Mixed Pixels - Digitalisiertes Archivgut online

Wie alles begann...

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Katzenköpfe im Codex Eberhardi, HStAM K 425 fol. 146r

Wegen eines notwendig gewordenen Server-Umzugs konnten im Oktober leider keine neuen Digitalisate in Arcinsys verfügbar gemacht werden. Allerdings ergibt sich so in diesem Monat eine gute Gelegenheit, auf die Anfänge der Digitalisierung im HLA zurückzuschauen.

Alle drei Standorte des Landesarchivs begannen bereits in den frühen 2000er Jahren mit der Herstellung von Archivgut-Reproduktionen. Erste Projekte zur Digitalisierung ganzer Bestände wurden im Staatsarchiv Marburg umgesetzt. Die dortige Arbeitsstelle Archivpädagogik realisierte ab 2005 die vollständige Digitalisierung der Wilhelmhöher Kriegskarten (HStAM Best. WHK). Die fast 3000 Karten, Pläne und Zeichnungen der von Landgraf Karl von Hessen-Kassel angelegten Sammlung zeigen Kriegsschauplätze des 16. bis 19. Jahrhunderts. Ein Highlight sind die Karten zum Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, da sie die Mitwirkung hessischer Truppen an den Kriegshandlungen dokumentieren. Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel hatte im Jahr 1776 seinem Schwager König Georg III. von Großbritannien etwa 12.000 hessische Soldaten vermietet, die in Amerika eingesetzt wurden. Dieser von Zeitgenossen massiv kritisierte „Soldatenhandel“ ist bis heute ein populäres Thema der hessischen Geschichte – sicherlich auch deshalb zählen die Kriegskarten zu den am häufigsten genutzten Digitalisaten des Hessischen Landesarchivs.

HStAM Best. WHK Nr. 28/15b: Lager der Hessen auf Long Island
Eine der Wilhelmshöher Kriegskarten: Lager der hessischen Truppen vom 15.-31. August 1776 auf Long-Island und Staten-Island (HStAM Best. WHK Nr. 28/15b)

In den Jahren 2008–2010 wurde im Rahmen eines DFG-finanzierten Projekts der Urkundenbestand des Stiftsarchivs Fulda (HStAM Best. Urk. 75) erschlossen und vollständig digitalisiert. Die Urkunden der Mitte des 8. Jahrhunderts gegründeten Reichsabtei Fulda bilden einen der bedeutendsten Bestände für die Mittelalterforschung und die Erforschung der Geschichte Hessens. Unter den beinahe 2500 Urkunden finden sich allein knapp 500 Kaiser- und Papsturkunden. Herausragend ist eine Urkunde, in der König Pippin dem Kloster Fulda eine Villa im Riesgau bei Nördlingen schenkt. Sie datiert aus dem Juni 760 und gilt als die älteste erhaltene Königsurkunde im deutschsprachigen Raum (Urk. 75 Nr. 4). Durch die Digitalisierung steht die wertvolle Pergamenturkunde der Forschung jederzeit zur Verfügung und bleibt gleichzeitig sicher verwahrt und vor Schäden geschützt.

Älteste erhaltene Königsurkunde im deutschsprachigen Raum von 760
Die vermutlich älteste erhaltene Königsurkunde im deutschsprachigen Raum vom Juni 760 (HStAM Best. Urk. 75 Nr. 4)

Neben ganzen Beständen bemühte sich das Staatsarchiv Marburg auch früh um die Digitalisierung bedeutsamer Einzelstücke, 2008 wurden beide Bände des berühmten Codex Eberhardi aus dem 12. Jahrhundert digital reproduziert (HStAM Best. K Nr. 425 und Nr. 426). Das Kopiar enthält Urkundenabschriften, in denen die Güter und Einkünfte des Klosters Fulda dokumentiert sind, darunter finden sich zahlreiche Ersterwähnungen hessischer Ortschaften. Die Reproduktionen werden daher auch intern gerne für Recherchen genutzt. Durch die Digitalisierung konnte neben dem Inhalt aber vor allem auch der reiche Buchschmuck zugänglich gemacht werden.

Hausschuhe als Buchverzierung im Codex Eberhardi
Die linke "Säule" mochte es lieber warm: Dicke Hausschuhe als Bildverzierung im Codex Eberhardi (HStAM Best. Urk. 75 Nr. 425)

Die Seiten des Codex sind nicht nur mit Papst- und Königsdarstellungen verziert, sondern zeigen auch unterhaltsame Details wie grinsende Katzenköpfe (Nr. 425, fol. 146r = Digitalisat Nr. 292) oder wärmende Hausschuhe an den Füßen älterer Herren (Nr. 425, fol. 156v = Digitalisat Nr. 313). Einfach mal durchblättern!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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