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Weihnachtstraditionen zwischen (vor)gestern und heute

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Weihnachtsbaum vor dem Rathaus in Michelstadt, 1928 (HStAD Best. O 3 Nr. 335/19)
Weihnachtsbaum vor dem Rathaus in Michelstadt, 1928 (HStAD Best. O 3 Nr. 335/19)

In der Advents- und Weihnachtszeit haben Traditionen Hochkonjunktur. Das beweisen zahlreiche Fotos aus den Beständen des Hessischen Landesarchiv, die illustrieren, wie die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Weihnachten feierten. Die Bilder zeigen Bräuche, die bis ins Mittelalter oder die Frühe Neuzeit zurückverfolgt werden können, teilweise aber auch bis heute gepflegt werden.
Weihnachtsbäume, die seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar sind, wurden lange als Weihnachtssymbol des Protestantismus betrachtet, bevor sie sich im 19. Jahrhundert konfessionsübergreifend als fester Bestandteil des Weihnachtsfestes etablierten. Im 18. Jahrhundert wurde die Weihnachtsbaumbeleuchtung üblich, seit dem frühen 20. Jahrhundert kamen elektrische Lichterketten auf. Seither schmücken illuminierte Bäume auch hessische Marktplätze, wie ein im Advent 1928 in Michelstadt aufgenommenes Foto dokumentiert (HStAD Best. O 3 Nr. 335/19).

Weihnachtskrippe in der Kirche der Justizvollzugsanstalt Butzbach, um 1920 (HStAD Best. R 4 Nr. 38056)
Weihnachtskrippe in der Kirche der Justizvollzugsanstalt Butzbach, um 1920 (HStAD Best. R 4 Nr. 38056)

Als Charakteristikum der katholischen Weihnacht galten dagegen die Weihnachtskrippen, die sich seit dem 16. Jahrhundert in ganz Europa verbreiteten. Zunächst beschränkten sich die figürlichen Darstellungen auf Maria, Josef und das Jesuskind sowie Ochs und Esel, erst im 19. Jahrhundert kamen die Heiligen Drei Könige, die Hirten und der Verkündigungsengel hinzu. Ein solches Ensemble ist auch auf dem um 1920 entstandenen Bild einer Krippe in der Kirche der Justizvollzugsanstalt Butzbach zu sehen (HStAD Best. R 4 Nr. 38056).

"Bunte Teller" mit Weihnachtsgebäck auf der Weihnachtsfeier des Gartenbauvereins Steglitz, 1933 (AdJb Best. F 1 Nr. 689/002)
"Bunte Teller" mit Weihnachtsgebäck auf der Weihnachtsfeier des Gartenbauvereins Steglitz, 1933 (AdJb Best. F 1 Nr. 689/002)

Im Rahmen einer Weihnachtsfeier des Gartenbauvereins Steglitz im Jahr 1933 wurden Gabenteller fotografiert, die u.a. reich mit Christstollen und Lebkuchen bestückt sind (AdJb Best. F 1 Nr. 689/002). Beide Gebäcke waren im Mittelalter als Fastenspeisen bekannt. Stollen wurden aus Wasser, Mehl und Öl hergestellt, bevor sie seit dem 15. Jahrhundert mit Butter und Milch, Gewürzen, Rosinen u.a. angereichert wurden. Die wichtigsten Zutaten für Lebkuchen waren Honig und importierte Gewürze wie Kardamom oder Zimt, weshalb sich gerade an wichtigen Handelsknotenpunkten gelegene Städte zu Zentren der Lebkuchenproduktion entwickelten.

Christkind auf einem Weihnachtsumzug im Odenwald, 1944 (HStAD Best. R 4 Nr. 30003)
Letzte Vorbereitungen: Christkind auf einem Weihnachtsumzug im Odenwald, 1944 (HStAD Best. R 4 Nr. 30003)

Als Überbringer weihnachtlicher Gaben gilt seit einigen Jahrzehnten der Weihnachtsmann. Bis ins 15. Jahrhundert wurden aber alle Kinder vom Heiligen Nikolaus beschenkt, der dann während der Reformation zunächst in den protestantischen Gebieten durch das Christkind verdrängt wurde. Erst nach und nach entwickelte sich die bis heute geläufige Erscheinung des Christkinds mit weißem Kleid und Gesichtsschleier, die auf einem im Rahmen eines Weihnachtsumzugs 1944 im Odenwald aufgenommenen Foto zu sehen ist (HStAD Best. R 4 Nr. 30003).

Spielzeugstand auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, 1930 (AdJb Best. F 1 Nr. 403/025)
Spielzeugstand auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin, 1930 (AdJb Best. F 1 Nr. 403/025)

Ebenfalls bereits im Mittelalter entstanden Weihnachtsmärkte, auf denen Händler und Handwerker ihre Produkte anboten, damit sich die Menschen für die kalte Jahreszeit mit Nahrungsmitteln, Gebrauchsgegenständen und auch Spielzeug eindecken konnten. Auch nach ihrer Entwicklung von Handels- zu Vergnügungsmärkten im Laufe des 17. Jahrhunderts blieben die Weihnachtsmärkte natürlich eine gute Anlaufstelle zum Erwerb von Weihnachtsgeschenken, wie ein im Jahr 1930 an einem Spielzeugstand in Berlin entstandenes Bild belegt (AdJb Best. F 1 Nr. 403/025).

Mit diesen stimmungsvollen Fotos wünscht das Sachgebiet Digitalisierung allen Leserinnen und Lesern des Newsletters geruhsame Adventstage und frohe Weihnachten!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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