Urkatasterkarten und Standesamtszugehörigkeiten

Zwei neue Module im Landesgeschichtlichen Informationssystem LAGIS

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Lagismodule auf der Startseite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen
Lagismodule auf der Startseite des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen

Seit Juni sind im landesgeschichtlichen Informationssystem LAGIS, welches das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL) zur Verfügung stellt, zwei neue Kartenmodule freigeschaltet: Urkataster+ (Direktlink) und eine Karte zu den Standesamtszugehörigkeiten, angebunden an das Modul Hessische Geburten-, Ehe- und Sterberegister (Direktlink). Sie machen Archivgut des Hessischen Landesarchivs ansprechend und komfortabel zugänglich.
Besonders detailliert bieten die großmaßstäbigen Urkatasterkarten des 19. Jahrhunderts einen Einblick in hessische Städte und sind damit Herzstück des Hessischen Städteatlas (Direktlink). Um einer breiten Öffentlichkeit die Karten digital verfügbar zu machen, hat ein mit historischem, kartografischem und informationstechnischem Sachverstand ausgestattetes Team des Landesamtes in einem vom HMWK finanzierten Projekt über zwei Jahre lang in den hessischen Staats- und Kommunalarchiven sowie im Landesamt und in den Ämtern für Bodenmanagement die relevanten Karten recherchiert und eingescannt. Es folgte die Georeferenzierung und Vektorisierung der Karten. Die virtuelle Zusammenführung der momentan knapp 3.000 Kartenblätter erlaubt seit 3. Juni 2022 eine spannende Zeitreise in derzeit 120 hessische Städte und, wie auf dem Bild erkennbar, direkte „Vorher-Nachher-Vergleiche“. Perspektivisch sollen alle der insgesamt gut 200 heute in Hessen existierenden Stadtgemarkungen mit mindestens einer historischen Überlieferung vertreten sein.

Screenshot aus dem LAGIS-Modul Urkataster+ des Orts Liebenau
Im Modul Urkataster+ kann man verschiedene Kartenarten und Luftbilder miteinander vergleichen und übereinanderlegen: Aktuelles Luftbild und historische Katasterkarte des Orts Liebenau..

In einem Kartenmodul zur Standesamtszugehörigkeit (Direktlink) bietet LAGIS ein komfortables Hilfsmittel für alle, die sich mit den Personenstandsregistern beschäftigen. Mit der Einrichtung der Standesämter in Preußen zum 1. Oktober 1874 und im gesamten Deutschen Reich zum 1. Januar 1876 wurden zwar sehr kleinräumige Standesamtsbezirke eingerichtet – schließlich musste ein solches nach Geburt oder Sterbefall und für die Verehelichung schnell zu Fuß erreicht werden –, gerade in ländlichen Gebieten umfassten die Standesamtsbezirke jedoch oft mehrere Gemeinden. Für genealogische Forschungen muss man daher wissen, welches Standesamt für den jeweiligen Ort zuständig war. Die Standesamtsbezirke waren nicht deckungsgleich etwa mit Amtsgerichtsbezirken oder Kirchspielen, sondern bildeten eine eigene Verwaltungsgliederung, die teils mühsam in Handbüchern für die Standesämter oder Amtsblättern recherchiert und rekonstruiert werden muss.

Visualisierung der Standesamtszugehörigkeit von Goßfelden in LAGIS
Visualisierung der Standesamtszugehörigkeit von Goßfelden in LAGIS

Die Gemeinde Wehrda, heute Stadtteil Marburgs, gehörte etwa von 1874 bis 1942 zum Standesamtsbezirk Goßfelden, bevor sie erst im Jahr 1943 einen eigenen Standesamtsbezirk bildete. In der neuen Kartenanwendung in LAGIS, freigeschaltet zum Digitaltag am 24. Juni 2022, ist nun eine einfache Suche entweder durch Eingabe des Ortsnamens oder durch einen Klick auf die Karte möglich.
Katrin Marx-Jaskulski, Marburg

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