Das Martinsgansessen

Besondere Tradition des Staatsarchivs

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Einladung zum Gänseessen: St. Martin teilt eine Gans
Einladung zum Gänseessen: St. Martin teilt eine Gans

Leider muss es Corona-bedingt 2020 ausfallen – in anderen Jahren war es im Staatsarchiv Marburg in jedem November, um den Martinstag herum, ein Highlight: Die Rede ist vom Martinsgansessen samt zugehöriger Wanderung der Marburger Archivarinnen und Archivare. Bereits seit spätestens 1891 wird diese Tradition mit Unterbrechungen im Haus gepflegt. Organisiert wird das Gänseessen vom jeweils jüngsten Mitglied des höheren Dienstes, dem sogenannten „Gänsevogt“ bzw. der „Gänsevögtin“.

Einladung zum Gänseessen: Der hessische Löwe reißt eine Gans
Einladung zum Gänseessen: Der hessische Löwe reißt eine Gans

Heutzutage besteht der Gänsemarsch aus einer Wanderung, die bei Einbruch der Dunkelheit beginnt und nach ca. zwei Stunden in ein Restaurant der Umgebung führt, wo Gans mit Klößen, Rot- und Grünkohl angeboten wird. Zu Ende des 19. Jahrhunderts war die Wanderstrecke deutlich länger: Die gesellige Runde setzte sich in der Regel an einem Samstag um die Mittagszeit bei der Elisabethkirche mit dem Ziel Wetter in Bewegung, ca. 12 Kilometer entfernt. Gespeist wurde dort im „Deutschen Haus“. Um das Festmahl zu finanzieren, befüllten die Beteiligten das ganze Jahr über einen „Stock“ zur Kostendeckung.

Einladung zum Gänseessen: St. Bonifatius mit einer gebratenen Gans
Einladung zum Gänseessen: St. Bonifatius mit einer gebratenen Gans

Die Wanderroute von Marburg nach Wetter führt über Goßfelden, wo ab 1906 der Maler Otto Ubbelohde zu den Wanderern stieß. Otto Ubbelohde, 1867 in Marburg geboren und an der Münchner Akademie ausgebildet, ist vor allem für seine Illustrationen der Grimmschen Märchen bekannt. Er führte die von Friedrich Küch begonnene Tradition fort, das Martinsgansessen mit humorvollen Einladungskarten zu bereichern, auf denen viele Gänse, die beteiligten Archivare oder die Heiligen Martin oder Bonifatius abgebildet worden sind. So teilt auf einer Einladung Martin statt seines Mantels eine Gans mit dem Bettler, auf einer anderen schrecken die Marburger Archivare Gänse auf, auf einer anderen reißt der Hessische Löwe eine Martinsgans. Das Ziel Wetter wird in Anlehnung an eine Meriansche Stadtansicht aus verschiedenen Flaschen, Humpen, dem Braten und „Colorado Claro“-Packungen nachgebildet, was auf eine feucht-fröhliche und rauchgeschwängerte Veranstaltung schließen lässt…

Einladung zum Gänseessen: Stadtansicht von Wetter
Einladung zum Gänseessen: Stadtansicht von Wetter

Eine Zusammenstellung der Einladungskarten als Postkarten, begleitet von einer Einführung in das Martinsgansessen, ist für 6,- Euro an der Pforte des Staatsarchivs Marburg erhältlich.
Katrin Marx-Jaskulski, Marburg

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