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Kryptische Botschaften und geheime Nachrichten

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Chiffren mit Symbolen für verschiedene Herrscher und andere Personen (HStAM Best. 3 Nr. 3123)
Der Herzog von Sachsen hatte einen Weinkelch, der von Bayern ein Beil: Chiffren mit Symbolen für verschiedene Herrscher und andere Personen (HStAM Best. 3 Nr. 3123)

Bereits in der Antike wurden Informationen aus Geheimhaltungsgründen verschlüsselt, bis heute ist dies in der Informationstechnik üblich. Auch in den digitalisierten Beständen des HLA finden sich zahlreiche Schreiben, die teilweise oder sogar vollständig in Geheimschrift verfasst sind und daher erst dechiffriert werden müssen, um den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spur zu kommen.

Verschlüsselter Bericht über die Heiratspläne von Heinrich III. Graf von Nassau (HHStAW Best. 170 III Nr. 29)
Verschlüsselter Bericht über die Heiratspläne von Heinrich III. Graf von Nassau (HHStAW Best. 170 III Nr. 29, Ausschnitt)

Die Brüder Heinrich III. und Wilhelm der Reiche, Grafen von Nassau, bedienten sich in ihrer Korrespondenz häufig geheimer Alphabete. Heinrich verschlüsselte beispielsweise 1523 einen Bericht über seine Heiratspläne mit der Markgräfin von Cenette (HHStAW Best. 170 III Nr. 29), die er im darauffolgenden Jahr in die Tat umsetzte. Heinrich codierte häufig große Abschnitte seiner Schreiben, teilweise ist in der Überlieferung die Auflösung der Geheimschrift zwischen den Zeilen eingetragen oder eine Transkription beigegeben. Auch in einigen Briefwechseln Philipps des Großmütigen kamen Chiffren zum Einsatz, etwa in einer Mitteilung Ulrich Zwinglis an den Landgrafen aus dem Jahr 1530, in der er seinen Streit mit Luther thematisierte (HStAM Best. 3 Nr. 1796). Zwingli verschlüsselte darin allerdings keine vollständigen Absätze, sondern lediglich Eigennamen von Personen, Orten und Ländern.

Chiffre für die Korrespondenz zwischen Ulrich Zwingli und Philipp Landgraf von Hessen, um 1530 (HStAM Best. 3 Nr. 1796)
Venedig wurde durch Wellen dargestellt: Chiffre für die Korrespondenz zwischen Ulrich Zwingli und Philipp Landgraf von Hessen, um 1530 (HStAM Best. 3 Nr. 1796)

Die regelmäßige Nutzung von Codes im hessischen und nassauischen Schriftverkehr des 16. Jahrhunderts bezeugen auch mehrere Akten, die umfangreiche Tabellen zur Ver- und Entschlüsselung verschiedener Chiffrensysteme enthalten (z.B. HHStAW Best. 171 Nr. C 667, Nr. K 569; HStAM Best. 3 in Nr. 3123, siehe Bild oben). Es gab unterschiedliche Möglichkeiten, die einzelnen Buchstaben eines Textes durch jeweils andere Buchstaben zu ersetzen, wobei zu unterscheiden ist zwischen monoalphabetischer Vertauschung, in der jedem Buchstaben ein anderer eindeutig zugeordnet wurde, und polyalphabetischer Substitution, bei der mehrere Schlüsselalphabete parallel Verwendung fanden.

Gitter für die monoalphabetische Substitution (HHStAW Best. 171 Nr. K 569)
Gitter für die monoalphabetische Substitution (HHStAW Best. 171 Nr. K 569)

Buchstaben, Silben oder ganze Worte konnten auch durch Zahlen oder Symbole repräsentiert werden. Häufig genutzt wurde das sogenannte Freimaurer-Alphabet, bei dem die Buchstaben durch Linien und Punkte entsprechend ihrer Lage in einem aus drei mal drei Feldern bestehenden Gitter dargestellt wurden.

Verschlüsselung im sog. "Freimaurer Alphabet" (HHStAW Best. 171 Nr. K 569)
Verschlüsselung im sog. "Freimaurer Alphabet" (HHStAW Best. 171 Nr. K 569)

Auch in späteren Jahrhunderten wurden in den landesherrlichen Kanzleien Geheimschriften entwickelt und genutzt. Für die Kommunikation zwischen Hessen-Kassel und Schweden sind Chiffre-Schlüssel aus dem 17. und 18. Jahrhundert überliefert, die teilweise sogar in gedruckter Form vorliegen (HStAM Best. 4 f Staaten S Nr. Schweden 116; vgl. auch Nr. Schweden 271).

Gedruckter Zahlenschlüssel für Staaten und Orte (HStAM Best. 4 f Staaten S Nr. Schweden 116)
Gedruckter Zahlenschlüssel für Staaten und Orte (HStAM Best. 4 f Staaten S Nr. Schweden 116)

Auch der Geheime Rat zu Hessen-Kassel setzte bei der Kommunikation mit den hessischen Gesandten auf einen Code (HStAM Best. 5 Nr. 19784), ebenso wie das Kabinett Nassau-Weilburg im frühen 19. Jahrhundert für die Kontakte zu seinen Agenten (HHStAW Best. 151 Nr. 902). Aus der Mitte dieses Jahrhunderts stammt ein Chiffrenalphabet, das speziell für die Nutzung in Telegrammen zwischen der kurhessischen Regierung und ihren Gesandtschaften erarbeitet wurde. Ein zur Erläuterung beigegebener Beispielsatz lautet etwa: Wie befindet sich der König? (HStAM, Best. 300 Nr. C 20/11).

Schlüssel für Telegramme (HStAM Best. 300 Nr. C 20/11)
Eine wichtige Frage: Wie befindet sich der König? Schlüssel für Telegramme (HStAM Best. 300 Nr. C 20/11)

In den meisten Fällen betreffen die vollständig oder teilweise verschlüsselten Schriftstücke inhaltlich aber militärische Angelegenheiten und konkrete Fragen der Kriegsführung (z.B. HStAM Best. 4 h Nr. 1411 und Best. 118 a Nr. 3954).

Chiffrierter Brief von Otto von der Malsburg, 1637 (HStAM Best.4 h Nr. 1411)
Geheime Kriegsführung: Chiffrierter Brief von Otto von der Malsburg, 1637 (HStAM Best.4 h Nr. 1411)

Wir wünschen allen Hobbydetektivinnen und Rätselfreunden viel Freude und Erfolg beim Knacken dieser historischen Codes!
Sabine Fees, Hessisches Landesarchiv

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