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Kunstwerke im Archiv – Illuminierte Urkunden und Handschriften online

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Ablass für die Katharinenkapelle in der Neuen Burg zu Fulda, 1353
Ablass für die Katharinenkapelle in der Neuen Burg zu Fulda, 1353 (HStAM Best. Urk. 78 Nr. 12)

Urkunden gelten grundsätzlich als besonders attraktive und eindrucksvolle Archivalien. Pergament, Siegel und Urkundenschrift erzeugen eine erhabene Aura, zusätzlich zählen sie auch aus historischer Sicht zu den wichtigsten schriftlichen Quellen. Unter den insgesamt mehr als 240.000 Urkunden des Hessischen Landesarchivs finden sich allerdings einige besondere Schmuckstücke, die durch ihre aufwändigen Illuminationen beeindrucken. Der Terminus „illuminiert“ stammt aus der Kunstgeschichte und beschreibt generell Schriftstücke mit künstlerischem Dekor, im engeren Sinne bezeichnen Illuminationen besonders prächtige und vor allem farbige Verzierungen sowie figürliche und historisierte Darstellungen, die Bezug auf den Inhalt der Urkunde nehmen. Illuminierte Urkunden wurden seit dem Frühmittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts produziert, allerdings wurden insgesamt wohl weniger als 0,1% aller Urkunden derart prunkvoll ausgestattet.

Besonders häufig illuminiert wurden Sammelindulgenzen, in denen mehrere hohe geistliche Würdenträger für den Besuch oder die monetäre Unterstützung einer bestimmten kirchlichen Einrichtung gemeinsam einen Ablass gewährten. So verliehen ein Erzbischof und zwölf Bischöfe der Katharinenkapelle in der Neuen Burg zu Fulda im Jahr 1353 einen Ablass (HStAM, Best. Urk. 78 Nr. 12). Die Urkunde ist reich verziert und zeigt in der Initiale in Übereinstimmung mit dem Inhalt einen als Stifter dargestellten Mönch, der vor der Muttergottes mit Kind und der heiligen Katharina kniet. Auch Kardinäle stellten Sammelindulgenzen aus, wie etwa für die Kirche zu Altheim (Ortsteil von Münster, Hessen) im Jahr 1510 geschehen (HStAD, Best. A 1 Nr. 4/17). Neben bunten Blumenranken ist die Urkunde auch mit dem Wappen des amtierenden Papstes Julius II. und, dem Patrozinium der Kirche entsprechend, einer Darstellung des geköpften heiligen Dionysius verziert.

Sammelindulgenz für die Kirche zu Altheim in Münster (Hessen)
Sammelindulgenz für die Kirche zu Altheim in Münster (Hessen), 1510 (HStAD Best. A 1 Nr. 4/17)

Typischerweise zählen auch Wappen- und Adelsbriefe zu den illuminierten Urkunden, denn in vielen Fällen sind die darin verliehenen oder bestätigten Wappen als farbige Illustrationen wiedergegeben. Die in prächtigem Samteinband mit preußischem Adler ausgefertigte Urkunde, mit der König Wilhelm I. von Preußen 1887 die Mitglieder des alten hessischen Adelsgeschlechts Schenck zu Schweinsberg in den Freiherrenstand erhob, enthält beispielsweise eine ganzseitige Zeichnung des Schenckischen Wappens (HStAM, Best. Urk. 134 Nr. 438).

Erhebung der Schenck zu Schweinsberg in den Freiherrenstand, 1887
Erhebung der Schenck zu Schweinsberg in den Freiherrenstand, 1887 (HStAM Best. Urk. 134 Nr. 438)

Aufwändig verziert wurden besonders ab dem 17. Jahrhundert auch Urkunden, die anlässlich der Aufnahme von kirchlichen Einrichtungen oder auch Einzelpersonen in die Gemeinschaft der guten Werke eines Ordens ausgefertigt wurden. Häufig handelt es sich dabei um auf Pergament oder Papier vorgedruckte Formulare, die händisch mit bunten Bordüren, Blumenranken oder auch Darstellungen der jeweiligen Ordensheiligen versehen wurden (HHStAW, Best. 128/1 Nr. 726).

Filiationsbrief des Generalpriors des Augustinerordens für Fürstbischof Johann Philipp von Würzburg.
Filiationsbrief des Generalpriors des Augustinerordens für Fürstbischof Johann Philipp von Würzburg, 1706 (HHStAW Abt. 128/1 Nr. 726)

Allerdings wurden nicht nur Urkunden mit solchen Darstellungen geschmückt. Ähnliche Verzierungen finden sich auch in Handschriften, und zwar besonders häufig in Kopialbüchern, die Sammlungen von Urkundenabschriften enthalten. Ein solcher Kodex des Mainzer Klosters St. Jakobsberg, der in den Jahren 1114–1480 angelegt wurde, zeigt auf der Titelseite eine Miniatur des Klosters samt Umgebung, ein Medaillon mit einer Mariendarstellung sowie diverse Bilder von Mönchen, Tieren und Pflanzen in den reich mit Blumenranken versehenen Randleisten (HStAD, Best. C 1 A Nr. 95).

Kodex des Klosters St. Jakobsberg, 1114-1480
Kodex des Klosters St. Jakobsberg, 1114-1480 (HStAD Best. C 1 A Nr. 95)

Illuminierte Urkunden und Handschriften sind authentische und geschichtsträchtige Kunstwerke. Sie werden daher im Hessischen Landesarchiv konsequent digitalisiert und online präsentiert. So steht einem Streifzug durch die Kunst der Buchmalerei nichts im Wege!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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