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Hochzeitsfieber

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Foto der Hochzeit von Prinz Heinrich von Preußen und Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein in Charlottenburg, 1888
Hochzeit von Prinz Heinrich von Preußen und Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein in Charlottenburg, 1888 (HStAD Best. R 4 Nr. 14085)

Schnapszahl-Daten sollen Glück bringen und sind einprägsam, als Trauungstermine sind sie daher ausgesprochen beliebt. Der kommende Februar bietet mit dem 2.2. und dem 22.2.2022 gleich zwei dieser besonderen Tage, an denen sich viele Paare das Ja-Wort geben werden. Die zahlreichen digitalisierten Fotos und Unterlagen des HLA zu adligen Eheschließungen in mehreren Jahrhunderten eignen sich bestens zur Einstimmung auf die anstehende Hochzeitssaison.
Vor den eigentlichen Hochzeitsfeierlichkeiten standen seit dem Mittelalter gewöhnlich Absprachen zu rechtlichen Aspekten der künftigen Verbindung an. Eheverträge oder Eheberedungen dienten der Absicherung von Besitz und Erbe beider Partner sowie deren Familien, weshalb sie häufig von zahlreichen Familienmitgliedern und Zeugen besiegelt wurden (HStAM Best. Urk. 135 Nr. 75). Im Marburger Bestand Urk. 50, der seit Kurzem vollständig online einsehbar ist, sind solche Dokumente abschriftlich in großer Zahl enthalten.

Ehevertrag zwischen Brigitte von Lüder und Christoph von Wolframsdorf, 1570
Ob die Zahl der Siegler der Ehe wohl Glück oder Unglück gebracht hat? Dreizehn Personen unterschrieben und besiegelten den Ehevertrag zwischen Brigitte von Lüder und Christoph von Wolframsdorf, 1570 (HStAM Best. Urk. 135 Nr. 75)

In den Fotobeständen des Staatsarchivs Darmstadt ist das eigentliche Heiratszeremoniell bei Adelshochzeiten des 19. Jahrhunderts dokumentiert. So wurden Prinz Heinrich von Preußen und Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein bei ihrer Hochzeit in Charlottenburg 1888 vor dem Traualtar abgelichtet, unter den illustren Gästen finden sich unter anderem Kaiser Friedrich III. Wilhelm sowie Queen Victoria (HStAD Best. R 4 Nr. 14085). Einen genaueren Blick auf die royalen Hochzeitsgewänder gestattet ein Foto aus dem Jahr 1862, das Prinzessin Alice von Großbritannien im weißen Brautkleid und ihren Ehemann Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein im Mantel des Hosenbandordens zeigt (HStAD Best. D 27 A Nr. 48/99).

Hochzeitsfoto von Ludwig IV. Großherzog von Hessen und bei Rhein und Prinzessin Alice von Großbritannien, 1862
Hochzeitsfoto von Ludwig IV. Großherzog von Hessen und bei Rhein und Prinzessin Alice von Großbritannien, 1862 (HStAD Best. D 27 A Nr. 48/99)

Interessante Details sind auch zu den adligen Hochzeitsfeiern überliefert. Anlässlich der Trauung Philipps des Großmütigen mit Christine von Sachsen wurde beispielsweise in Kassel ein großes Turnier veranstaltet, die Teilnehmer und Sieger sowie die anwesenden „Fürstlichkeiten“ wurden in einer Liste erfasst (HStAD Best. D 4 Nr. 2/7). Auch für das leibliche Wohl war natürlich gesorgt. Eine besonders eindrucksvolle Torte wurde etwa auf der Hochzeit des Kronprinzen Albert Edward von Großbritannien mit Alexandra von Dänemark im Jahr 1863 serviert (HStAD Best. D 27 A Nr. 37/173).

Hochzeitstorte für Kronprinz Albert Edward von Großbritannien und Alexandra von Dänemark, 1863,
Essbares Kunstwerk: Hochzeitstorte für Kronprinz Albert Edward von Großbritannien und Alexandra von Dänemark, 1863 (HStAD Best. D 27 A Nr. 37/173)

Von einer reichhaltigen Getränkeauswahl zeugt das 14seitige Verzeichnis des auf der Vermählungsfeier des Grafen Georg zu Nassau-Dillenburg mit seiner zweiten Frau Amalia von Sayn-Wittgenstein im Jahr 1605 ausgeschenkten Weins (HHStAW Best. 171 Nr. Z 613).

Verzeichnis des bei der Hochzeit von Georg Graf von Nassau-Dillenburg und Amalia von Sayn-Wittgenstein ausgeschenkten Weins, 1605
Verzeichnis des bei der Hochzeit von Georg Graf von Nassau-Dillenburg und Amalia von Sayn-Wittgenstein ausgeschenkten Weins, 1605 (HHStAW Abt. 171 Nr. Z 613)

Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden die frisch Vermählten gewöhnlich auch reich beschenkt. Landgräfin Elisabeth von Hessen, einer Tochter Landgraf Heinrichs I., wurde zu ihrer Hochzeit mit Gerhard V. von Eppstein im Jahr 1294 beispielsweise die Hälfte der Burg Schartenberg bei Zierenberg übereignet (HStAM Best. Urk. 100 Nr. 1551). Ihre spätere Namensvetterin erhielt 1525 anlässlich ihrer Trauung mit Pfalzgraf Ludwig II. von Zweibrücken zahlreiche mit Diamanten, Rubinen und anderen Steinen oder Perlen besetzte Ketten, Spangen sowie andere Schmuckstücke, über die ein detailliertes Verzeichnis angelegt wurde (HStAM, Best. Urk. 1 Nr. 1825).

Mit diesen Schlaglichtern auf einige Eheschließungen des hessischen und europäischen Adels wünschen wir allen Paaren, die in den kommenden Wochen heiraten, einen gelungenen Hochzeitstag, gutes Wetter und natürlich viel Glück und Freude!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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