Mixed Pixels – Digitalisiertes Archivgut online

Neue Pixel zum Neuen Jahr

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Außenansicht der Schlosskapelle in Weilburg
Außenansicht der Schlosskapelle in Weilburg (HHStAW Best. 3011/1 Nr. 3169 H)

Unter dem Stichwort „Neujahr“ finden sich in den digitalisierten Beständen des HLA zahlreiche Archivalien, die interessante Einblicke in historische Traditionen zum Jahreswechsel erlauben. Beispielsweise ist im Staatsarchiv Marburg eine aufschlussreiche Korrespondenz der Söhne des Landgrafen Philipps des Großmütigen aus dem Jahr 1558 überliefert: In einem eigenhändigen lateinischen Brief bittet der elfjährige Georg (ab 1567 als Georg I. Landgraf von Hessen-Darmstadt) seinen großen Bruder Wilhelm (ab 1567 als Wilhelm IV. Landgraf von Hessen-Kassel), ihm ein Neujahrsgeschenk zukommen zu lassen. Heinz von Lüder, der als Bediensteter des Landgrafen den Brief übermittelt, schlägt als Geschenk zum Jahreswechsel Einbecker Bier vor (HStAM Best. 3 Nr. 56 a).

Georg Landgraf von Hessen bittet seinen Bruder Wilhelm IV. Landgraf von Hessen-Kassel um ein Neujahrsgeschenk (HStAM Best. 3 Nr. 56 a)
Bitte um ein Neujahrsgeschenk - auf Latein.

Das in diesem Jahr verhängte Böllerverbot hat ebenfalls historische Vorbilder. Der Brauch des Neujahrsschießens wurde bereits im 18. Jahrhundert wiederholt untersagt, wenn auch aus anderen Gründen: In den Darmstädter Beständen ist eine verschärfte Verordnung Landgraf Ludwigs IX. von Hessen-Darmstadt aus dem Jahr 1775 erhalten, in der unter Berufung auf mehrere frühere Erlasse die „böse Gewohnheit des schädlichen Neu-Jahr-Anschießens“ verboten wird, da die Erfahrung lehrt, dass dadurch immer wieder Personen verunglücken oder sogar „zur Entzünd- und Einäscherung Häuser, Dörfer und Städt Anlaß gegeben worden“ (HStAD Best. R 1 A Nr. 44/12).

Verordnung gegen das Neujahrs-Anschießen (HStAD R 1 A Nr. 44-12, Auszug)
Argmunente gegen die "Knallerei" an Silvester: "...besonders auch die böse Gewohnheit des schädlichen Neu-Jahrs-Anschiesens noch immer in einer leidigen Ausübung erhalten werden wolle, woraus dann (...) öfters die größte Unglücks-Fälle entstanden..."

Pünktlich zum Jahreswechsel werden seit Mitte Dezember nach erfolgreichem Abschluss des Server-Umzugs auch wieder neue Digitalisate in Arcinsys verfügbar gemacht, besonders für die Wiesbadener Beständen können Zugänge vermeldet werden. Die Abteilungen 405 Regierungspräsidium Wiesbaden und 461 Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden um neue Digitalisate ergänzt, für die Kartenabteilung des Hauptstaatsarchivs (Best. 3011/1) ist ein Zuwachs von mehr als 750 Stücken zu verzeichnen. Der Bestand 340 Grafschaft Sayn-Hachenburg war bereits in Teilen online einsehbar, nun wurden die Digitalisate zu mehr als 1200 Akten ergänzt. Die Überlieferung der Grafschaft reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück und umfasst Urkunden und Akten zu Haus- und Familiensachen, Erbfolgestreitigkeiten, auswärtigen Beziehungen und Verwaltungsangelegenheiten.

Fragment einer Tristan-Handschrift
Fragment einer Tristan-Handschrift

Als besonderes Highlight ist ein seit kurzem in Arcinsys verfügbares Einzelstück zu nennen, das Teil des Wiesbadener Sammlung von Fragmenten mittelalterlicher Pergamenthandschriften ist (HHStAW Best. 1105 Nr. 42). Es handelt sich um ein etwa 7 x 9 cm großes Fragment einer Handschrift des „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg. Das Pergamentstück ist der einzige bekannte Überrest der Handschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und wurde von einem Band Herborner Gemeinderechnungen aus dem Jahr 1588 abgelöst, wo es als Teil des Einbandes wiederverwendet worden war – ein typischer Archivfund!
Auch im kommenden Jahr wird das Sachgebiet Digitalisierung in großem Umfang neue Digitalisate zur Verfügung stellen und weiterhin regelmäßig über aktuelle Digitalisierungsprojekte und besondere Fundstücke informieren.
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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