Mixed Pixels – Digitalisiertes Archivgut online

Digitale Weihnachten

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Einbringen des Julklotzes zur Zeit König Heinrich VIII (Gemälde)
Einbringen des Julklotzes zur Zeit König Heinrich VIII (nach einem Gemälde; HStAD, Best. R 4 Nr. 38696 GF)

Die Dezember-Ausgabe der Mixed Pixels präsentiert zur Einstimmung auf die Adventszeit eine Auswahl an weihnachtlichen Fundstücken aus den digitalisierten Schätzen des Landesarchivs – so kann das vielbeschworene digitale Weihnachten des Jahres 2020 kommen!
Ein alljährlicher Vorbote für das nahende Weihnachtsfest ist das Lichtermeer der geschmückten Innenstädte während der Adventswochen. Die geschäftige Stimmung dieser Zeit ist auf einigen Bildern aus dem Nachlass des freiberuflichen Wiesbadener Pressefotografen Ludwig Herbst eingefangen. Sie entstanden um das Jahr 1960 und zeigen die weihnachtlich dekorierte Kirchgasse in Wiesbaden mit zahlreichen Besuchern beim Weihnachtsshopping (HHStAW, 3008/47 Nr. 5564).

Fußgängerzone in Wiesbaden in der Weihnachtszeit, um 1960
Fußgängerzone in Wiesbaden in der Weihnachtszeit, um 1960

Im Gegensatz dazu waren die Weihnachtstage während der Weltkriege eine besonders herausfordernde Zeit, wenn die Soldaten die Festtage fernab ihrer Familien an der Front verbringen mussten. Feldpostkarten waren das wichtigste Kommunikationsmittel und wurden gerade in der Weihnachtszeit in großen Zahlen versendet. Ein Beispiel aus den Darmstädter Beständen zeigt die plakative und aus heutiger Sicht widersprüchliche Verbindung von Kriegspathos und Weihnachtsstimmung (HStAD, O 3 Nr. 54/5).

Kriegs-Weihnachtskarte, 1917
Was während des Ersten Weltkriegs gebräuchlich war, wirkt heutzutage mehr als befremdlich: Kriegerische Weihnachtskarte aus dem Jahr 1917

Weihnachtsgrüße sind auch in anderen, weniger persönlichen Zusammenhängen überliefert, zum Beispiel in Korrespondenzen zwischen der päpstlichen Kurie und hohen geistlichen Würdenträgern. Unter den Urkunden der Reichsabtei Fulda finden sich insgesamt 18 päpstliche Schreiben an den jeweiligen Abt von Fulda mit Danksagungen für die an den Papst übersandten Weihnachtsgrüße (z.B. HStAM, Urk. 75 Nr. 2277). Sie datieren allesamt in die Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Fürstabtei Fulda in den Rang eines Bistums und der Abt damit zum Bischof erhoben wurde.

Fuldaer Papsturkunde aus dem Jahr 1746
Fuldaer Papsturkunde aus dem Jahr 1746

Das Sinnbild für die Weihnachtszeit schlechthin ist heute der Weihnachtsbaum, dessen Verbreitung in Großbritannien im 19. Jahrhundert auf die deutschen Vorfahren von Queen Victoria zurückgeht. Dank der familiären Verbindung des Hauses Hessen-Darmstadt zum Haus Windsor – Victorias Tochter Alice war mit Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein verheiratet – finden sich im Staatsarchiv Darmstadt frühe Zeugnisse dieser bis heute im Schloss Windsor gepflegten Weihnachtsbaumtradition. Einige Fotos in einem von Alice für Ludwig angefertigten Album zeigen neben den geschmückten Bäumen auch die Gabentische mit den „royalen“ Weihnachtsgeschenken (HStAD, D 27 A Nr. 37/1).

Weihnachtsbaum und Geschenketisch auf Schloss Windsor, 1859
Etwas dünn, aber dafür reich geschmückt: Künstlicher Weihnachtsbaum aus echten Zweigen und Geschenketisch auf Schloss Windsor, 1859

Im 16. Jahrhundert waren in Schloss Windsor noch andere Bräuche vorherrschend. Zentral war dabei der Yule Log, ein geschmückter Baumstamm, der an Weihnachten in den Kamin gelegt wurde und über die gesamte zwölftägige Weihnachtszeit bis zum 6. Januar langsam herunterbrannte. Ein großes Ereignis war dabei das „Hereinbringen“ des Stamms (Bringing in the yule log), der häufig auch von Pferden gezogen wurde. Eine besonders kreative Darstellung dieser Tradition durch den Maler John Gilbert war 1862 einer Londoner Zeitung beigegeben: Hier reitet König Heinrich VIII. einen Yule Log nach Windsor Castle (HStAD, R 4 Nr. 38696 GF).
In diesem Sinne: Fröhliche digitale Weihnachten!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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