Geburtstagsfeier für den König

Plan dokumentiert Feier für König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1801

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Plan des Geburtstagslagers für König Friedrich Wilhelm III., 1801
Plan des Geburtstagslagers für König Friedrich Wilhelm III., 1801

Die 250. Wiederkehr des Geburtstages von Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 3. August 1770 ist ein gegebener Anlass, auf die Wilhelmshöher Kriegskarten im Hessischen Staatsarchiv Marburg mit einer Darstellung seiner Geburtstagsfeier im Jahr 1801 zu verweisen. Denn in der Sammlung, die um 1700 von Landgraf Karl von Hessen-Kassel begonnen wurde und bis in das 19. Jahrhundert reicht, findet sich ein Plan mit dem Titel: „Abbildung des Lagers anlässlich des Geburtstages von König Friedrich Wilhelm III., 3. August 1801“ (HStAM WHK, Nr. WHK 39/74).

Plan des Geburtstagslagers für König Friedrich Wilhelm III., 1801, Detail
Das Zentrum des "Lust-Lagers"

Der originale Titel, der sich oben rechts in einer kleinen Kartusche des 960x610 mm großen Plans befindet, gibt weitere Auskunft: „Perspectivische Ansicht von den(!) Illuminirten Lust-Lager, welches zur Geburtstags-Feyer des Königs am 3ten August 1801 von den Herrn General-Major von Strachwitz und Obristen und Commandeur von Hagken veranstaltet worden.“ In einer hufeisenförmigen Anlage sind rechts und links symmetrisch angeordnet je elf Zelte, die im oberen Drittel zwischen sich ein quer dazu stehendes Zelt aufnehmen. Dieses ist betitelt „Feld Wacht Zelt 1ten Bat. Reg. Hessen Cassel“. Abgeschlossen wird der hufeisenförmige Halbkreis nach unten durch eine Ansammlung von Laubbäumen in vier Reihen. Bei genauere Betrachtung ist leicht auszumachen, dass die Eingänge der im Giebel verzierten Zelte mit Laub und Rosen geschmückt sind sowie an der Rückseite die Namen der Gäste tragen. Im kleinen Hain versteckt sind noch zwei weitere Zelte zu finden, wovon das rechte aufwändiger als das linke ist und Obrist-Commandeur von Hagken zugeordnet wird. Unterhalb des im oberen Bereich quer stehenden Zeltes befindet sich eine Art Ehrenhof, der wieder durch zwei bzw. drei Zelte und einen kleinen Triumphbogen gebildet wird. Das „Lust-Lager“ ist menschenleer, wohl um alle Details erfassen zu können.

Plan des Geburtstagslagers für König Friedrich Wilhelm III., 1801, Detail
Die Zelte waren mit unterschiedlich gestalteten Rosenbögen geschmückt, die offenbar nach Rangfolge abgestuft waren. Hier zu sehen sind (von oben) die Zelte für die Grafen C. vo. Knorr und C. v. Ammon sowie der Eingang des Zeltes von C. v. Czarnofsky.

Schaut man genau hin, sieht man zwischen den Bäumen kleine Girlanden mit Lampen, die zur Illumination gedient haben, so dass die Feier wohl im Dunkeln fortgesetzt werden konnte. Zudem findet sich in der Mitte des Wäldchens ein mit Planken ausgelegter Tanz- oder Fechtboden. Die mit viel Detailliebe gemalte Ansicht regt zum Spiel der Phantasie an: Wie viele Gäste fanden sich ein? Waren auch Damen anwesend, da es sich um einen eindeutig militärischen Kontext handelte? Wurde Musik gespielt? Wurden Speis und Trank gereicht?

Plan des Geburtstagslagers für König Friedrich Wilhelm III., 1801, Detail
Zwischen den Bäumen sind Laternen aufgehängt, die auch den Fechtboden beleuchten. Interessant ist die Darstellung des toten, mistelbewachsenen Baumes oben links.

Der gezeigte Plan ist eher ungewöhnlich für den Bestand, denn die 44 großformatigen Kartenbände mit circa 4.000 Karten, Plänen und Zeichnungen dokumentieren eigentlich Kriegsschauplätze in Europa und Amerika seit dem 17. Jahrhundert, beginnend mit dem Dreißigjährigen Krieg, über das 18. Jahrhundert bis hin zu den Koalitionskriegen und den Napoleonischen Kriegen. Die Koalitionskriege sind dann auch der historische Hintergrund vor dem das Geburtstagsfest Friedrich Wilhelms III. sich 1801 abspielte, zu einem Zeitpunkt, an dem sich Preußen noch neutral gegenüber Frankreich verhielt und das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation noch nicht absehbar war. Die Wilhelmshöher Kriegsakten, die auch zu Ausbildungszwecken an der Kasseler Kadettenanstalt genutzt wurden, gingen mit dem Ende des Alten Reiches zunächst in die Bibliothek und dann in das Archiv über, wo sie heute Aufschluss über Veränderung der Landschaft, Städte und Wegführungen geben und über das Archivinformationssystem Arcinsys inzwischen fast alle digital einsehbar sind.
Eva Bender, Marburg

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