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Goldschätze des HLA

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Vertrag über die Vermählung von Prinz Heinrich von Preußen mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein
Vertrag über die Vermählung von Prinz Heinrich von Preußen mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein (HStAD Best. B 1 Nr. 530)

Der berühmte „Goldene Herbst“ hat in diesem Jahr auf sich warten lassen. Das Herbstwetter hat sich häufig von seiner trüben und stürmischen Seite gezeigt, nur stellenweise konnten wir einen „Goldenen Oktober“ genießen. Ersatzweise vergolden wir daher die letzten Wochen des Herbstes mit einem Blick auf einige Urkunden aus den Beständen des HLA, die zur Hervorhebung ihres bedeutsamen Inhalts mit goldenen Akzenten versehen wurden.

Verleihung eines Siegels an das Hospital Fulda, 1581
Verleihung eines Siegels an das Hospital Fulda, 1581 (HStAM Best. Urk. 78 Nr. 55)

Eine Möglichkeit des „Vergoldens“ bestand darin, farbige Zeichnungen durch goldene Elemente zusätzlich zu verzieren. Auf der Urkunde zur Verleihung eines Siegels an das Hospital Fulda aus dem Jahr 1581 wurde etwa die Darstellung des Siegels, das den Heiligen Veit im Kessel mit siedendem Öl und den Heiligen Johannes den Täufer zeigt, mit einem Blattgoldrahmen eingefasst (HStAM Best. Urk. 78 Nr. 55). Die Verwendung von goldener Tinte, die gewöhnlich aus einer Mischung von Goldpulver und Klebstoff hergestellt wurde, war bereits seit der Antike üblich. In dem Filiationsbrief des Karmeliterordens für Bischof Johann Philipp von Würzburg von 1702 wurde beispielsweise in großem Umfang Goldtinte genutzt, sowohl für die Textschrift als auch für den Zierrahmen der Urkunde (HHStAW Best. 128/1 Nr. 1240). Das Kunsthandwerk des Schreibens und Malens mit Goldtinte sowie des Verzierens von Handschriften mit Blattgold wird übrigens als Chrysographie bezeichnet.

Filiationsbrief des Karmeliterordens für Bischof Johann Philipp von Würzburg, 1702
Filiationsbrief des Karmeliterordens für Bischof Johann Philipp von Würzburg, 1702 (HHStAW Best. 128/1 Nr. 1240)

Bei Libellen, also in Buchform gebundenen Urkunden, wurde häufig auch der Einband mit goldfarbenem Schmuck ausgestattet. In dem 1888 geschlossenen Vertrag über die Vermählung von Prinz Heinrich von Preußen mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein sind zum Beispiel nicht nur die Namen der Aussteller mit goldenen Buchstaben und Schmuckelementen hervorgehoben (siehe erstes Bild), zusätzlich ist auch der Samteinband aufwändig goldgeprägt. Außerdem sind zwei der silbernen Siegelkapseln mit vergoldeten Wappen verziert (HStAD Best. B1 Nr. 530).

Vertrag über die Vermählung von Prinz Heinrich von Preußen mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein, Samteinband, 1888
Samteinband des Vertrags über die Vermählung von Prinz Heinrich von Preußen mit Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein, 1888 (HStAD Best. B 1 Nr. 530)

Bei der Besiegelung der Urkunden wurden mitunter sogar noch umfangreichere goldfarbene Akzente gesetzt. Gebräuchlich war die Verwendung von goldenen Schnüren zur Anbringung des Siegels, außerdem kamen zum Schutz der empfindlichen Wachssiegel vor allem bei Königs- und Kaiserurkunden vergoldete Siegelkapseln zum Einsatz (HHStAW Best. 128/1 Nr. 1318).

Vergoldete Siegelkapsel für das kaiserliche Siegel an der Bestätigung des Familienfideikomisses der Freiherren von Greiffenclau zu Vollrads durch Kaiser Karl VI., 1719
Vergoldete Siegelkapsel für das kaiserliche Siegel an der Bestätigung des Familienfideikomisses der Freiherren von Greiffenclau zu Vollrads durch Kaiser Karl VI., 1719 (HHStAW Best. 128/1 Nr. 1318)

In seltenen Fällen ist schließlich sogar das Siegel selbst aus Gold. So wurden neben der berühmten Goldenen Bulle auch andere Urkunden Karls IV. mit seiner goldenen Kaiserbulle besiegelt, darunter die Urkunde zur Erhebung des Grafen Johann von Nassau-Weilburg in den Fürstenstand aus dem Jahr 1366 (Urkunde: HHStAW Best. 130 II Nr. U 5 a/b; Bild des Siegels: HStAD Best. R4 Nr. 19607/1-12A). Diese Goldbullen bestehen allerdings nicht aus massivem Gold, sondern aus zwei dünnen Goldblechen, die wie eine Blechbüchse ineinandergesteckt sind und durch die Siegelschnur zusammengehalten werden. Die prächtige und vor allem glanzvolle Wirkung der Goldbulle wird dadurch freilich nicht gemindert.

Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. an der Urkunde zur Erhebung des Grafen Johann von Nassau-Weilburg in den Fürstenstand, 1366
Goldenen Bulle Kaiser Karls IV. an der Urkunde zur Erhebung des Grafen Johann von Nassau-Weilburg in den Fürstenstand, 1366 (Abbildung: HStAD Best. R 4 Nr. 19607/1-12A)

Manche Archivalien zeichnen sich eben nicht nur durch ihren historischen Wert, sondern zusätzlich durch ihre edle und vor allem auch edelmetallene Ausstattung aus. Eine digitale Schatzsuche in den Beständen des HLA kann daher jederzeit und ganz ohne Metalldetektor und Klappspaten beginnen!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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