dem 16. und 17. Jahrhundert müssen daher als eine vermeintlich rekonstruierende Fiktion bewertet werden. Das gilt für die wenigen Darstellungen in genealogischen Druckwerken der Frühen Neuzeit, in barocken Kaisersälen – wenn man sich dort nicht sogar bewusst nur auf die Habsburger beschränkte und unter anderem den Nassauer Adolf aussparte -, und schließlich auch noch für die Darstellung Heinrich Mückes im Kaisersaal des Frankfurter Römers aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Königsgemälde von König Adolf im Castello de Buonconsiglio in Trient

Umso interessanter ist es, dass ausgerechnet im Castello del Buonconsiglio in Trient König Adolf in die Reihe der deutschen Kaiser aufgenommen wurde. Im sogenannten Bischofssaal sind alle Bischöfe Trients vom Jahr 1000 bis ins 16. Jahrhundert dargestellt und durch Papst- und Kaiserbildnisse ergänzt. Damit wollten die Bischöfe ihre Bedeutung unterstreichen, denn ihre Macht erhielten sie vom Heiligen Stuhl und vom Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. König Adolf wird zwischen seinem Vorgänger Rudolf von Habsburg (rechts) und seinem Nachfolger Albrecht von Österreich (links) dargestellt und mit der Jahreszahl seines Amtsantritts 1292 sowie der Unterschrift „ADOLFUS REX COMES DE NASAV“ mit Königskrone, Kette und rosafarbenem Umhang dargestellt. Ob es hierfür ein Vorbild gab oder der Maler, Marcello Fogolino, in den 1530er Jahren seiner Phantasie freien Lauf ließ, wird kaum zu klären sein. Denn alle gedruckten und publizierten Bildnisvorschläge der Frühen Neuzeit stammten erst aus dem 17. Jahrhundert. Die heute verlorene Darstellung Adolfs in der Wiesbadener Mauritiuskirche, die Fogolino mit Sicherheit nicht gekannt hat, datiert auch erst aus dem Jahr 1556.

Mit der Darstellung im Palast der Bischöfe von Trient dürften wir es damit um eines der frühesten Bildnisse König Adolfs zu tun haben, das aber, wie die später entstandenen Porträts zeigen, nicht bildprägend wirkte. Ebenso fiktiv wie alle späteren auch, zeichnet es aber der frühe Zeitpunkt der Entstehung aus und der – aus nassauischer Sicht – etwas versteckte Ort seiner Entstehung.
Rouven Pons, Präsidialbüro Hessisches Landesarchiv

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