Maikäferzeit

Der Frühlingsbote in der hessischen Geschichte

Peterchens Mondfahrt.png

Plakat zu "Peterchens Mondfahrt" (Ausschnitt)
Der Maikäfer Herr Sumsemann. Ausschnitt aus einem Plakat zur Aufführung von "Peterchens Mondfahrt" (HStAD Best. R 2 Nr. 3115)

Der Maikäfer ist DAS Tier, das synonym für den Monat Mai, aber auch für den beginnenden Frühling und den Aufbruch in den kommenden Sommer steht.

Heutzutage ist der Maikäfer positiv besetzt, zumal er in vielen Regionen immer seltener geworden ist und die Menschen sich meist freuen, wenn sie einen der großen Brummer in der Natur oder durch die Luft stromern sehen. Seine Larven, die Engerlinge, hingegen werden in größere Menge schon immer und bis heute als Schädlinge betrachtet. Die Käfer selbst galten aber auch in früheren Zeiten bei erhöhtem Aufkommen als Plage. Die ausgewachsenen Tiere neigen dazu, frisch ausgetriebene Blätter und Blüten von Bäumen und Sträuchern in kürzester Zeit kahl zu fressen. Auch wenn die Pflanzen in der Regel danach wieder austreiben, ist vor allem das Abfressen der Blüten, v.a. der Obstbäume eine wirtschaftliche Bedrohung gewesen. Um dieser entgegenzuwirken, gingen die Menschen in früheren Zeiten gegen die Maikäfer vor. So ist es kein Wunder, dass eine Akte mit dem Titel „Bekämpfung der Maikäfer-Plage, 1897–1928“ (HStAM 180 Marburg Nr. 2951) unter vielen ähnlichen Überschriften zu finden ist. In der Regel ist alle vier bis fünf Jahre mit einem starken Maikäferjahr zu rechnen, was sich auch in der genannten Akte nachvollziehen lässt.

Auch rund alle vier Jahre ging Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts vom Regierungspräsidenten in Kassel die Order an die Landräte, gegen die Maikäfer-Plage vorzugehen. Da zu erwarten stand, dass mit einem „starken Schwärmen der Maikäfer“ zu rechnen sei, sollten rechtzeitig effektive Maßnahmen ergriffen werden. Wie sich zeigt, war hierbei die Mithilfe der Schulkinder gefragt. Diese sollten „zur Zeit des Maikäferflugs ein Abschütteln und Absuchen der Bäume in den Stunden von 8 Uhr Morgens an, vornehmen“, wie 1903 der Bürgermeister in Josbach dem Landrat nach Kirchhain meldete. Vier Jahre später wurde die Abteilung des Regierungspräsidiums für Kirchen und Schulen ersucht „etwaigen Anträgen auf Beurlaubung der Schulkinder vom Schulbesuche während der Schwärmzeit des Maikäfers in den Vormittagsstunden – etwa von 7 bis 9 Uhr – zum Einsammeln der Käfer entgegen zu kommen.“

Bericht des Bürgermeisters von Anzefahr über Maikäfer
Bericht des Bürgermeisters von Anzefahr über die Maikäfer (HStAM Best. 180 Kirchhain Nr. 2951)

Diese Zeit hatte sich offensichtlich bei der Bekämpfung der Maikäferplage etabliert, denn sie hielt sich in den folgenden Jahren als die geläufige Sammelzeit. Auch hier wurde weiterhin auf die Mithilfe der Schulkinder zurückgegriffen. 1913 berichtete der Bürgermeister von Anzefahr an den Kirchhainer Landrat, „daß der Maikäferflug ziemlich stark war. Die Schulkinder und die jüngeren Kinder haben sich an dem Einsammeln in den Wäldern gut beteiligt, sie haben öfters Küstchen (!) voll gebracht.“ Neben den Schulkindern waren aber auch die städtischen Arbeiter am Schütteln der Bäume beteiligt, wie aus Kirchhain direkt berichtet wurde. Bürgermeister Görge aus Allendorf teilte Ende Mai 1914 dem Landrat in Kirchhain mit, dass in den wärmeren Tagen, die den Flug der Maikäfer begünstigten, die Plage durch energisches Eingreifen der Schuljugend unter Anführung des Herrn Lehrers Fickert tüchtig bekämpft worden [ist].“ Im Juni 1925 wurde der Erfolg durch einen schlichten Satz aus Langenstein nach Kirchhain kommuniziert: „An Maikäfer sind durch die Schulkinder gesammelt 345 Stück“.

Die eingesammelten Maikäfer wurden meist an Schweine oder Hühner verfüttert. Allerdings gab es noch bis in das 20. Jahrhundert auch Maikäfer-Suppe, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland. Über diese kuriose Speise hat sich in den Akten jedoch nichts erhalten.
Eva Bender, Marburg

Hessen-Suche