Kuranlagen in Bad Schwalbach

Landesgartenschau inspiriert zur Beschäftigung mit der Geschichte der Kuranlagen

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Entwurf der Kuranlagen in Bad Schwalbach
Entwurf der Kuranlagen in Langenschwalbach (Bad Schwalbach), 1782 (HHStAW Abt. 3011/1 Nr. 3380 H)

Bereits im 16. Jahrhundert war die Heilkraft der Mineralquellen von „Langenschwalbach“, wie der Ort damals hieß, bekannt. Aufgrund der ungünstigen geopolitischen Lage im Taunus, weit abgelegen von den Hauptbesitzungen der Landgrafen von Hessen-Kassel bzw. später ihrer Nebenlinie Hessen-Rotenburg, die auf Burg Rheinfels residierte, unterblieb der Ausbau zum Kurort.
Ende des 18. Jahrhundert wurden die Planungen zur Errichtung richtiger Kuranlagen konkretisiert, allerdings erst - nach Ausbau der Verkehrswege - im Lauf des 19. Jahrhunderts umgesetzt. „Langenschwalbach“ wurde neben Wiesbaden, Bad Ems, Schlangenbad und Bad Weilbach (bei Flörsheim) zu einem der weltbekannten Kurorte des Herzogtums Nassau.

Der hier abgebildete Plan (HHStAW Abt. 3011/1 Nr. 3380 H) zeigt einen der Vorschläge für die Kuranlagen, erstellt im Jahr 1782 durch den Ingenieur-Oberleutnant C. Eickenmeyer aus Mainz. Besonders interessant ist die Gestaltung der Gartenanlagen, die sowohl den herkömmlichen barocken Geschmack als auch die neue Idee des englischen Landschaftsparks bedient.
Im unteren Teil des nach Westen ausgerichteten Plans sind die gedachten Kurgebäude eingezeichnet, bestehend aus einem Badehaus (e) und einem Gesellschaftshaus (c). Hinter diesem, Richtung Stahlbrunnen, sollte sich zunächst eine Gartenanlage anschließen. Mit ihren Parterres, dem mittigen Springbrunnen, einem gedeckten Gang von „wilden Weinreben“ im Süden bzw. links und einer „zugezogenen Linden-Alée“ (im Norden bzw. rechts) entsprach dieser Teil der barocken Gartenkunst nach französischem Vorbild.

Der Stahlbrunnen (m) sollte im Norden von „Gallerien“ bzw. einem Kolonnaden-Gebäude (n) und im Süden von einer labyrinthartigen Heckenpflanzung mit vielen lauschigen Sitznischen flankiert werden. Im Anschluss daran, nach Osten zu, war ein „englischer Garten“ geplant, eine zu dieser Zeit im deutschen Sprachraum noch relativ neue Art der Gartengestaltung. Abgesehen von der Allee, die zu einem nicht näher bezeichneten „Monument“ (u) führte, sollte auch der Landschaftspark in Langenschwalbach möglichst naturbelassen wirken und zugleich durch geschickte Baumpflanzungen und Wegeführung immer neue Sinneseindrücke ermöglichen (HHStAW Abt. 3011/1 Nr. 3380 H).
Dorothee A.E. Sattler, Wiesbaden

Veranstaltungshinweis:
Die Landesgartenschau in Bad Schwalbach ist noch bis zum 7. Oktober 2018 geöffnet.