Ein Loblied auf die Impfung

Gedicht aus dem Jahr 1768

Impfen 1.png

Lob des Impfens und Preisgedicht auf Fürst Karl von Nassau-Saarbrücken (Druck)
Ein Lob-, Preis- und Dankgedicht auf Fürst Karl von Nassau-Saarbrücken - und die erfolgreiche Pockenimpfung.

Im Frühjahr 1768 ließ sich der erkrankte Fürst Karl Christian von Nassau-Weilburg (1735–1788) zusammen mit seiner Familie in Den Haag gegen die Pocken („Kindsblattern“) impfen. Diese Krankheit war gerade im 18. Jahrhundert sehr präsent und forderte viele Todesopfer. Bei einer Pockenepedemie in Boston im Jahr 1721 wurde zum ersten Mal mit Impfungen gearbeitet.
Wirklich systematisch angewandt wurde die Impfung zur Krankheitsbekämpfung in Deutschland in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts bzw. in Deutschland um 1800. Der Weilburger Fürst war damit durchaus einer der Vorreiter, und es ist sicherlich nicht verwunderlich, dass die Impfung in den Niederlanden, von wo seine Ehefrau herstammte, stattfand. Leider ist nicht überliefert, wer die Impfung vorgenommen hatte, dafür aber sind einige Dankschreiben und Freudenbekundungen erhalten, die von staatlicher Seite direkt gefördert wurden.

Edward Jenner impft James Phipps (Gemälde von Ernest Board)
Wie im 18. Jahrhundert gegen die Pocken geimpft wurde - oder wie man es sich später vorstellte -, zeigt dieses Gemälde von Ernest Board. Dargestellt ist Edward Jenner beim Impfen von James Phipps.

So heißt es in einem Schreiben des nassauischen Präsidenten an die Stadtschultheißen, dass diese es „ohne Entgeld und Schwürigkeit“ erlauben sollten, wenn „junge Leute nach geendigtem Gottes-Dienst auf eine anständig- und erlaubte Art lustig machen wolten“ – damit war kein Spott gemeint, sondern Volksbelustigung als Erleichterung über die erfolgte Impfung. Die erfolgreiche Behandlung des Fürsten verbreitete damit in der Bevölkerung ein positives Bild des Impfens.
Im Druck wurde sogar ein Gedicht des Pfarrers von Altenkirchen und Philippstein, Johann Conard Schmidtborn, über diesen Vorgang verbreitet (HHStAW Abt. 160 Nr. 1405).

Lob-, Preis- und Dankgedicht auf Fürst Karl von Nassau-Saarbrücken - und auf die erfolgreiche Pockenimpfung
Doppelseite des Lob-, Preis- und Dankgedichts.

Dort heißt es:
Schon stand Dein Volk, o Fürst, in tiefen Schmerzen
Versunken da, betäubt bey der Gefahr;
Schon floß die Thrän um Dich, schon trauerten die Herzen
Um Den, den eine Krankheit – o! Entsetzen“ –
Zu rauben furchtbar uns gedroht - -
Des Landes Lust und seines Volks Ergötzen –
Raubt denn auch diesen Fürst der Tod?

[...]

Nun jauchzt Dein Volk; verdoppelt kehret heute
Die Lust zurück in das verlaßne Herz,
Und der Entzückung Macht, der hohe Glanz der Freude
Verdränget schon den finstren Schmerz.
Schon eilen wir, ein Opfer dem zu bringen;
Dem, welcher unser Schicksal lenkt;
Durch Lob Ihn zu erhöh’n, Ihm Dank zu singen;
Der uns Dein Leben wiederschenkt.


Du lebst auch mir, mein Wohl mir zu vermehren;
Erhalte mein von Dir empfangnes Glück,
Und sieh mit gleicher Gnad auf die, die Dich verehren
Auf meine Brüder sieh zurück!
Groß ist die Huld, die ich von Dir genossen;
Mein Dank, so gros er ist, bleibt klein –
Doch jede Thrän, die ich um Dich vergossen,
Soll Zeuge meines Herzens sein!
Rouven Pons, Hessisches Landesarchiv

Hessen-Suche