Die Großherzogliche Landesimpfanstalt zu Darmstadt

Goldene Medaille für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Lymphegewinnung

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Urkunde der Verleihung der Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris für die Großherzoglich-hessische Landesimpfanstalt in Darmstadt, 1902 (HStAD Best. G 19 B Nr. 43)
Urkunde der Verleihung der Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris für die Großherzoglich-hessische Landesimpfanstalt in Darmstadt, 1902 (HStAD Best. G 19 B Nr. 43)

„Impfstoff, Impfanstalt, Impfpflicht“ – Die Akten der ehemaligen Großherzoglichen Impfanstalt zu Darmstadt (HStAD Bestand G 19 B) sind mehr als 100 Jahre alt und doch sind die Titel und Begrifflichkeiten aktueller denn je. Zwar gab es im 18. Jahrhundert noch keine Covid-19-Pandemie, allerdings kam es häufig zu gefährlichen Pockenerkrankungen. 1799 wurden erste erfolgversprechende Gegenimpfungen in Europa verabreicht. Der Impfstoff bestand aus tierischer, später menschlicher Lymphe, die aus den Impfpusteln infizierter Tiere gewonnen wurde. Die Flüssigkeit wurde gesunden Menschen injiziert, um sie, nach kurzer Impfreaktion, immun gegen das Pockenvirus zu machen. Acht Jahre nach den ersten Impfungen mit Lymphe wurde die Pockenimpfung mit einer Verordnung des Darmstädter Großherzogs vom 6. August 1807 im Großherzogtum Hessen obligatorisch. Um die Bevölkerung unentgeltlich gegen das Pockenvirus impfen zu können, wurden drei Impfanstalten eingerichtet.

Das Gebäude der Impfanstalt in Darmstadt in den 1960er Jahren (HStAD Best. R 4 Nr. 8228)
Das Gebäude der Impfanstalt in Darmstadt in den 1960er Jahren (HStAD Best. R 4 Nr. 8228)

Die Impfanstalt Darmstadt war zunächst in der Innenstadt, in Alt-Bessungen und zuletzt in der Ploenniesstr. 13 ansässig. Der Umzug von der Bessunger Str. 7 in die Pfründnerhausstr. 13 im Jahr 1894 wurde im Jahresbericht wie folgt beschrieben:
„Das für die Impfanstalt lange ersehnte Heim ist zur Wirklichkeit geworden und wurde Anfang Mai bezogen. […] Wenn das Gebäude auch klein und niedlich ist, so dürfte es dem Zwecke, eine richtige Haltung und Fütterung der Impftiere, einbezogenes Impfen und Abimpfen derselben sowie ein zuverlässiges Herrichten des Impfstoffes zu gewähren, doch vollständig genügen.“

Anders als die heutigen Impfzentren oder Gesundheitsämter verfügte die Impfanstalt über eigene Rinder, aus denen die Lymphe gewonnen wurde. Diese wurde vor Ort gereinigt und aufbereitet, bevor sie an verschiedene Ärzte versendet wurde. Zwischen 1918 und 1937 wurden durchschnittlich 60.000- 70.000 „Impfportionen“ pro Jahr hergestellt.

Wie erfolgreich die Landesimpfanstalt Darmstadt war, zeigt eine Urkunde, die dem Staatsarchiv Darmstadt im März 2022 als Schenkung übereignet wurde:
Im Jahr 1900 wurde den Deutschen Lymphegewinnungsanstalten, darunter auch der Großherzoglich Hessischen Landesimpfanstalt zu Darmstadt, die Goldene Medaille für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Lymphegewinnung auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt. Die dazugehörige Urkunde wurde nun ins Staatsarchiv übernommen und unter der Signatur Bestand G 19 B Nr. 43 erschlossen (Direktlink zur Verzeichnung). Das Landesimpfinstitut hatte noch bis 1945 Bestand und ging dann als Unterabteilung im Medizinaluntersuchungsamt Darmstadt auf (s. Bestand H 50).
Karina Jaeger, Darmstadt

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