Mixed Pixels – Digitalisiertes Archivgut online

Architektur im Netz

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Plan eines eisernen Dachstuhls für das Marburger Schloss
Plan eines eisernen Dachstuhls für das Marburger Schloss (HStAM Best. Karten P II 21197)

In den letzten Monaten war unter der Vielzahl der online bereitgestellten Digitalisate des HLA eine spezielle Kategorie aus dem Bereich Karten und Pläne besonders präsent, nämlich Architekturzeichnungen und Baupläne. Sie bilden eine für die Kunst- und Kulturwissenschaften wie auch für die Orts- und Heimatforschung bedeutsame Quellengattung. Durch ihre Onlinestellung wird der Zugang zu den auch optisch sehr eindrucksvollen Zeichnungen nun erheblich erleichtert.

Entwurf eines Urkundenschranks für das Staatsarchiv Marburg, 1880
Entwurf eines Urkundenschranks für das Staatsarchiv Marburg, 1880 (HStAM Best. Karten P II 21203)

Im Staatsarchiv Marburg wurden im Rahmen eines von der DFG geförderten Kooperationsprojekts mit dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg (DDK) zwischen 2016 und 2020 mehr als 9000 Architekturzeichnungen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert aus verschiedenen Marburger Beständen digitalisiert, erschlossen und als virtueller Bestand zusammengefasst. In dem Inventar im Archivinformationssystem Arcinsys finden sich Grundrisse, Gebäudeansichten und Baupläne aus Hessen und dem gesamten europäischen Raum, die von herrschaftlichen Schlössern über Schulen und technische Anlagen bis zu Brücken und Mühlen zahlreiche architekturhistorisch wertvolle Bauwerke dokumentieren. Enthalten sind auch kuriose Stücke, wie der Entwurf eines Urkundenschranks für das Staatsarchiv Marburg aus dem Jahr 1880, das zu dieser Zeit als Königlich-Preußisches Staatsarchiv noch im Marburger Landgrafenschloss untergebracht war (HStAM, Best. Architekturzeichnungen Nr. 20945580).

Ansicht des geplanten Neubaus des Schlosses zu Darmstadt, 1738
Ansicht des geplanten Neubaus des Schlosses zu Darmstadt, 1738 (HStAD Best. P 11 Nr. 138)

Auch das Staatsarchiv Darmstadt verfügt über eine umfangreiche Überlieferung an Architekturzeichnungen. Der Bestand P 11 Baupläne und Risse umfasste Pläne und Zeichnungen aus der Zeit des 17. bis 20. Jahrhunderts, darunter vor allem Baupläne aus der Überlieferung der Oberbaudirektion und den Bauämtern, mit Darstellungen von staatlichen und auch privaten Bauwerken und Architekturdetails. Der Bestand wurde in den letzten Monaten um zahlreiche Digitalisate ergänzt - mittlerweile können mehr als 7000 Pläne in Arcinsys eingesehen werden. Auch der Bestand R 4 Bildersammlung enthält vielfältige Architekturzeichnungen und auch -fotografien, unter anderem zu Ausstellungen der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe (z.B. HStAD, Best. R 4 Nr. 951).

Plan der Festung Lille, 18. Jahrhundert
Plan der Festung Lille, 18. Jahrhundert (HHStAW Best. 3011/1 Nr. 2959 H)

Die allgemeine Kartenabteilung im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Best. 3011/1), die seit 2020 nach und nach in digitalisierter Form bereitgestellt wird, enthält ebenfalls zahlreiche Baupläne und Zeichnungen von Gebäuden und Baudetails. In den Bestand integriert sind unter anderem Entwürfe von Christian Zais, der als Architekt und Bauinspektor die Stadtentwicklung Wiesbadens entscheidend prägte, und von seinem Sohn Eduard, der ebenfalls als Architekt im nassauischen Bereich tätig war und vor allem für seine Kirchenbauten bekannt ist. Auch Pläne verschiedener Kasernen und Fortifikationen sind Teil des Bestandes, zum Beispiel ein Plan der Festung Lille aus dem 18. Jahrhundert (HHStAW, Best. 3011/1 Nr. 2959 H).

Entwürfe von Wetterfahnen für Burg Ludwigstein
Entwürfe von Wetterfahnen für Burg Ludwigstein (AdJb Best. Ü 2 Nr. 6)

Vor Kurzem konnte außerdem der Bestand Ü 2 des Archivs der deutschen Jugendbewegung mit Bauplänen für die Burg Ludwigstein vollständig digitalisiert und online bereitgestellt werden. Neben zahlreichen technischen Zeichnungen und Gebäudeansichten finden sich interessante Details wie Entwürfe für Wetterfahnen (AdJb, Best. Ü 2 Nr. 6). Für die Erforschung der (Bau-)Geschichte der Jugendburg dürfte der Bestand von großem Interesse sein, außerdem ermöglicht er, wie alle Architekturzeichnungen, einen besonders anschaulichen und greifbaren Zugang zu historischen Ereignissen und Entwicklungen. Eine Sightseeing-Tour durch die Bestände lohnt sich!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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